Ventilator oder Klimaanlage?

21.06.2019 | 02:10 Uhr

Bei den schweißtreibenden Temperaturen im Sommer denken immer mehr Menschen über den Kauf von Kühlgeräten für die eigenen Wände nach. Was sollte beim Kauf von Ventilatoren und Klimaanalgen für daheim beachtet werden?

Ein Ventilator macht die Hitze etwas erträglicher 1 min
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Umschau-Quicktipp Klimageräte

Klimageräte

MDR JUMP Fr 21.06.2019 02:10Uhr 01:03 min

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Wie kühlt ein Ventilator?

Genau genommen kühlen Ventilatoren nicht. Sie wälzen lediglich die Luft die im Raum vorhandene Luft um, ohne sie zu be- oder entfeuchten, zu heizen oder zu kühlen. Der als kühlend empfundene Effekt entsteht durch den feuchten Schweiß auf unserer Haut. Ventilatoren vermischen durch ihren Luftzug die Feuchtigkeit auf der Haut mit der trockeneren Luft der Umgebung, lassen die Feuchtigkeit verdunsten und sorgen so für einen Kühlungseffekt, der eigentlich keiner ist.

Welche Typen gibt es?

Alle Ventilatoren funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Das sich drehende Lüfterrad mit Rotorblättern saugt von einer Seite Luft an und bläst sie auf der anderen Seite weg. Unterscheiden lassen sich Ventilatoren in ihrer Verstellbarkeit. Ist das Lüfterrad starr montiert, kann es nicht gekippt oder gedreht werden und das Gerät ist weniger flexibel einstellbar.

Mann kühlt sich auf seiner Terrasse mit einem Ventilator ab
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Standventilator
Standventilatoren sind der Klassiker unter den Ventilatoren und gehören zu den populärsten Geräten. Die Rotorblätter sind auf einer waagerechten Achse gelagert und sorgen für einen Luftstrom entlang der Achse. Standventilatoren sind meist höhenverstellbar und das Lüfterrad ist horizontal und vertikal verstellbar und kann bei Betrieb periodisch um 90 Grad schwingen. Das macht Standventilatoren sehr flexibel.

Turmventilator
Bei Turmventilatoren ist der Rotor unten in ein säulenförmiges Gehäuse eingebaut. Luft wird hier von der Seite angesaugt und vom Rotor nach oben ins Turminnere geblasen, wo sie aus Schlitzen zwischen Lamellen im Gehäuse austritt. Die Lamellen sind verstellbar, so dass sich der Luftstrom regulieren lässt. Turmventilatoren sind in der Regel bis 1,20 Meter hoch und können deshalb die Luft nur bis zu dieser Höhe ventilieren.

Deckenventilator
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Deckenventilator
Deckenventilatoren sind insbesondere in hohen Räumen effizient. Sie werden an der Decke montiert und erzeugen einen nach unten gerichteten Luftstrom. Weil die Ventilatoren direkt unter der Raumdecke hängen, können die Rotorblätter größer als bei Standventilatoren sein. Das ermöglicht bereits bei niedrigen Umdrehungszahlen spürbare Luftströme und hat den angenehmen Nebeneffekt, dass Deckenventilatoren sehr leise arbeiten. Viele Deckenventilatoren sind unterhalb des Rotors mit einer Lampenfassung versehen, da sie ja in der Regel an den Stromausgang an der Decke montiert werden, der für eine Lampe vorgesehen ist. Somit lassen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Bodenventilator
Bodenventilatoren lassen sich weniger gezielt ausrichten und sind deshalb besser dafür geeignet, für eine generelle Luftdurchmischung im Raum zu sorgen. Das Rotorrad ist nicht auf einer Achse befestigt, sondern hängt an einem Gestell. Es kann deshalb nur im Neigungswinkel verstellt werden und nicht schwingen.

Frau in den Wechseljahren vor Ventilator
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Tischventilator
Wer lediglich punktuell, also z.B. am Schreibtisch, einen Luftzug haben möchte, ist mit einem Tischventilator gut bedient. Tischventilatoren sind kompakt und sozusagen die kleine Ausführung eines Standventilators. Beim Kauf ist darauf zu achten, dass der Tischventilator durch Verstellmöglichkeiten einen Luftstrom auf Kopfhöhe erzeugen kann. Kleinere Tischventilatoren sind auch mit Betrieb über Batterien oder USB-Schnittstellen erhältlich und somit auch für die Reise geeignet.

Ventilatoren ohne Propeller
Durch die sogenannte Air-Multiplier-Technologie kommen neue Ventilatoren ohne sichtbare Rotorblätter aus. Diese befinden sich im Fuß des Gerätes und auf diesem Fuß ist ein Ring montiert. Mit hohem Druck wird die Luft aus dem Fuß in den Ring gedrückt und tritt dort aus einer sehr schmalen Ritze gleichmäßig aus. Es entsteht ein Unterdruck, der die Umgebungsluft mitzieht. Diese Geräte gibt es in verschiedenen Größen als Stand- und Tischgeräte.

Welcher Ventilator ist der richtige?

Grundsätzlich gilt: je größer das Gerät, desto größer die Luftumwälzung. Der erzeugte Luftstrom ist abhängig von Anzahl und Größe der Rotorblätter und von der Geschwindigkeit des Ventilators. Größeren Geräten sollte auch der Vorzug gegeben werden, weil sie den Strom effizienter nutzen.

Die Auswahl des Ventilators hängt auch vom gewünschten Effekt ab. Standventilatoren können direkt auf Kopfhöhe ausgerichtet werden, Tischventilatoren sorgen durch ihre Nähe für einen stärkeren Effekt - und Deckenventilatoren wälzen die gesamte Raumluft um.

Die Drehzahl des Ventilators sollte regulierbar sein, Standfestigkeit und Lautstärke sind weitere Kaufkriterien, die im Laden überprüft werden sollten.

Die Preise der Ventilatoren sind von der Art des Gerätes abhängig. USB-Tischventilatoren sind schon ab zehn Euro zu haben, Deckenventilatoren mit Beleuchtung können mehrere Hundert Euro kosten. Ventilatoren mit Air-Multiplier-Technologie sind ab 250 Euro aufwärts erhältlich.

Ventilatoren verbrauchen in der Regel weniger Strom als gemeinhin angenommen. Im Durchschnitt liegt ihre Leistung bei 50 Watt pro Stunde. Bei einem angenommenen Strompreis von 0,28 Cent pro Kilowattstunde verbraucht ein Ventilator in der Stunde dann Strom für 1,40 Cent.

Sicherheit und Wartung

TÜV-Plakette "GS - Geprüfte Sicherheit"
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Beim Kauf sollte man auf das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit – und insbesondere bei Importgeräten auf dessen Echtheit – achten. Ventilatoren sollten standsicher aufgestellt werden und in ihrer Bewegung nicht eingeschränkt sein. Rotorräder sind meist durch Gitter geschützt. Trotzdem sind Kinder von Ventilatoren fernzuhalten, insbesondere auch von kleineren Tischventilatoren, deren Rotoren meist frei liegen.

Wartungstechnisch ist eine regelmäßige Reinigung der Rotorblätter mit einem trockenen, bei in Küchen verwendeten Ventilatoren auch feuchten Tuch, ausreichend.

Klimageräte für die Wohnung

Klimageräte können heizen, befeuchten, kühlen und entfeuchten - und sorgen so für ein angenehmes Raumklima. Das wird je nach System durch einen Kältemittelkreislauf oder wassergefüllte Kammern in den Geräten erreicht.

Hand hält auf Klimaanlage gerichtete Fernbedienung
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Die meisten Klimageräte arbeiten mit einem Kältemittel, das in einem Kreislauf zwischen einem Kompressor und den Kühlrippen fließt. Das Kältemittel wird im Kompressor verdichtet und verflüssigt. Anschließend fließt es durch die Kühlrippen, dehnt sich dort aus und verdampft wieder. Beim Verdampfen nimmt das Kältemittel Wärme aus der Umgebung auf, kühlt diese ab und strömt zurück in den Kompressor. Das System ist geschlossen, Kühlmittel geht also nicht verloren. Soll die Klimaanlage heizen, dreht sich der Kreislauf um.
Der Kompressor wird elektrisch betrieben und es entsteht unweigerlich Abwärme, die, um den Kühleffekt nicht zu mindern, nach draußen abgeführt werden muss. Von der Energieeffizienz des Kompressors hängt es ab, wie viel Strom er verbraucht und wie viel Abwärme abgeführt werden muss.

Zur Trennung von kühlenden und wärmenden Bauteilen der Klimageräte gibt es drei Konzepte:

Monoblock-Klimageräte
Diese Geräte sind einfach zu handhaben: im Baumarkt kaufen, an den Stromkreis anschließen und in Betrieb nehmen. Die Preise liegen zwischen 250 und knapp über 800 Euro. Die Monoblock-Geräte haben allerdings den Nachteil, dass die Abluft über einen Schlauch aus dem Fenster abgeführt werden muss. Das Fenster muss dabei einen Spalt geöffnet bleiben und so strömt automatisch warme Luft nach innen - und mindert den Kühleffekt.

Manche Anbieter liefern Abdichtmaterial für das Fenster mit, allerdings auf (typisch amerikanische) Schiebefenster optimiert. Für die deutschen Dreh- und Kippfenster ist das Dämmmaterial meist ungeeignet. Da auch der Schlauch für die Abluft bis zu 60 Grad Celsius heiß wird und Wärme abgibt, sind Monoblock-Geräte insgesamt eine eher ineffiziente Kühllösung.

Split-Klimaanlagen
Split-Geräte sind zweigeteilt. Der Kompressor befindet sich außerhalb der zu kühlenden Räume, die Kühlrippen innen. Zwischen ihnen fließt das Kühlmittel. Die warme Abluft bleibt so draußen und die Geräte sind effizienter als die Monoblock-Anlagen. Außerdem reduziert diese Art der Geräte den Geräuschpegel, da der Kompressor, als lautestes Teil des Gerätes, draußen angebracht ist.

Der Nachteil dieser Geräte sind die mit 1.300 bis 2.800 Euro sehr hohen Anschaffungskosten und die aufwendige Montage, die nur von Kälteklimafachbetrieben durchgeführt werden darf. Da ein Wanddurchbruch erforderlich ist und ein Gerät an der Fassade angebracht wird, ist die Genehmigung des Vermieters bzw. die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft erforderlich. Neue Split-Geräte lassen sich von unterwegs per App steuern. Laut Stiftung Warentest funktionierte das nicht immer. Außerdem senden die Apps nichtbetriebsrelevante Informationen an Anbieter und Datensammeldienste. Wer das vermeiden will, bedient die Geräte nicht über die App.

Klima-Fenstergeräte
Diese Geräte sind eine Hybridlösung aus Monoblock- und Split-Geräten. Sie bestehen aus einem Gehäuse und werden so in der Fensteröffnung installiert, dass sich eine Hälfte außerhalb und eine innerhalb des Raumes befindet. Weder braucht es einen Spezialisten zum Einbau, noch ist ein Wanddurchbruch nötig. Die restliche Fensteröffnung lässt sich abdichten. Allerdings ist auch hier die Zustimmung von Vermieter bzw. Eigentümergemeinschaft einzuholen. 

Luftkühler
Luftkühler werden oft auch als Klimaanlagen angeboten. Diese arbeiten aber nicht mit einem Kältemittel, sondern mit der Verdunstungskälte von Wasser. Ein Ventilator bläst die warme Raumluft bei diesen Geräten an einem vorher mit Wasser befüllten Tank vorbei. Das Wasser verdunstet langsam und nimmt Wärme aus der Luft auf, die sich dadurch abkühlt.

Die Geräte sind kompakt und leicht. Der Stromverbrauch ist niedrig, da sie ohne Kompressor auskommen. Allerdings erhöhen sie durch die Wasserverdunstung die Luftfeuchtigkeit im Raum.

Welches Klimagerät ist nun das richtige?

Vor dem Kauf eines Klimagerätes sollte die benötigte Kühlleistung ermittelt werden. Pauschalisierende Angaben gehen von 30 bis 40 Watt pro Kubikmeter Raum aus.

Hand betätigt Klimaanlagen-Thermostat
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Klimageräte können bis zu 65 Dezibel laut werden, es gibt aber auch wesentlich leisere Geräte.

Alle Klimageräte verbrauchen verhältnismäßig viel Strom. Die Energieeffizienz sollte beachtet werden, da sonst die Betriebskosten steigen. Selbst effiziente Geräte verbrauchen pro Stunde oft 1.000 Watt und somit Strom für 25 bis 30 Cent. Gekauft werden sollten nur Geräte der Energieeffizienzklassen A bis A+++.

Aufgrund des relativ hohen Stromverbrauchs sollte man daher überlegen, ob nicht auch mit konventionellen Mitteln wie Rollos oder Markisen die Räume kühl gehalten werden können.

Wartung von Klimageräten

Um die Ansammlung von Bakterien und Pilzen im Gerät zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Geräte regelmäßig zu desinfizieren. Hierzu bieten die Hersteller in der Regel Sprays an, mit denen Verdampfer und Lüftung der Geräte gereinigt werden können.

Kältemittel und Umwelt

Kaputte Kühlschranke und Gefriertruhen stehen auf einem Wertstoffhof.
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Kältemittel schädigen, wenn sie bei Arbeiten am Gerät oder bei der Entsorgung entweichen, je nach Art die Umwelt unterschiedlich stark. Die Stiftung Warentest hat berechnet, dass das Entweichen von 500 Gramm eines bestimmten Mittels die Klimabelastung so hoch ist wie bei einem Flug von Frankfurt nach Dubai, bei einem anderen Mittel nur so hoch wie bei einer Bahnfahrt von Düsseldorf nach Köln. Das Kältemittel R410A gehört zu den umweltschädlichsten Mitteln, als umweltfreundlicher gilt das Kühlmittel R290. Bei ihm wird von einer geringeren Auswirkung auf den Treibhauseffekt ausgegangen.

Achtung: Geräte, die für R410A ausgelegt sind, lassen sich nicht auf andere Kältemittel umrüsten.

Entsorgung Wer Klimageräte entsorgen will, behandelt sie am besten wie einen Kühlschrank und bringt sie zu den kommunalen Sammelstellen.

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Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 21. Juni 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2019, 02:10 Uhr