Vorsicht vor unseriösen Dating Portalen

Millionen Deutsche sind im Netz auf der Suche nach der großen Liebe oder einfach nur einem Abenteuer. Die Sehnsucht von alleinstehenden Frauen und Männern, den richtigen Partner fürs Leben zu finden, hat sich für die Betreiber von Singlebörsen zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt. Um dabei nicht abgezockt zu werden, muss man schon ganz genau hinschauen.

Partnervermittlungen

Sogenannte Partnervermittlungen wie die bekannten Anbieter „Parship“ und „Elitepartner“ bieten meist Verträge mit Laufzeiten zwischen sechs und 24 Monaten an. Die Portale verlangen für eine Mitgliedschaft nicht selten bis zu 80 Euro pro Monat. Wirklich transparent ist die Preispolitik aber nicht, da man die genauen Tarife und Konditionen erst nach einer kostenlosen Anmeldung erfährt. Schließt man einen Vertrag über eine Premium-Mitgliedschaft ab und will diesen nach kurzer Zeit widerrufen, können enorme Kosten entstehen. Zwar gibt es ein 14-tägiges Widerrufsrecht, aber die Portale verlangen Geld für ihre in dieser Zeit erbrachten Dienstleistungen. Das können locker mehrere hundert Euro sein. Dagegen liefen bereits erfolgreich Klagen. (LINK) Auch aufpassen muss man bei der Kündigung des Vertrags. Oft verlängern die Partnervermittlungen die Verträge automatisch – um bis zu ein Jahr, was sehr teuer werden kann. Auch diese Praxis wurde bereits für unzulässig erklärt. Stiftung Warentest empfiehlt, in so einem Fall einen Anwalt einzuschalten. Im Gegensatz zu Flirt- und Singleplattformen kannst du bei Partnervermittlungen davon ausgehen, dass es keine Fake-Accounts gibt.

Singlebörsen

Bei Singlebörsen kann man in der Regel erst mal kostenlos reinschnuppern. Auch ist es möglich, ein Profil anzulegen. Wer mit anderen in Kontakt treten will, braucht in den meisten Fällen aber eine Mitgliedschaft und muss einen Vertrag abschließen. Bei Love-Scout – einer der erfolgreichsten Singlebörsen – kostet  die Mitgliedschaft, je nach Alter und Laufzeit, zwischen 9,99 Euro und 49,99 Euro im Monat. Achtung: Bei weniger bekannten Portalen lauern oft Fake-Accounts.

Fake-Accounts

Sehr beliebt, um ahnungslosen Singles das Geld aus der Tasche zu ziehen sind Fake-Profile von angeblichen Singles, die es gar nicht gibt!   

  • Online geschieht dies oft durch geschultes und gut bezahltes Personal, welches einen in kostenpflichte Bereiche lockt, in denen die Singles beispielsweise mehr Fotos sehen können. Auch eine andere Methode lockt dem Kunden schnell viel Geld aus der Tasche: Lockvögel versuchen im Auftrag von anderen kostenpflichtigen Portalen die Nutzer für ihre Auftraggeber abzuwerben. So verlocken sie einen zu Premium-SMS-Kommunikation. So entstehen teure Plaudereien für mehrere Euro pro SMS.
  • Teilweise arbeiten die Börsen selbst mit solchen Lockvögeln und schreiben das direkt in die AGB. So heißt es in den AGB bei single-jungle.net:
  • Bei single-jungle.net handelt es sich um einen moderierten Dienst. Die Moderation dient dazu, die Aktivitäten über das Portal und damit die Umsätze des Betreibers zu erhöhen. Dazu legen Moderatoren, die vom Betreiber beschäftigt werden, eine Vielzahl von Profilen fiktiver Personen an und geben sich als diese fiktive Person aus. Daher verbergen sich nicht hinter allen Profilen reale Personen. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei sämtlichen Profilen um fiktive Profile handelt, die von Moderatoren betrieben werden.
  • Zu den fiktiven Profilen gehören persönliche Daten, die sich die Moderatoren ausdenken, und Kontaktdaten, die passend zu dem jeweiligen Profil angelegt werden. Alle Äußerungen sowie alle von den fiktiven Profilen angegebenen persönlichen Daten sind Erfindungen der Moderatoren. Aus dem Umstand, dass zu einem Profil Kontaktdaten angegeben werden, kann nicht gefolgert werden, dass sich hinter dem Profil eine wirklich existierende Person verbirgt.
  • Ein männliches Profil kann von einer weiblichen Moderatorin, ein weibliches Profil von einem männlichen Moderator betrieben werden. Aus Sicht einiger Portalbetreiber scheint dies legal zu sein, als Verbraucher solltest du bei solchen Formulierungen lieber die Finger von dem Portal lassen. 2017 hatte die Verbraucherzentrale von 187 Online-Dating-Portalen berichtet, die so arbeiten. 

Vorsicht: Vorschuss-Betrug

Vor einer weiteren Masche warnt auch die Polizei: Scamming, auf Deutsch Vorschuss-Betrug. Dem Foto nach attraktive Frauen und Männer schreiben potentielle Opfer in Online-Partnerbörsenan. Ist ein Kontakt erst einmal hergestellt, werden diese mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit überhäuft. Dann geben die virtuellen Partner vor, in Geldnot geraten zu sein. Die Schwindler bitten um Überweisungen. Wer da mitmacht, sieht sein Geld nie wieder - und auch den virtuellen Heiratsschwindler nicht.

Schutz vor Betrügereien

Um sich vor Betrügereien auf der Suche nach der großen Liebe zu schützen, gibt es im Prinzip nur zwei Wege:

Fake-Profile erkennen

Fake-Profile kann jeder beim Online-Dating oft an ganz einfachen Merkmalen erkennen:

  • Schöne Fotos: Wenn die  Menschen auf den Fotos zu schön sind, um wahr zu sein, dann ist Vorsicht geboten. Fotos sollten deshalb in die Internetbildsuche eingegeben werden, die prüft, ob das Bild von einer anderen Seite „geklaut“ wurde.
  • Kein Treffen möglich: Gibt es immer wieder Ausreden, dass ein Treffen nicht möglich sei oder die vereinbarten Treffen werden kurzfristig abgesagt?  Versuche es mit einem Telefonat. Ist auch das nicht möglich, solltest du stutzig werden. 
  • Verweis auf andere Portale: Wenn der Flirtpartner vorschlägt, über andere Portale oder kostenpflichtige Hotlines weiter zu kommunizieren, sollte klar werden, dass es hier nicht um Liebe, sondern um Geld geht. Auch wenn das Gegenüber plötzlich seine Telefonnummer ändert, sollte man stutzig werden und prüfen, ob die Kommunikation darüber extra kostet.
  • Bitte um Geld: Das ist die Masche der digitalen Heiratsschwindler. Es wird dabei schnell viel geschrieben, Seelenverwandtschaft vorgegaukelt, intensive Gefühle entwickelt und plötzlich hat er oder sie kein Geld für den Flug, das Visum oder ein Verwandter ist schwer krank und braucht Medikamente. Doch am Ende wollen sie nur das Geld. Jeder sollte deshalb immer skeptisch sein, wenn jemand um eine Überweisung bittet. Das Geld sieht man in der Regel nicht wieder.
  • Blick in die AGB: Wenn du misstrauisch wirst, dann lies dir die ABG des Seitenbetreibers durch. Dort steht meist ganz offen, ob mit fiktiven Profilen gearbeitet wird.

Seriöse Partnervermittlung finden

Natürlich gibt es unter den Single-Börsen nicht nur schwarze Schafe. Im Gegenteil, viele der großen und bekannten Agenturen sind seriös. Bevor man sich irgendwo online registriert oder einen Vertrag unterschreibt, sollte man immer die AGB genau lesen und nur diejenigen Daten angeben, die wirklich erforderlich sind.  Für den Anfang kann man es ruhig mit einer kostenlosen Singlebörse versuchen. Der Vorteil ist, dass sich dort besonders viele Singles eingetragen haben. Natürlich sind da nicht alle ernsthaft auf Partnersuche, sondern vielleicht sogar auf ein Abenteuer aus. Auch kostenpflichtige Anbieter können sich lohnen, da erfahrungsgemäß hier eher Menschen zu treffen sind, die ernsthaft einen Partner suchen. Eine einfache Lösung, um nicht abgezockt zu werden: Überhaupt keinen Vertrag mit einem Partnervermittlungsinstitut abschließen. Als seriöse kostenlose Dating-Portale gelten beispielsweise Finya und Facebook Dating. Worauf man sich nicht verlassen sollte, sind Siegel, die sich die Plattformen zum Teil selbst geben. Auch Rankings von Vergleichsportalen taugen meist nicht viel. Verbraucherschützer kritisieren, dass die Kriterien der Bewertung nicht erkennbar seien und Dating-Portale Provisionen für das Ranking bezahlen.

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