Unfälle auf dem Arbeitsweg: In diesen Fällen gibt es kein Geld von der Versicherung

Zweimal am Tag sind viele von uns unterwegs von zu Hause zur Arbeit und zurück. Auf diesen Wegen und auch in der Firma sind wir versichert, sollte dabei etwas passieren. Auch für die vielen Angestellten, die jetzt wegen Corona im Homeoffice sitzen, gibt es einen gewissen Versicherungsschutz. Aber: Die Versicherung besteht nicht in jedem Fall und ist an bestimmte Verhaltensregeln gebunden.

Auffahrunfall mit Helfern vor Ort 1 min
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MDR JUMP Di 16.02.2021 10:45Uhr 01:11 min

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Was ist ein Wegeunfall?

Von einem Wegeunfall spricht man, wenn man sich auf dem Hin- oder Rückweg zur und von der Arbeit befindet und dabei einen Unfall hat. Dabei muss ein von außen einwirkendes Ereignis zu einem Gesundheitsschaden führen. Das klingt kompliziert, ist aber wichtig, weil ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall eben nicht als Wegeunfall gewertet werden. Außerdem definiert der Gesetzgeber die Wegstrecke ganz genau. Der Arbeitsweg beginnt nämlich, sobald die du die äußere, also letzte Tür des Wohnhauses verlassen hast. Im Hausflur bist du somit noch nicht versichert, solltest du beispielsweise in deinem Treppenhaus stürzen. Der Arbeitsweg endet mit dem Erreichen der Arbeitsstätte, sobald man das Firmengelände betritt.

Was ist hingegen ein Arbeitsunfall?

Ein Arbeitsunfall ist ein Unfall, der direkt auf Arbeit passiert. Das gilt auch für die gesamte Dauer einer Dienstreise. Auch Unfälle auf Dienstfahrten, beim Betriebssport, Betriebsfeiern oder Ausflügen mit der Firma werden als Arbeitsunfälle gewertet.

Wer ist gesetzlich unfallversichert?

Zu den versicherten Personen zählen abhängig Beschäftigte. Außerdem sind Schüler und Studenten sowie ehrenamtlich Tätige versichert. Sie müssen sich im Normalfall nicht selber um die Versicherung kümmern, das übernimmt Ihr Arbeitgeber, die Schule oder der Ausbildungsbetrieb. Unternehmer oder Selbstständige können sich freiwillig in der gesetzlichen Unfallversicherung oder aber privat versichern.

Bei wem bist du unfallversichert?

Wer zur Gruppe der Versicherten zählt, ist in Deutschland quasi automatisch gesetzlich unfallversichert, ohne dafür selbst etwas zahlen zu müssen, wie es etwa bei der gesetzlichen Krankenversicherung der Fall ist. Die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung zahlt der Arbeitgeber. Unternehmen sind dazu je nach Branche einer Berufsgenossenschaft zugeordnet. Sie sind letztlich die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Der Arbeitgeber ist auch derjenige, der die entsprechende Versicherung und die zuständige Krankenkasse über den Unfall informieren muss. Das heißt, wer abhängig beschäftigt, also angestellt ist, muss sich um nichts kümmern. Die Anmelde- und Versicherungspflicht liegt beim Arbeitgeber. Er ist es auch, der den Schadensfall an die Versicherung und unter Umständen zuständige Krankenkasse melden muss. Die gesamte Schadensabwicklung läuft also über Ihren Arbeitgeber. Selbstständige müssen sich um die entsprechende Versicherung selbst kümmern.

Was zahlt die gesetzliche Unfallversicherung?

Kosten, die durch einen Arbeits- oder Wegunfall entstehen, werden von der gesetzlichen Unfallversicherung beziehungsweise der zuständigen Berufsgenossenschaft erstattet. Übernommen werden auch Heilbehandlungen, Rehamaßnahmen und Hilfsmittel wie etwa ein Rollstuhl. Auch eventuelle Umschulungsmaßnahmen oder gar eine Verletzten- oder Hinterbliebenenrente können von der Versicherung bezahlt werden. Und wer zum Zeitpunkt des Unfalls schon mindestens vier Wochen angestellt war, hat nach einem Wegeunfall Anspruch auf bis zu sechs Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.

Was zahlt die gesetzliche Unfallversicherung nicht?

Warnschild: Wildunfälle
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Hast du auf dem Weg von und zur Arbeit einen Wildunfall, bleibst selbst unverletzt, aber das Auto kommt zu Schaden, zahlt das die Unfallversicherung in der Regel nicht. Dann musst du auf die Kasko-Versicherung hoffen. Denn: Die gesetzliche Unfallversicherung ersetzt hauptsächlich personenbezogene, also körperliche und psychische Schäden. Ausnahme: Gesundheitliche Hilfsmittel, wie etwa eine Brille können von der gesetzlichen Unfallversicherung ersetzt werden. Achtung: Schäden am Auto, Kosten für Bergung, Abschleppen und Reparatur können nach einem Wegeunfall als Werbungskosten bei der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Wann besteht beim Wegeunfall Versicherungsschutz?

Versichert ist man auf dem Hin- und Rückweg, zur und von der Arbeit. Das Verkehrsmittel ist dabei egal, selbst das Skatebord zählt. Die Versicherung greift grundsätzlich auf dem direkten Weg und auf notwendigen Umwegen. Solltest du also durch Stau oder Behinderung eine Umleitung fahren müssen, um günstiger zur Arbeit oder nach Hause zu kommen, ist auch das versichert. Gleiches gilt für Eltern, die auf dem Weg zur und von der Arbeit ihre Kinder in Schule oder Kindergarten abgeben oder abholen. Auch, wer auf dem Weg dringend tanken muss, ist noch versichert. Achtung: Nur Nottanken ist erlaubt. Wer wegen eines günstigen Preises mit halbvollem Tank eine Tankstelle ansteuert, und dort verunglückt, geht im Zweifel leer aus.

Wann besteht beim Wegeunfall kein Versicherungsschutz?

Grundsätzlich verliert man den Versicherungsschutz, wenn man unter Alkoholeinfluss unterwegs ist. Auch Umwege, für private Dinge, sind nicht versichert. Wer also nach der Arbeit noch Einkaufen oder zur Post will, ist während dieser Zeit nicht versichert. Und: Wer seinen Weg länger als zwei Stunden unterbricht, hat danach auf der Reststrecke keinen Versicherungsschutz mehr. 

Vorsicht: Auch wenn du als Angestellter in der Pause mal eben zum Bäcker um die Ecke gehst und es passiert was, gilt das normalerweise nicht als Wege- und schon gar nicht als Arbeitsunfall. Versichert ist man während dieser Zeit nur, wenn man glaubhaft nachweisen kann, dass man kurz vor der Unterzuckerung oder dem Kreislaufzusammenbruch stand und dringend etwas zu Essen brauchte. Das Mittagessen an sich und die Wege innerhalb einer Kantine sind normalerweise nicht versichert, sie zählen zu den Privatangelegenheiten. Der Weg zur Kantine kann wiederum unter Umständen versichert sein.

Sonderfall Homeoffice

Ein Mann mit Gipsbein sitzt an einem Tisch vor einem Laptop
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Viele von uns arbeiten derzeit im Homeoffice. Dort gelten besondere Regeln für Unfälle – noch nicht alles ist vom Gesetzgeber schon ausreichend klar getroffen. Im Einzelfall müssen Arbeitsrechtsanwälte dann auf die Rechtsprechung, also Gerichtsurteile zurückgreifen. Generell ist im Homeoffice alles versichert, was einen direkten Zusammenhang mit der Arbeit hat. Stürzt du beispielsweise in deiner Wohnung über einen Aktenordner und brichst dir das Bein, ist das versichert. Stolperst du dagegen über ein liegengelassenes Spielzeug, so ist das nicht versichert. Auch Gänge in die Küche oder zur Toilette sind – anders als im Büro – nicht versichert. Auch wer zu Hause arbeitet und sein Kind in Kita oder Schule bringt, ist auf diesem Weg nicht versichert. Im Ernstfall wendest du dich an einen Anwalt oder die Beratung der gesetzlichen Unfallversicherung.

Corona-Ansteckung auf Arbeit – Arbeitsunfall oder nicht?

Ob eine Infektion mit dem Coronavirus auf Arbeit als Arbeitsunfall anerkannt wird, muss im Einzelfall geprüft werden. Entscheidend ist, dass man die Ansteckung auf eine konkrete Person (sogenannte Indexperson) zurückführen kann, erläutert die Gesetzliche Unfallversicherung VBG. Im Einzelfall kann auch eine größere Zahl gleichzeitig Infizierter in einem Betrieb geltend gemacht werden, wie zum Beispiel die Corona-Ausbrüche bei Tönnies.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 04. Februar 2019 | 10:45 Uhr

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