Tiere sicher und entspannt im Auto mitnehmen

Es gibt vielleicht verrückte Hunde: Die düsen auf dem Motorrad oder im offenen Cabrio gerne durch die Gegend. Das sind Ausnahmen! Wie du dein Tier auf die ungeliebte Fahrt im Auto vorbereitest und es wirklich sicher mitnimmst, erfährst du jetzt.

Ein Yorkshire-Terrier sitzt 2008 in einer Hundebox im Kofferraum eines Autos. 1 min
Bildrechte: IMAGO / blickwinkel

MDR JUMP Mi 10.03.2021 10:45Uhr 01:19 min

Audio herunterladen [MP3 | 1,2 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 2,4 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/podcasts/quicktipp/tiere-sicher-und-entspannt-im-auto-mitnehmen-100.html

Rechte: MDR JUMP

Audio

Living in the Box - die beste Art zu Reisen

Tatsächlich ist eine gut gesicherte und für dein Tier passende Transportbox der beste Platz auf Reisen. Ganz klar: Auf dem Schoß des Beifahrers, auf den Sitzen im Fonds oder ähnlich frei darfst du Tiere unter keinen Umständen mitnehmen. Leon Strohmaier, Pressesprecher beim ADAC Berlin / Brandenburg zu einem Crashtest: "Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h ist der 22 Kilogramm schwere Spielzeughund von der Hutablage ungebremst nach vorne geflogen und mit dem rund 25-fachen seines Eigengewichts zunächst gegen Kopfstütze und Rückenlehne des Fahrersitzes und anschließend gegen die Windschutzscheibe geprallt. Die Wucht entsprach einem Gewicht von über 500 Kilogramm – die Folgen für alle Beteiligten wären bei einem realen Vorfall fatal." Und selbst deine Katze als Leichtgewicht wird schnell zum gefährlichen Geschoss. Hinzu kommt: Ist dein Tier im Auto nicht gesichert, kann es durchs offene Fenster oder beim Tanken schnell entwischen und für richtig Ärger auf der Autobahn sorgen.

Es drohen Bußgelder

"Es gibt zwar keine direkte Anschnallpflicht für Tiere, allerdings gelten sie rechtlich als Ladung und diese muss nach § 23 (Ladungssicherung) der Straßenverkehrsordnung so gesichert sein, dass die Verkehrssicherheit des Fahrzeuges nicht beeinträchtigt wird und die Insassen nicht gefährdet werden", so der Experte vom ADAC. Wer sich daran nicht hält, riskiert ein Bußgeld und Punkte in Flensburg.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

28.04.2021, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus dem Tierheim Jena

Die richtigen Transportsysteme für Hund und Katze und Co.

Grundsätzlich gilt, dass Transportbox, -tasche oder -käfig für den Transport hergestellt sein müssen. Zusätzlich gibt es auch Haltegurte, die an ein vorhandenes Isofixsystem deines Autos angeschlossen werden können. Hier besteht bei kleinen Hunden aber die Gefahr, dass sie bei einem Aufprall durch die Gurte rutschen und eingeschnürt oder stranguliert werden. Für Katzen sind Gurte überhaupt nicht geeignet.

Für Hunde gilt:

Am besten ist die Hundebox aus Metall im Kofferraum oder hinter dem Rücksitz fixiert. Kleine Boxen aus Kunststoff oder Stoff müssen nach Herstellerangabe im Auto festgemacht werden. Wichtig: Die Box sollte gerade so groß sein, dass sich der Hund darin bequem legen, drehen und hinstellen kann. Und sie sollte am besten quer im Auto fixiert werden, dann ist die Aufprallfläche bei einem Unfall größer. Das bedeutet weniger Druck auf den Körper. Eine rutschfeste Unterlage gibt dem Hund Sicherheit.  

Für Katzen gilt:

Katze in Katzenbox
Bildrechte: IMAGO / Anka Agency International

Sie brauchen kleine Boxen, am besten mit zwei Öffnungen. Da Katzen in der Regel nicht gerne in eine Box gehen, lassen sie sich so von oben sanft oder auch mal mit etwas mehr Nachdruck einsetzen. Auch Katzentransportboxen gehören nicht auf Vorder- oder Rücksitz, auch nicht, wenn du die Box extra anschnallst. Im Ernstfall könnte die Katze durch die Wucht eines Unfalls die Box durchschlagen.

Und es gibt tatsächlich auch spezielle Transportboxen- bzw. -käfige für Vögel. Speziell daran: Sie sind möglichst leicht aber so stabil, dass sie sich beim einem Unfall nicht verbiegen oder gar aufgehen.

Das gilt auch für Transportgefäße für alle anderen Haustiere: Sie müssen so gebaut sein, dass sie für dein Tier möglichst wenig belastend sind, aber dennoch bei einem Unfall maximale Sicherheit bieten.

Kofferraumabtrennung ersetzt nicht die Transportbox

Du kannst Hund oder Katze also nicht ungesichert einfach so in den Kofferraum deines Kombis legen und nur Netzt oder Gitter installieren. Bei einem Unfall sind zwar die Insassen im Auto geschützt, die Tiere fliegen aber unkontrolliert im Kofferraum umher. 

Die richtige Vorbereitung bei Hund und Katze

Für beide gilt: Je jünger sie mit dem Reisen anfangen, desto leichter wird es für sie als erwachsenen Tiere. Eine Decke mit vertrautem Geruch und ein kleines Leckerli erleichtern deiner Katze die Fahrt. Eine rutschfeste aber weiche Unterlage ist hilfreich. Der Umgang mit der Box sollte ein paar Tage vor der Fahrt geübt werden. Die Box kann dabei als ganz selbstverständlicher Bestandteil der Wohnung behandelt werden. Auch für deinen Hund können seine  gewohnte Decke oder ein Lieblingsspielzeug den Aufenthalt im Auto angenehmer machen. Geht er freiwillig in die Box kann er ruhig schon ein paar Tage vor der ersten Fahrt ab und zu Zeit darin verbringen. Kleinere Touren zum Anfang und vor allem Belohnungen, wie Leckerlies oder eine ausgiebige Spielstunde bauen für den Hund positive Verknüpfungen auf. Er wird vielleicht sogar ganz gerne reisen. Für Katzen funktioniert das in der Regel nicht. Sie wollen raus und deswegen solltest du die Reisezeit auf das Notwendigste beschränken. Für alle gilt: Wenn Fahrer und am besten noch ein Tierbegleiter ruhig und entspannt auf das Tier einwirken, wird es sich auch selbst eher beruhigen. Leidet dein Tier wirklich stark unter der Reise, können Medikamente helfen, den Stress zu reduzieren. Bitte immer vorher mit dem Tierarzt absprechen und niemals Beruhigungsmittel für Menschen an dein Tier verabreichen.

Vorsicht bei langen Fahrten und großer Hitze

Dominosteine und Spielzeugauto auf einer Autokarte von Flensburg
Bildrechte: imago/Steinach

Länger als 12 Stunden solltest du nicht fahren. Dann brauchtdein Tier eine längere Pause. Frische Luft im Auto ist wichtig, aber bitte durch die Lüftung und nie per Durchzug, das kann dein Haustier krank machen. Bei Pausen am Rastplatz immer darauf achten, dass dein Tier im Auto gesichert ist. Wasser und leichtes Futter sind während der Pause für manche Tiere eine gute Ablenkung.

No-Go´s: Laute Musik, Fahrten bei großer Hitze und Tiere bei Hitze allein im Auto lassen. Du solltest auch immer eine Wechselunterlage oder Tücher für Erbrechen oder einen kleinen Zwischenfall dabei haben.

Wenn du ein verletztes Tier transportieren musst

Das sollte nur im absoluten Notfall geschehen. Wichtig ist dabei deine Eigensicherung. Handschuhe und eine Decke können helfen, Abwehrreaktionen und Bisse des Tiers abzuhalten. Es weiß ja in der Regel nicht, dass du helfen willst. Am besten transportierst du ein krankes Tier zu zweit. Einer fährt, einer kümmert sich. Kleine Hunde und Katzen können möglichst weich gelagert in der Transportbox gefahren werden. Große Hunde können bis zum Auto auf einer Decke transportiert werden. Dort dann wieder möglichst in eine Box legen. Verletzte Tiere hebst du so behutsam wie möglich an Kopf, Schulter und Beckenbereich an, wenn´s geht nicht am Bauch. Ganz wichtig: Es sollte nur der fahren, der sich in der Lage fühlt. Bist du emotional zu aufgewühlt, bitte eine andere Person, die Fahrt zum Tierarzt zu übernehmen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 10. März 2021 | 10:45 Uhr

Mehr Quicktipps