Unfälle auf dem Arbeitsweg: In diesen Fällen gibt es kein Geld von der Versicherung

04.02.2019 | 02:10 Uhr

Auffahrunfall mit Helfern vor Ort 1 min
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MDR JUMP Mo 04.02.2019 10:45Uhr 01:09 min

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Auf Eis ausgerutscht, mit dem Auto jemandem draufgefahren, mit dem Fahrrad gestürzt: Wenn solche Unfälle auf dem Weg zur Arbeit oder zurück nach Hause passieren, sind Betroffene versichert. Allerdings zahlt die Versicherung nicht in jedem Fall. Zudem gibt es ein paar wichtige Verhaltensregeln.

Was gilt als Wegeunfall?

Von einem Wegeunfall spricht man, wenn du dich auf dem Hin- oder Rückweg zur und von der Arbeit befindest und dabei einen Unfall hast. Dabei muss ein von außen einwirkendes Ereignis zu einem Gesundheitsschaden führen. Das klingt kompliziert. Es ist aber wichtig, weil ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall eben nicht als Wegeunfall gewertet werden. Außerdem definiert der Gesetzgeber die Wegstrecke ganz genau. Der Arbeitsweg beginnt nämlich, sobald du die äußere, also letzte Tür deines Wohnhauses verlassen hast. Achtung: Im Hausflur bist du somit noch nicht versichert, solltest du beispielsweise im Treppenhaus stürzen. Der Arbeitsweg endet mit dem Erreichen der Arbeitsstätte, sobald du also das Firmengelände betrittst.

Was gilt als Arbeitsunfall?

Ein Arbeitsunfall ist ein Unfall, den Sie auf Ihrer Arbeit erleiden. Uwe Köppen von der Unfallkasse Sachsen-Anhalt sagte MDR JUMP:

Unfälle auf dem Dienstweg oder während einer Dienstreise sind auch Arbeitsunfälle.

Auch Unfälle beim Betriebssport, Betriebsfeiern oder Ausflügen mit der Firma werden als Arbeitsunfälle gewertet. 

Wer ist bei Wegeunfällen gesetzlich abgesichert?

Zu den versicherten Personen zählen alle abhängig Beschäftigten. Außerdem sind Schüler und Studenten sowie ehrenamtlich Tätige versichert. Sie müssen sich im Normalfall nicht selber um die Versicherung kümmern. Das übernimmt der Arbeitgeber, die Schule oder der Ausbildungsbetrieb. Unternehmer oder Selbstständige können sich freiwillig in der gesetzlichen Unfallversicherung oder aber privat versichern.

Bei wem sind Betroffene unfallversichert?

Wer zur Gruppe der Versicherten zählt, ist in Deutschland quasi automatisch gesetzlich unfallversichert, ohne dafür selbst etwas zahlen zu müssen. Das ist also ähnlich wie bei der gesetzlichen Krankenversicherung geregelt. Die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung zahlt der Arbeitgeber. Unternehmen sind dazu je nach Branche einer Berufsgenossenschaft zugeordnet. Sie sind letztlich die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Der Arbeitgeber ist auch derjenige, der die entsprechende Versicherung und die zuständige Krankenkasse über einen Unfall informieren muss. Das heißt für alle, die abhängig beschäftigt, also angestellt sind: Sie müssen sich um nichts kümmern. Die Anmelde- und Versicherungspflicht liegt beim Arbeitgeber. Er ist es auch, der den Schadensfall an die Versicherung und unter Umständen an die zuständige Krankenkasse melden muss. Die gesamte Schadensabwicklung läuft also über den Arbeitgeber. Im Ernstfall solltest du trotzdem zu Beginn des Arbeitsverhältnisses nachfragen. Dann bist du auf der sicheren Seite. Selbstständige müssen sich um die entsprechende Versicherung selbst kümmern.

Was zahlt die gesetzliche Unfallversicherung?

Bei einem Wegeunfall erstatten die gesetzliche Unfallversicherung beziehungsweise der zuständigen Berufsgenossenschaft alle Kosten, die bei der Behandlung und Genesung entstehen. Dazu gehören auch Heilbehandlungen, Rehamaßnahmen und Hilfsmittel wie etwa ein Rollstuhl.

Dazu zählen auch die Erstversorgung, die Zahnärztliche Behandlung, die Kosten für Arznei- und Verbandmittel. Weiterhin werden nach schweren Arbeitsunfällen Umschulungen, Widereingliederungshilfen für Arbeitgeber und Verletztenrenten für die Versicherten übernommen.

Wer zum Zeitpunkt des Unfalls schon mindestens vier Wochen angestellt ist, hat nach einem Wegeunfall Anspruch auf bis zu sechs Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.

Was zahlt die gesetzliche Unfallversicherung nicht?

Warnschild: Wildunfälle
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Hast du auf dem Weg zur oder von der Arbeit einen Wildunfall, bleibst aber selbst unverletzt, aber das Auto kommt zu Schaden, dann zahlt das die Unfallversicherung in der Regel nicht. Dann musst du dich an die Kasko-Versicherung wenden. Die gesetzliche Unfallversicherung ersetzt hauptsächlich personenbezogene, also körperliche und psychische Schäden. Ausnahmen sind gesundheitliche Hilfsmittel wie etwa eine Brille. Die können von der gesetzlichen Unfallversicherung ersetzt werden. Schäden am Auto, Kosten für Bergung, Abschleppen und Reparatur kannst du nach einem Wegeunfall aber als Werbungskosten bei der Steuererklärung geltend machen. 

Wann ist man beim Wegeunfall versichert?

Versichert bist du auf dem Hin- und Rückweg, zur und von der Arbeit. Das Verkehrsmittel ist dabei egal, selbst das Skatebord zählt. Versichert bist du grundsätzlich auf dem direkten Weg und auf notwendigen Umwegen. Solltest du also wegen Stau oder einer Behinderung eine Umleitung fahren müssen, um günstiger zur Arbeit oder nach Hause zu kommen, ist auch das versichert. Gleiches gilt für Eltern, die auf dem Weg zur und von der Arbeit ihre Kinder in Schule oder Kindergarten abgeben oder abholen. Auch der Weg zur Tankstelle ist noch versichert. Fährst du von einem Freund oder einer Freundin aus zur Arbeit, ist der Weg nur dann versichert, wenn du diesen Weg für gewöhnlich, also sehr häufig nimmst und nur selten von deiner eigentlichen Meldeadresse aus fährst.

…und wann nicht?

Grundsätzlich verlierst du den Versicherungsschutz, wenn du unter Alkoholeinfluss unterwegs bist. Umwege für private Dinge sind auch nicht versichert. Dazu zählt etwa der Einkauf oder Weg zur Post. Uwe Köppel sagte:

Dauert eben eine solche Unterbrechungen des Weges länger als zwei Stunden, dann ist auch der danach eingeschlagene Weg nicht mehr versichert.

Vorsicht: Auch wenn du als Angestellter in der Pause mal eben zum Bäcker um die Ecke gehen und es passiert dabei etwas, gilt das normalerweise nicht als Wege- und schon gar nicht als Arbeitsunfall. Du bist während dieser Zeit nur versichert, wenn du glaubhaft nachweisen kannst, dass du kurz vor der Unterzuckerung oder dem Kreislaufzusammenbruch warst und unbedingt etwas zum Essen brauchtest. Das Mittagessen an sich und die Wege innerhalb einer Kantine sind normalerweise nicht versichert. Die zählen zu den Privatangelegenheiten. Der Weg zur Kantine kann wiederum unter Umständen versichert sein.

Das Homeoffice ist ein Sonderfall

Eine junge Frau arbeitet an einem Schreibtisch zwischen zwei Aktenbergen
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Wenn da als Angestellter von zu Hause aus arbeitest, sind die Regelungen vom Gesetzgeber noch nicht ausreichend klar getroffen. Im Einzelfall müssen Arbeitsrechtsanwälte dann auf die Rechtsprechung, also Gerichtsurteile zurückgreifen. Und die sagen aktuell, dass alle Wege zu Hause, die unmittelbar mit deiner Arbeit zusammenhängen, versichert sind. Musst du also zum Beispiel vom Büro zur Post oder zum Briefkasten, weil du wichtige Unterlagen abschickst oder erwartest, sollte das versichert sein. Im Ernstfall muss ein Anwalt oder die Beratung der gesetzlichen Unfallversicherung weiterhelfen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 04. Februar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2019, 10:37 Uhr