Wie sinnvoll ist ein Virenschutz fürs Smartphone?

Für Kriminelle sind Smartphones eine wahre Goldgrube: Wer Zugriff auf die Geräte hat, kann Bilder auslesen, Zugangsdaten für Onlinebanking und oft auch auf Kreditkartendaten abgreifen. Können Virenscanner davor schützen?

Wer ein Windows-Smartphone hat, muss sich aus Sicht von Computerexperten derzeit keine Sorgen machen. Zum einen sind diese Geräte einfach zu wenig verbreitet. Das Virenschreiben lohnt sich daher für Kriminelle in der Regel schlicht nicht. Zum anderen laufen auf Handys mit Windows Phone alle Programme in einer streng kontrollierten Umgebung, wie das Computermagazin CHIP erläutert. Damit werde auch Hackern der Zugriff auf private Daten sehr schwer gemacht. Auch iPhone- oder iPad-Besitzer können beruhigt sein, weil Apple bei den Kontrollen der Software sehr streng ist. Man kann nur Programme aus dem offiziellen App-Store beziehen und da drin wird alles überprüft. Entsprechend selten seien Meldungen über Trojaner und Viren auf iPhones. Außerdem stopfe Apple bekannt gewordene Sicherheitslücken vergleichsweise zügig und effektiv, sagen Sicherheitsexperten.

Im Fokus von Hackern: Smartphones mit Android

Hacker konzentrieren sich derzeit fast ausschließlich auf Smartphones oder Tablets mit Googles Betriebssystem Android. Das hat mehrere Gründe. Zum einen hat das offen gestaltete Betriebssystem mit rund 90 Prozent den größten Anteil am Smartphone-Markt. Zum anderen ist Android vergleichsweise leicht angreifbar, weil es viele Sicherheitslücken gibt. Die würden von manchen Herstellern nicht immer zügig geschlossen, sagt Andreas Marx, Geschäftsführer von AV-TEST aus Magdeburg und nennt einen weiteren Nachteil: Google bringt zwar für Android regelmäßig Updates heraus, die werden dann aber von den Herstellern für ihre Handys oft nur mit großen Verzögerungen freigegeben. Viele Handyhersteller befürchteten, mit einem fehlerhaften Update gleich tausende Smartphones lahmzulegen. Darüber hinaus werden Apps beim offen gestalteten Android-Betriebssystem nicht so scharf kontrolliert. Sie können auch aus anderen Quellen als dem offiziellen Google Play-Store geladen werden, wie beispielsweise aus E-Mail-Anhängen oder von Webseiten.

Schadsoftware gelangt meist über Apps auf Handy oder Tablet-PC

Umschau-Quicktipp - Smartphone
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Aus Sicht unserer Experten müssen sich Android-Nutzer trotz der beschriebenen Probleme derzeit noch keine allzu großen Sorgen machen. Aktuell würden selbst bekannte Sicherheitslücken kaum von Hackern genutzt. Schadsoftware gelange in der Regel allein über verseuchte Apps auf die Smartphones. Dafür sind die Viren als nützliche Programme oder Spiele getarnt. Das sind immer Dateien mit der Endung APK und wenn ich da drauf klicke, werden die installiert. Dabei kann aber Google nicht kontrollieren, ob die Dateien wirklich sauber sind. Wer dagegen Programme einzig aus dem offiziellen Google Play Store beziehe, sei vergleichsweise sicher vor Viren. Die tauchen in seltenen Fällen auch im offiziellen Store auf, dort werden sie aber auch innerhalb von wenigen Tagen gefunden und entfernt.

Gut beraten ist, wer einige Vorsichtsregeln befolgt und zum Beispiel stutzig wird, wenn eine App, die eigentlich Geld kostet, ihm plötzlich gratis angeboten wird. In solchen Fällen sollte man lieber die Finger davon lassen. Auch wenn eine App erst seit ein paar Tagen auf dem Markt ist und noch keine Bewertungen hat, sollte man vorsichtig sein.

Beim Surfen infiziert?

Viele PC-Nutzer wissen inzwischen, dass sie sich Viren auch beim Surfen auf seriösen Webseiten auf den Computer holen können. Dafür nutzen Hacker Sicherheitslücken in den Browsern aus und manipulieren dafür die Webseiten entsprechend. Bei verseuchten Webseiten muss ich als Anwender gar nicht aktiv etwas machen, um mir Schadprogramme aufs Smartphone zu holen. Das könnten Internetseiten sein, die über aktuelle Ereignisse wie eine Weltmeisterschaft berichten. Oft werde auch Nutzern der Link zu einem angeblichen Gewinnspiel zugeschickt, der dann aber für das Verbreiten von Viren genutzt werde.

Daten als Ware

Ein Mann in einem Spinnennetz, umgeben von Smartphones
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Hacker infizieren Smartphones, um damit Geld zu verdienen. So kann ein Schadprogramm etwa eine SMS an eine kostenpflichtige Nummer schicken und das kann richtig ins Geld gehen. Vorstellbar sei auch, dass die Login-Daten fürs Onlinebanking ausgespäht werden. Malware kann auch dafür genutzt werden, um die Zugangsdaten für Facebook abzugreifen. Darüber kann man die Kontakte auch dazu bringen, auf einen gefährlichen Link zu klicken und sich Viren zu holen. So lasse sich Schadsoftware schnell und weit verbreiten. Im Prinzip kann der Hacker alles machen, was ich mit dem Smartphone auch mache: Im Internet einkaufen oder auch teure 0900er-Nummern anrufen. Zudem könnten Hacker sehr private Bilder ausspähen und damit den Smartphone-Nutzer erpressen.

Virenscanner als Zusatzschutz

Android-Nutzer sind aus Sicht unserer Experten mit ein paar Verhaltensregeln vergleichsweise sicher vor Viren und den kriminellen Geschäftsmodellen der Hacker. Dazu gehört zum einen, Programme generell nur aus dem offiziellen Google Play Store zu laden. Wenn es ein Sicherheitsupdate für das Smartphone gibt, dann sollte man das auch gleich installieren. Ein anderer Weg: Handys von Herstellern, die großen Wert auf Sicherheit legen: Da kann man sich vor dem Kauf mal im Internet informieren, wie lang ein Hersteller seine Geräte mit Updates versorgt. Als zweiten Schritt kann man prüfen, welche Android-Version gerade aktuell ist und ob es die schon auf das Wunsch-Gerät geschafft hat. Virenscanner-Apps für Android sind beiden Sicherheitsexperten zufolge ein zusätzlicher Schutz, der aber nicht unbedingt notwendig ist. Positiv: Anders als noch vor wenigen Jahren bremsen die Schutz-Apps Smartphones und Tablet-PCs nicht mehr aus und führen nicht mehr dazu, dass der Akku deutlich schneller runter ist.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 22. Juni 2021 | 11:45 Uhr

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