Wie sinnvoll ist UV-Schutzkleidung?

17.06.2019 | 02:10 Uhr

Wie funktioniert der UV-Schutz durch Kleidung?

Zunächst das Offensichtliche: Jeder kennt den Bikini-Abdruck nach dem Sommerurlaub. Jeder weiß, dass Käppis dabei helfen, einen "kühlen Kopf zu bewahren". Auch ein Sonnenschirm schützt vor zu viel UV-Strahlung. Klar ist also, dass Textilien per se einen Schutz bieten. Doch ein weißes, verschwitztes Baumwoll-T-Shirt schützt deutlich weniger als beispielsweise ein schwarzes T-Shirt aus Polyester. Kunstfasern halten die Strahlung in der Regel besser ab als Naturfasern. Außerdem spielt es eine Rolle, wie dicht der Stoff gewebt wurde. Je dichter er ist, desto weniger Strahlung kommt durch. Dunkle Farben schützen meist besser als helle. Entscheidend ist außerdem, wie schnell ein Stoff am Körper wieder trocknet. UV-Schutzkleidung berücksichtigt diese Faktoren.

Wie wird der UV-Schutz von Kleidung ermittelt?

Gelber Sonnenschirm vor blauem, fast wolkenlosem Himmel
Bildrechte: imago/Panthermedia

Spezielle UV-Schutzkleidung muss auf ihren Schutzfaktor überprüft werden. Der wird mit dem UPF (Ultraviolet Protection Factor) angegeben. Für die Prüfung gibt es mehrere Normen: Man unterscheidet den Australisch-Neuseeländischen Standard (AS/NZS 4399:1996), den Europäischen Standard (EN 13758-1) und den UV-Standard 801.

Beim Australisch-Neuseeländischen Standard und dem Europäischen Standard sei eine Zertifizierung "nicht zwingend vorgeschrieben", erklärt Expertin Dana Luley vom Hohenstein Institut, an dem solche Prüfungen durchgeführt werden. Beim UV-Standard 801 sei das anders:

Um ein Produkt mit dem UV-Standard 801 bewerben zu dürfen, ist neben der Prüfung auch eine Zertifizierung notwendig.

Dana Luley, Hohenstein Institut

Wichtig ist vor allem der Unterschied beim Prüfungsvorgang. Nur beim UV-Standard 801 wird das Textil auch im nassen, gedehnten und gebrauchten Zustand überprüft. Im Zertifikat angegeben wird nur der unter allen Bedingungen am niedrigsten gemessene UV-Schutzwert. Die anderen Normen hingegen werden nur auf den Neuzustand angewendet. Die Internationale Prüfgemeinschaft für angewandten UV-Schutz empfiehlt deshalb den UV-Standard 801. Gesetzlich vorgeschrieben ist die Zertifizierung nach diesem Standard in Deutschland laut Bundesamt für Strahlenschutz allerdings nicht.

Was bedeuten die angegebenen UVP-Werte auf der Kleidung?

Der Ultraviolet Protection Factor (UPF) wird auf einer Skala von null bis 80 angegeben und meint die Verlängerung der Zeit, die man der Sonne ausgesetzt sein kann, ohne dass die Haut Schaden nimmt. Bei einem UPF von 80 ist die vom Kleidungsstück bedeckte Hautregion also 80 mal länger vor gefährlicher UV-Strahlung geschützt als im unbekleideten Zustand. Das Bundesamt für Strahlenschutz schreibt dazu:

Bei der Bestimmung des UPF wird von einer maximalen Strahlungsintensität mit dem Sonnenspektrum in Melbourne (Australien), am 1. Januar eines Jahres (also auf dem Höhepunkt des australischen Sommers) und dem empfindlichsten Hauttyp beim Träger ausgegangen.

UV-Schutzkleidung: Sinnvoll oder Geldschneiderei?

Kind mit UV-Schutz-T-Shirt an der Hand seines Vaters am Strand
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Gerade bei Babys und Kindern wollen Eltern alles richtig machen. Das haben auch die Produzenten erkannt und überschlagen sich gerade in Sachen Bekleidung mit Qualitätsversprechen. Doch ist der oft höhere Preis von UV-Schutz-zertifizierter Kleidung gerechtfertigt oder ein reines Marketing-Instrument? Mareike Alter, Leiterin des Hauttumorzentrums an der Otto von Guericke Universität Magdeburg sagt:

Bei einem bewussten Umgang mit Sonnenlicht ist konventionelle Kleidung völlig ausreichend.

Das gelte auch für die besonders empfindliche Haut von Kleinkindern. Nur wenn ein längerer Aufenthalt mit hohem UV-Index unvermeidbar ist, sieht die Oberärztin der Universitätshautklinik einen zusätzlichen Nutzen in der speziellen UV-Schutzkleidung. Allerdings sagt Alter auch:

Sonnencreme erreicht nie die Schutzwirkung von Textilien

Mareike Alter

Nur müsse es eben nicht zwangsläufig zertifizierte UV-Schutzkleidung sein.

Wer sollte UV-Schutzkleidung tragen?

Sinnvoll ist UV-Schutzkleidung am ehesten für Menschen, die es nicht vermeiden können, sich länger der UV-Strahlung auszusetzen: Outdoorsportler etwa oder bestimmte Berufsgruppen, wie Straßenbauarbeiter oder Gärtner, die häufiger im Freien arbeiten.

Weiterhin für nützlich halte ich sie in der Tat für Menschen, die zum Beispiel aufgrund von Medikamenten besonders lichtempfindlich sind und ein erhöhtes Risiko zur Ausbildung von Hautkrebs haben.

Mareike Alter

Fazit: normale Kleidung als UV-Schutz

Frau auf einem bunten Badetuch am Strand
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Zertifizierte UV-Schutzkleidung ist also nur für bestimmte Personengruppen wirklich notwendig. Für alle anderen kann sie einen Schutz bedeuten, allerdings schützen auch "normale" Textilien schon vor UV-Strahlen – und das besser als Sonnencreme. Mareike Alter von der Magdeburger Universitätshautklinik sagt deshalb, der beste Schutz sei es, das eigene Verhalten auf den Prüfstand zu stellen:

Der Grundsatz ist hier, den langen Aufenthalt im Freien bei einem hohen UV-Index zu vermeiden.

Mareike Alter

Den aktuellen UV-Index könne man etwa im Internet erfahren, grundsätzlich gelte besondere Vorsicht zwischen 11 und 15 Uhr.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. Juni 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 02:10 Uhr