Palmöl: Zu Recht umstritten?

24.04.2019 | 02:10 Uhr

Früchte der ֖lpalmen werden mit einem Trecker abtransportiert. 1 min
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Umschau-Quicktipp Palmöl

Palmöl

MDR JUMP Mi 24.04.2019 02:10Uhr 01:00 min

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Palmöl kommt vor allem aus Südostasien. Indonesien und Malaysia sind die größten Produzenten. Um die Ölpalmen großflächig anbauen zu können, muss hier Regenwald weichen.

Brandrodung zur Landgewinnung
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Doch der Regenwald ist sowohl ein wichtiger Kohlendioxid-Speicher als auch Lebensraum für gefährdete Tierarten. Brandrodungen belasten das Klima zusätzlich und sind auch sonst nicht ungefährlich: 2015 haben sie zu verheerenden Waldbränden in Indonesien geführt. Laut Angaben der Umweltorganisation WWF erstreckt sich die Anbaufläche für Ölpalmen weltweit inzwischen über 19 Millionen Hektar.

Warum steckt trotzdem in so vielen Produkten Palmöl?

Öl ist eben nicht gleich Öl. Palmöl hat besondere Eigenschaften, weshalb Lebensmittelhersteller es als Zutat besonders gerne verwenden. Palmöl ist bei Zimmertemperatur fest, nicht flüssig, und es lässt sich gut streichen. Damit ist es zum Beispiel wie gemacht für süße, cremige Brotaufstriche. Palmöl hat zugleich keinen Eigengeschmack, der neutralisiert werden muss und ist außerdem sehr haltbar und hitzestabil. Zirka 70 Prozent des Palmöls landen nach Angaben des "Forums Nachhaltiges Palmöl", das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) betrieben wird, deshalb in der Lebensmittelproduktion.

Weitere 25 Prozent kommen in Kosmetika oder Waschmitteln zum Einsatz. Auch in Kerzen oder in Schmierstoffen der Industrie findet man Palmöl. Auch hier ist es vor allem die Konsistenz, die das Öl so beliebt macht.

Palmöl im Tank

Und auf noch einem weiteren Feld kommt Palmöl zum Einsatz: Zirka fünf Prozent des weltweit produzierten Palmöls wird in Raffinerien zu Kraftstoffen umgewandelt. Mit der Idee von sogenannten "Biokraftstoffen" sollte eigentlich dem Klimawandel etwas entgegengesetzt werden und eine Lösung für die schwindenden Erdölreserven gefunden sein. Doch inzwischen ist man sich weitestgehend einig: Pflanzenöl, insbesondere Palmöl im Tank, macht alles nur noch schlimmer. Deshalb hat jüngst auch die Europäische Union reagiert. Die EU-Kommission hat am 13. März 2019 Palmöl als Biokraftstoff als sehr problematisch klassifiziert. Demnach besteht ein "hohes Risiko indirekte Landnutzungsänderungen zu verursachen". EU-Länder können Palmöl als Kraftstoff zwar weiterhin importieren, den Import aber nur noch eingeschränkt und schrittweise immer weniger auf ihre Ziele im Bereich erneuerbare Energien anrechnen. Ab 2030 soll das dann gar nicht mehr möglich sein.

Kann es nachhaltiges Palmöl geben?

Nussnugatcreme mit dem Aufdruck ohne Palmöl
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Inzwischen hat auch der größte Palmölverarbeiter, die Lebensmittelindustrie, erkannt, dass Brandrodungen für Palmölplantagen zulasten sensibler Naturräume gehen, die für Mensch und Tier wichtig sind. Alle großen Lebensmittel-Marken haben mittlerweile Stellungnahmen zu ihrem Umgang mit dem Thema Palmöl auf ihren Internetseiten. Und alle versprechen, bald schon nur noch "nachhaltiges" Palmöl zu beziehen. Nestlé Deutschland etwa "hat sich zum Ziel gesetzt, nur Palmöl zu verwenden, das strenge Nachhaltigkeitskriterien erfüllt". PepsiCo plant nach eigenen Angaben Palmöl bis 2020 "zu 100 Prozent aus nachhaltigen Quellen zu beziehen". Unilever hat sich dazu laut Internetauftritt schon seit diesem Jahr verpflichtet.

Ob dahinter mehr als Marketing steckt, lässt sich schwer sagen. In einer Untersuchung von 2016 hat Greenpeace Lebensmittelkonzerne auf ihre selbstgesteckten Palmöl-Ziele überprüft. Das Ergebnis: "Nur ein einziger der überprüften Hersteller, nämlich Ferrero, kann annähernd 100 Prozent des Palmöls bis zur Plantage zurückverfolgen."

Ralf Göhring vom BUND Leipzig empfiehlt: Wenn Palmöl, dann mit Bio- oder Fairtrade-Siegel.

So zahlt man den wahren Preis eines nichtausbeutenden Produkts.

Alternativ gebe es Firmen, die klar kennzeichneten, dass sie auf Palmöl verzichten. So könne man auch mit konventionellen Produkten den weltweiten Palmölboom mindern.

Aber: "Kein Palmöl ist auch keine Lösung." Zu diesem Fazit kam der WWF in einer Studie über mögliche Alternativen zu Palmöl im Jahr 2016. Die Probleme würden sich nur verlagern, wenn nicht gar verschlimmern. Denn der Flächenertrag von Palmöl ist wesentlich besser als der von Soja, Kokos oder Sonnenblumen.

Wie vertrauenswürdig sind Zertifikate?

Palmölfrüchte an einem Baum
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Es gibt verschiedene Zertifizierungssysteme, die einen nachhaltigen Anbau von Ölpalmen garantieren sollen. Dazu gehört zum Beispiel der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), der Roundtable on Sustainable Biomaterials (RSB), die Rainforest Alliance oder die International Sustainability & Carbon Certification (ISCC). Diese Zertifikate sollen die Rechte der Landbesitzer und Mitarbeiter garantieren, sowie Standards für einen schonenden Umgang mit der Umwelt. Rodung von wertvollen Regenwaldgebieten soll so verhindert werden. Gute Ansätze, mitunter aber noch mit Mängeln, urteilt das "Forum Nachhaltiges Palmöl". Denn das System beruhe auf Freiwilligkeit und die Prüfung der Einhaltung der Kriterien vor Ort sei noch uneinheitlich. Kleinbauern hätten zudem oft nicht die finanziellen Mittel, um ihre Produktion den gewünschten Standards anzupassen. Doch der Weg zu zertifiziertem Palmöl sei ein wichtiger Beitrag und Schritt in die richtige Richtung.

Ralf Göhring vom BUND Leipzig sagt:

Es muss schon ein Biozertifikat sein.

Bei Siegeln, die von der Großindustrie selbst eingeführt worden, rät er zur Vorsicht.

Fazit: Eigenes Konsumverhalten prüfen

Wer den Ölpalmen-Anbau mit seinen Folgen nicht unterstützen möchte, der muss vor allem den eigenen Konsum kritisch hinterfragen. Biosprit? Den kann man ganz einfach weglassen. Beim Einkauf im Supermarkt heißt es dagegen: Genau hinschauen und auf die Inhaltsstoffe achten. Vielleicht muss es ja nicht immer die besonders "streichzarte" Margarine sein. Und wenn die Lust danach doch zu groß wird, kann man auf dem Etikett nach einem Bio-Zertifikat Ausschau halten.

Wenn man beim Einkaufen in der Wortkette "palmölfrei-regional-bio" zwei von drei Häkchen machen kann, ist das schon super.

Ralf Göhring

Mit der bewussten Auswahl der Produkte kann man ein wichtiges Signal an die Hersteller senden – denn am Ende bestimmt doch immer die Nachfrage das Angebot.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 24. April 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. April 2019, 02:10 Uhr