Ernährung ohne Fleisch - besser oder schlechter, was wirklich stimmt!

09.03.2020 | 02:10 Uhr

Vegetarismus 1 min
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MDR JUMP Mo 09.03.2020 10:45Uhr 01:07 min

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Die Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse von 2019 schätzt etwas über sechs Millionen Vegetarier in Deutschland - Tendenz stark steigend. Hinzu kommen noch bis zu einer Million Veganer, Rohköstler und sogenannte Frutarier. Wir klären gleich, wer was is(s)t. Alle haben mindestens eins gemeinsam: sie ernähren sich ohne Fleisch und Wurst. Und: Die Industrie verdient kräftig daran, mit einem Jahresumsatz von gut 1,2 Milliarden Euro für die entsprechenden Lebensmittel. Viele Mediziner und Wissenschaftler begrüßen eine vegetarische Ernährung, trotzdem halten sich auch Vorurteile. Bevor wir die aufklären, noch kurz eine Einordnung:

Was sind eigentlich Vegetarier, Veganer und Co.?

Vegetarier verzichten in ihrer Ernährung auf Fleisch, Wurst und oftmals auch Fisch. Wer dabei weiterhin Eier und Milchprodukte isst, wird als Ovo-Lakto-Vegetarier bezeichnet. Lakto-Vegetarier verzichten auf Eier, Ovo-Vegetarier auf Milchprodukte. Veganer  essen und tragen in der Regel nichts von Tieren, sie verzichten zum Beispiel auch auf Honig. Rohköstler verzichten darauf, ihr pflanzliches Essen über 40 Grad Celsius zu erhitzen. Und Frutarier nehmen nur zu sich, was die Pflanze freiwillig hergibt, also Samen, Früchte und Pflanzenteile, die von selbst und ohne Beschädigung der Pflanze abfallen.

Warum ernähren die sich so?

Einer der Hauptgründe ist die Ablehnung jeglicher Tierhaltung und -tötung. Dazu kommen die damit verbundene Umweltbelastung und die Überzeugung, dass eine rein pflanzliche Ernährung gesünder ist und der Mensch von Natur aus "Pflanzenfresser" sei. Dem widersprechen zum Beispiel Anhänger einer besonders fleischlastigen Ernährungsform, der Paleo-Ernährung. Nach denen ging es mit unserer Entwicklung erst durch gebratenes Fleisch und die entsprechende eiweißreiche Ernährung bergauf.

Ein großes Für und Wider also bei dem oft auch seltsame Argumente vorgetragen werden, die wir jetzt klären:

Die Mythen

Der Mensch braucht Fleisch

Das ist Quark. Fakt ist: Fleisch ist ein wirklich tolles Lebensmittel, das uns vor allem Eiweiß, Eisen und bestimmte Vitamine liefert. Eiweiß oder auch Protein brauchen wir für die Bildung von Muskeln, Gewebe und auch Hormonen. Eisen ist unter anderem wichtig bei der Blutbildung und bei verschiedenen Stoffwechselvorgängen. Das heißt: Wir können tatsächlich Fleisch sehr gut verwerten, Eiweiß und Eisen können wir aber auch aus Pflanzen aufnehmen. Soja, Hülsenfrüchte und Nüsse sind fürs Eiweiß gut, Grünes Gemüse wie Fenchel, Brokkoli und auch Spinat liefern Eisen. Wir brauchen Fleisch also nicht unbedingt! Im Gegenteil, wer zu viel vor allem rotes Fleisch (von Rind und Schwein) isst, erhöht sein Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Probleme, auch Gicht und Rheuma können begünstigt werden.

Sportler brauchen  erst recht Fleisch

Auch das stimmt nicht. Größen wie Dirk Nowitzki oder auch Lewis Hamilton sollen rein vegetarisch leben und trotzdem Top-Leistungen bringen.

Merke: Ein richtig gut durchgebratenes Steak ist nichts weiter als verbackenes und verbranntes Eiweiß. Der Körper muss viel Energie und Flüssigkeit aufwenden, um daraus noch Nährstoffe zu gewinnen. Wenn schon Fleisch, dann am besten Roh als Gehacktes oder nur leicht gedünstet, das kann der Körper sehr gut verwerten.

Vegetarier leiden unter Nährstoffmangel

Es ist  richtig, das wichtige Stoffe aus Fleisch, Milch und Käse fehlen. Dazu zählen vor allem die erwähnten Eiweiße und Eisen. Hinzu kommen das wichtige Kalzium für die Knochen, Zink für das Immunsystem und viele B Vitamine für Herz und Hirn und noch einige andere Stoffe. Das kann man aber durch eine durchdachte pflanzliche Ernährung ausgleichen. Wichtige Omega-3 Fettsäuren wären in Fisch enthalten. Wer allerdings tatsächlich komplett auf tierischen Lebensmittel verzichtet, also Veganer und Frutarier etwa, der läuft bei körperlicher Belastung oder auch in Zeiten wie einer Schwangerschaft Gefahr, einen Nährstoffmangel mit drastischen körperlichen Folgen zu erleiden.

Deshalb gilt: Wenn du auf Fleisch und andere tierische Lebensmittel verzichtest, lasse dich regelmäßig beim Arzt deine Blutwerte checken und besprich mit ihm eine eventuelle zusätzliche Einnahme von Mineralstoffen, Vitaminen usw. Gerade Frauen in Schwangerschaft und Stillzeit, Kinder und ältere Menschen müssen besonders auf eine ausgewogene Ernährung achten und bei Mangelerscheinungen sofort zum Arzt gehen.

Vegetarier leben länger

Einen direkten Zusammenhang zwischen fleischloser Ernährung und der Lebensdauer konnten Studien bisher nicht nachweisen. Vermutet wird aber, dass Vegetarier und Co. sich ohnehin mehr mit einer gesunden und bewussten Lebensweise beschäftigen und dadurch tatsächlich länger Leben.

Vegetarier sind schlanker

Durch die bewusstere Ernährung und Lebensweise nehmen Vegetarier in der Regel weniger Kalorien zu sich und sind deshalb auch seltener übergewichtig.Veganer und Rohköstler neigen aus Medizinersicht manchmal dazu, zu wenige Kalorien zu sich zu nehmen.

Veggie-Produkte sind immer gesünder

Das ist Käse. Die Stiftung Warentest und Ökotest haben mehrfach nachgewiesen, dass besonders Fleischersatzprodukte oftmals hochverarbeitete Lebensmittel mit vielen ungesunden Zusatzstoffen, Geschmacksverstärkern und Fetten sind. Dort wo versucht wird, Fleischgeschmack reinzubekommen, steckt oft nicht viel Gutes drin. Produkte, die Milch und Käse ersetzen sollen, müssen oft mit Süßungsmitteln versetzt werden, um überhaupt Geschmack zu erzeugen. Rein pflanzliche vegetarische Kost, die möglichst wenig verarbeitet wurde, ist hingegen top-gesund, besonders, wenn sie aus Bio-Anbau stammt. 

Kinder sollten nicht vegetarisch ernährt werden

Besonders die B-Vitamine, Eisen und Jod sind für die Entwicklung von Kindern wichtig. Fehlen sie, drohen zum Beispiel in Gehirn und Augen Mangelerscheinungen, die nicht mehr ausgeglichen werden können. Deshalb können Kinder gerne vegetarisch, nicht jedoch vegan oder gar als Rohköstler ernährt werden.

Vegetarier riechen besser

Das besagt zumindest eine Studie der Universität Prag aus dem Jahr 2006. Männer haben gegessen, Frauen haben gerochen und fanden: Die Kerle ohne Fleisch in der Nahrung duften angenehmer.

Fazit – Wie man sich wirklich gesund ernährt

Viele Wissenschaftler lehnen eine pure Rohkosternährung ab, vor allem für Personen mit gesundheitlicher Einschränkung. Vegetarische Kost ist für die meisten Menschen hingegen völlig ausreichend. Aber auch wer mäßig Fleisch und Fisch zu sich nimmt, das Gemüse nicht vergisst und sich ansonsten viel bewegt, nicht raucht und viel trinkt, kann gesund alt und glücklich werden. 

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 09. März 2020 | 10:45 Uhr

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