So bekommst du Bakterien und Viren sicher aus der Wäsche

Hygienespüler sollen bis zu 99 Prozent aller Viren und Bakterien entfernen. Gerade jetzt klingt das nach Sicherheit. Doch die Spüler können sogar Schaden anrichten. Die Wäsche wird mit anderen Mitteln trotzdem keimfrei.

Person dosiert Waschmittel 1 min
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MDR JUMP Mo 18.05.2020 10:45Uhr 01:12 min

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Was die Hersteller versprechen und die Spüler wirklich können

Corona-Viren können sich tatsächlich auf verschiedenen Materialien längere Zeit halten. Auch auf Wäsche, obwohl es dazu kaum belastbare Studien gibt. Keiner weiß also genau, ob und wie lange die Viren sich in deinen verschmutzen Sachen halten und so eine Gefahr für andere darstellen. Hygienespüler sollen hier für Sicherheit sorgen. Die meisten müssen der Wäsche im letzten Spülgang zugesetzt werden, verbleiben also im Normalfall zum Teil in deinen frisch gewaschenen Klamotten. In der Waschmaschine sorgen sie mit ihren Wirkstoffen dafür, dass Bakterien, Pilze und Viren erfolgreich abgetötet werden. Das funktioniert auch bei den meisten Produkten problemlos. Allerdings: Das Versprechen gilt für 99 Prozent. Nachprüfen kann man das zu Hause nicht. Und das eine übrigbleibende Prozent ist immer auch ein Hintertürchen für die Hersteller.

Wem die Spüler schaden können

Verbraucherzentralen raten von der Verwendung solcher Hygienespüler ab. Für sie gehören die Spüler zu den Waschmitteln die man nicht wirklich braucht. Zum einen schädigen die Inhaltsstoffe im Abwasser Flüsse und Meere. Zum anderen können die antibakteriell wirkenden Stoffe die menschliche Hautflora, also unseren Schutzfilm aus Fett und Feuchtigkeit nachhaltig schädigen. Das gilt besonders für empfindliche Kinderhaut und sensible Hautbereiche bei Erwachsenen. Verwendest du also Hygienespüler, achte auf ungewöhnliche Hautreaktionen. Im Zweifel rät Hautärztin Dr. Ina Schultze:

Wenn Sie permanent Rötungen oder Juckreiz haben, den Sie selber nicht mehr wegbekommen, dann sollten Sie sich bei uns vorstellen.

Nicht zu vergessen: Das erwähnte eine Prozent aller überlebenden Keime kann gegen antibakterielle Wirkstoffe Resistenzen entwickeln. Das kann soweit gehen, dass Antibiotika nicht mehr wirken.

Wie du die Spüler richtig anwendest

Wenn du trotzdem Hygienespüler verwendest, rät unsere Expertin:

Die Substanzen verschwinden in der Regel nicht rückstandsfrei bei normalen Waschgängen. Ich empfehle daher immer, wenn Sie so ein Mittel verwenden, ein bis zwei Extraspülgänge an der Waschmaschine einzustellen. Dann sollten die Sachen wirklich unbedenklich sein.

Dr. Ina Schultze

Ob du oder ein Familienmitglied tatsächlich eine spezielle Hygienebehandlung der Wäsche braucht, solltest du im Zweifel mit einem Arzt abklären.

Wie du deine Wäsche auch ohne Hygienespüler sauber bekommst

Kleinkind sitzt vor Waschmaschine
Die Wäsche braucht keine Hygienespüler. Bildrechte: imago images / Westend61

Das Zauberwort heißt Waschpulver. Dort ist, im Gegensatz zu Flüssigwaschmitteln immer Bleiche enthalten und die wirkt sicher gegen Keime und Bakterien. Im Normalfall reicht dazu schon ein Waschprogramm mit bis zu 40 Grad Celsius. Wenn du oder ein Familienmitglied allerdings eine Krankheit hat oder es gerade jetzt wirklich keimfrei sein soll, dann sollte die Wäsche separat und bei mindestens 60 Grad mit Pulver gewaschen werden. Anschließend trocknest du die Wäsche am besten in der Sonne, die UV-Strahlen bekämpfen Keime und Bakterien nochmal gründlich. So, rät auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, bekommst du die Wäsche ohne Hygienespüler wirklich sauber. Eine 90 Grad-Wäsche ist nicht nötig. Am besten vermeidest du gerade jetzt die Verwendung von Weichspüler, der sorgt eher für den Verbleib von Bakterien in der Wäsche.

Wie du deine Haut schonend reinigst und pflegst

Neben belasteter Wäsche ist auch das aktuell geforderte Händewaschen ein Problem für die Haut.

Sie greifen dabei natürlich auch den Fett- und Säureschutzmantel der Haut an. Deshalb ist es wichtig, die Haut nach dem Waschen mit einer Creme zu pflegen. Das muss nicht dick sein, nur soviel, dass ein Schutzfilm aufgebaut wird.

Schwämme in Buchstabenform auf Marmorgrund
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Gerade jetzt duschen viele tatsächlich zu häufig und zu heiß. Das stresst die Haut. Sie braucht dann unbedingt eine rückfettende Pflege, vor allem auch bei Kindern. Achtung: Duschgels mit Cremeanteil oder rückfettender Wirkung helfen dir da nicht wirklich weiter. Eine extra-Pflege  ist besser. Und unsere Expertin hat auch noch einen klaren Favoriten, wenn es um die Frage Waschen oder Desinfizieren geht:

Aus meiner Sicht ist es gerade für Menschen mit häufigen Kontakten, also Pfleger, Ärzte und Verkäufer besser, die Hände eher zu desinfizieren als zu waschen. Gute Desinfektionsmittel haben rückfettende Substanzen, das greift die Haut auf Dauer nicht so stark an.

Wie deine Waschmaschine sauber bleibt

Für eine saubere Wäsche brauchst du auch eine saubere Waschmaschine. Sonst müffelt und keimt es schnell an Türgummi, Waschpulverfach oder Flusensieb. Die Keime können sich in der Maschine richtiggehend festsetzen. Deshalb solltest du die Maschine wenigstens einmal in der Woche bei 60 Grad laufen lassen. Zweimal im Jahr empfiehlt sich eine Maschinenreinigung mit speziellem Reiniger.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 18. Mai 2020 | 10:45 Uhr

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