Ein Vogel als Haustier – So geht es den Tieren gut

Sie sind niedlich, schnell zutraulich und sorgen bei Menschen für gute Laune: Wellensittiche, Zebrafinken und Papageien sind beliebte Haustiere. Zwischen vier bis fünf Millionen Tiere leben in deutschen Haushalten. Wer einen Vogel halten will, sollte aber ein paar Dinge beachten, damit sich die Tiere so wohl fühlen wie möglich.

"Vögel bitte niemals alleine halten"

In freier Natur leben die als Haustier beliebten Vögel gemeinsam mit Artgenossen. Daher sei enorm wichtig, diese Tiere nicht allein zu halten, sagt Mirco Stemann. Der Tierarzt arbeitet in Leipzig in der Praxis Fabritius und hat sich unter anderem auf Vögel spezialisiert:

Mirco Stemann
Bildrechte: privat

Die Tiere, die in Einzelhaltung gehalten werden, sind häufig verhaltensauffällig, apathisch oder betreiben Automutilation. Das heißt: Sie reißen sich selbst Federn aus oder beißen sich die Haut auf.

Als Haustier könnten Vögel ihren natürlichen Bewegungsdrang in der Regel nicht ausleben. Umso wichtiger sei daher ausreichend Platz in der Wohnung oder im Haus, um das Problem wenigstens etwas abzumildern.

Vor dem Kauf sollte ich auf jeden Fall prüfen, ob ich überhaupt genug Fläche habe, mir einen Käfig ausreichender Größe in die Wohnung zu stellen. Der beinhaltet dann Platz für mindestens zwei Vögel. Dazu sollten noch Möglichkeiten für Freiflug und ausreichend Ruhezonen kommen.

Auf den Bewegungsdrang der Vögel verweist auch Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund.

Lea Schmitz
Bildrechte: © Deutscher Tierschutzbund e.V.

Die Vögel wollen fliegen und sollen fliegen können. Dafür brauche ich dann eine große Voliere und entsprechend Platz. Und auch einen Raum, wo die Vögel mal außerhalb der Voliere fliegen dürfen.

Die Tierschutzorganisation PETA empfiehlt, gleich ganze Zimmer als Vogelzimmer einzurichten. Dort stört dann möglicherweise auch eine Eigenart von Vögeln weniger als im Wohnzimmer oder in der Küche: Die Tiere lassen im Flug Kot und Körnerhülsen fallen.

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22.09.2021, 19:50 Uhr /
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aus dem Tierheim Plauen

Quasseln, tschilpen, krakeelen

Mirco Stemann rät, sich vor der Entscheidung für einen Vogel nicht nur ausführlich beim Tierarzt oder in Fachbüchern über die Haltung, das nötige Zubehör und das Futter zu informieren:

Viele Besitzer unterschätzen vor dem Kauf von Vogel die Lautstärke, die so ein neuer Mitbewohner mit sich bringen kann.

Wenn beispielsweise Papageien beim ersten Tageslicht laut krächzen oder Rosenköpfchen immer wieder laut zetern, kann das vor allem im Sommer bei offenen Fenstern zu Problemen mit dem Nachbarn oder dem Vermieter führen. Familien mit Kindern sollten beachten, dass Vögel keine Kuscheltiere sind. Lea Schmitz sagt:

Das sind in erster Linie Beobachtungstiere, wo man Spaß dran haben kann, die Tiere einfach anzuschauen und die Voliere einzurichten und die Tiere zu versorgen. Aber das sind keine Hunde oder Katzen, mit denen Kinder auch mal kuscheln und ein intensiveres Verhältnis aufbauen können.

Viele Vogelarten seien zudem anspruchsvoll in der Haltung und sollten daher nicht Kindern überlassen werden. Auch das sollte vorab bedacht werden: Manche Erwachsene und Kinder reagieren allergisch auf Eiweißstoffe in den Federn oder im Kot von Vögeln. Diese Proteine werden beim Flügelschlagen im Raum verteilt oder binden sich an Staubpartikel in der Luft. Die Allergiegefahr ist allerdings nicht so groß wie bei vielen Haustieren mit Fell, sagt Mirco Stemann.

"Eher Tiere für erfahrene Halter"

Aras oder Loris sind mit ihrem bunten Federkleid ein echter Blickfang. Allerdings gehören diese Vögel neben Kakadus oder Graupapageien zu den Vogelarten, deren Haltung sehr aufwendig ist. Das fängt schon beim Futter an, dass genau auf die Lebensgewohnheiten der Vögel in Freiheit zugeschnitten sein muss. Mirco Stemann sagt:

Loris zum Beispiel brauchen eine bestimmte, sogenannte Lori-Suppe aus Pollen, Nektar oder auch Obst.

Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes sollten Großpapageien wie Aras oder Kakadus gar nicht privat gehalten werden, weil dort die großen Tiere ihren Bewegungsdrang meist gar nicht ausleben können. Kleinere Vogelarten wie Wellensittiche, Kanarienvögel oder auch Zebrafinken sind aus Sicht von Tiermediziner Stemann nicht ganz so anspruchsvoll und könnten daher mit entsprechender Vorbereitung auch zu Hause gehalten werden.

Vereine vermitteln auch Vögel

Wer sich für einen Vogel als Haustier entscheidet, erkundigt sich am besten zuerst im nächsten Tierheim. Dazu raten sowohl Tiermediziner Mirco Stemann als auch Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Sie sagt:

Nach einer Umfrage von uns werden jedes Jahr 14.600 Vögel neu in Tierheimen aufgenommen. Wenn man da nachfragt, findet man vielleicht auch gleich ein Vogelpärchen, das sich angefreundet hat.

Alternativ würden auch Vogelschutzvereine oder Wellensittich-Vereine zwischen Haltern und Suchenden vermitteln. Mirco Stemann sagt:

Wer beim Züchter Vögel kaufen oder übernehmen will, sollte sich da vorher über den Züchter und über die Haltungsbedingungen der Tiere dort informieren: Sind die Käfige groß genug und sauber oder nicht? Sehe ich Krankheitsanzeichen bei den Tieren wie struppiges Gefieder, Bissstellen oder Federrupfen? Und deuten große Hautveränderungen auf Parasitenbefall hin?

Bei solchen Hinweisen sollten Vogelfreunde besser einen anderen Züchter wählen.

Wohnung oder Haus sicher für Vögel machen

Akazien und Azaleen, Lebensbäume und Weihnachtssterne könnten für Wellensittiche eine Gefahr sein, wenn diese die Pflanzen anknabbern. Davor wird in Internet-Foren von Tierfreunden regelmäßig gewarnt. Mirco Stemann sagt:

Wenn ich mein Zuhause vogelsicher mache, sollte ich prüfen, ob da potentiell gefährliche oder giftige Pflanzen stehen. Und ob sich die Tiere an Lampen oder an Herdplatten verbrennen könnten.

Der Tiermediziner rät zudem, möglichst mehr als nur eine Trinkstellen für die Vögel im neuen Zuhause aufzustellen. Auch für ausreichend Sitzstangen sollten Vogelbesitzer sorgen.

Sitzstangen sollten am besten aus Naturholz bestehen und in verschiedenen Dicken vorhanden sein, um so die natürliche Abnutzung von Krallen und Schnäbeln zu gewährleisten. Und um da keine Schädlinge von draußen reinzubringen, kann man die Hölzer vorher für wenige Minuten im Backofen auf ungefähr hundert Grad erwärmen.

Beim Material für die Befestigungsseile für die Stangen sollten Vogelhalter aber vorsichtig sein.

Wenn Seile aus Sisal oder ähnlichen Materialen genutzt werden, können sich Vögel daran aufhängen, mit den Krallen hängenbleiben oder sich sogar strangulieren.

Im Vergleich mit anderen Haustieren wie Hunden oder Katzen ist die Haltung von Vögeln vergleichsweise günstig. Für Zubehör und Futter fallen meist nicht ganz so hohe Kosten wie für Vierbeiner an. Die Kosten sollten Vogelfreunde trotzdem nicht unterschätzen. Für einen 12 Jahre alten Wellensittich oder Kanarienvogel können über die Jahre bis zu 2.000 Euro zusammenkommen, hat der Deutsche Tierschutzbund ausgerechnet. Anders als für Hunde und Katzen gibt es nach dem Wissen unserer Experten bisher keine Krankenversicherung für Wellensittich und Co. Lea Schmitz sagt:

Da kann man beim Tierarzt mal schnell viel Geld hinblättern. Eine Untersuchung auf Circo-Viren etwa kostet 120 Euro.

Die kann nötig sein, wenn ein Vogel größere Lücken im Gefieder zeigt. Dafür sollten Vogelbesitzer also vorab besser etwas Geld zurücklegen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 21. Juli 2021 | 11:45 Uhr

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