Tiere in Not - so kannst du helfen

In diesen Tagen keine Seltenheit: Streunende Katzen und auch mal ein herrenloser Hund. Wir sagen dir, wen du am besten informierst und wie du auf ganz einfache Weise Tieren in Not helfen kannst.

Corona war doch gut für Haustiere, oder?

Tatsächlich gingen schon im ersten Lockdown die Zahlen für vermittelte Haustiere steil nach oben. „Wir schätzen, dass es seit Beginn der Pandemie ungefähr eine Million mehr Katzen und rund 600.000 zusätzliche Hunde in deutschen Haushalten gibt“, so Hester Pommerening vom deutschen Tierschutzbund. Laut unserer Expertin ist genau das gekommen, was Tierschützer befürchtet hatten: „Im Lockdown wollten viele unbedingt Abwechslung zu Hause und haben sich vorschnell ein Haustier zugelegt. Jetzt kommen etliche Tiere wieder zurück ins Heim oder werden ausgesetzt. Und gerade wenn Katzen nicht sterilisiert sind, vermehren sie sich natürlich stark.“

Braucht das Tier Hilfe oder nicht?

Bei einem Unfall oder einem Tier das gequält wird, ist die Lage relativ klar: Du informierst Feuerwehr, Polizei oder einen Tiernotruf. Bei Tieren, die scheinbar herrenlos sind, ist leider nicht immer sofort erkennbar, ob sie wirklich Hilfe brauchen. Deshalb solltest Du eine streunende Katze erstmal eine Weile beobachten. „Wenn Sie merken, dass das Tier stark abnimmt oder andere Zeichen von Schwäche oder Krankheit zeigt, dann sollten Sie handeln und die entsprechenden Stellen informieren“, rät Hester Pommerening. Das kann das zuständige Veterinäramt sein oder auch deine Gemeinde und das Tierheim in deiner Nähe. Das gilt auch, wenn Du vermutest, dass ein Tier hilflos und ohne Versorgung in einer Wohnung eingeschlossen ist

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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18.05.2022, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus dem Tierheim Leipzig

Tiere einfach mitnehmen? Keine gute Idee

Zum Glück werden Tiere bei uns nicht mehr als Sache behandelt. In bestimmten Eigentumsfragen gelten aber für Sachen und Tiere gleiche Vorschriften. Will sagen: Einem Halter sein Tier weg zu nehmen, kann Diebstahl sein. „Sie müssen da genau unterscheiden“, rät Hester Pommerening; „Ein Fundtier hat einen Besitzer und ist nur entlaufen. Das dürfen Sie nicht einfach mit nach Hause nehmen. Ein herrenloses Tier hingegen ist weder registriert noch irgendwie gekennzeichnet. Das dürfen Sie in der Regel adoptieren.“ Die genaue Unterscheidung ist aber oft schwierig.

Wem gehört das Tier? Einmal scannen bitte

Klingt erstmal komisch, hilft aber bei der Identifizierung eines Tieres ganz schnell. Der Tierarzt kann so problemlos herausfinden, wo und wann das Tier registriert wurde. Über Tiersuchportale wie Findefix oder Tasso kann man erfahren, ob das Tier wirklich vermisst wird.

Wer zahlt die Kosten?

Solltest du auf eigene Faust ein Tier zum Arzt oder in eine Klinik bringen, musst du erstmal selbst für die Rechnung aufkommen. Natürlich musst du diese Kosten vom eigentlichen Halter erstattet bekommen. Wenn es den nicht gibt, sollte normalerweise die Gemeinde einspringen. Es sei denn, es gibt einen Vertrag mit dem örtlichen Tierheim. Dann würde das deine Rechnung übernehmen. Wenn es kein absoluter Notfall ist, bringst du das Tier besser gleich ins Heim.

Hilfe allgemein

Wenn Du ein Herz für Tiere hast, aber keine Zeit oder keinen Platz, um eines bei dir zu Hause aufzunehmen, kannst du Organisationen unterstützen, die sich um Tiere kümmern. Und das laut unserer Expertin auch ganz ohne großen zeitlichen Aufwand: „Tierrettung, Tierheime und Tierschutzvereine arbeiten fast ausschließlich ehrenamtlich. Da sind Geldspenden natürlich immer willkommen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Auch Sachspenden wie Futter oder auch mal ein nicht mehr benötigter Katzenkratzbaum werden vor Ort immer gerne genommen.“

Hilfe ganz praktisch

Gerade jetzt, wo die Tierheime wieder aus allen Nähten platzen, ist auch praktische Hilfe wichtig. Was du tun kannst, erfragst du am besten im Tierheim direkt. Unsere Expertin vom Tierschutzbund zu den Möglichkeiten: „Sie können dem Tierheim helfen, indem Sie mit den Hunden Gassi gehen. Es gibt in manchen Heimen für Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, Zeit mit den Katzen zu verbringen, schmusen, etwas vorlesen und so weiter.

Sie können aber auch ganz handwerklich beim Bau von Hundezwingern oder Kaninchenhäusern helfen.“ Wichtig: Schau dich auch in deiner Nachbarschaft um. Welche Tierbesitzer könnten bei Pflege, Fütterung oder auch dem Gassi gehen Hilfe gebrauchen, weil sie es selber nicht mehr so gut schaffen? Wen kannst du mit einer Fahrt zum Tierarzt unterstützen?

Hilfe per Smartphone und PC

Manchmal sind es die ganz kleinen und scheinbar einfachen Dinge, die eine große Wirkung haben können. So empfiehlt unsere Expertin: „Kinder und Jugendliche können in der Schule oder unter Freunden auf das Problem von streunenden Tieren aufmerksam machen, im Tierheim nachfragen, ob Hilfe gebraucht wird. Sie können über ihre Social-Media-Kanäle informieren und so ganz allgemein für das Thema sensibilisieren.“ Wer andere für das Thema Tierhilfe begeistern oder sogar unterrichten möchte, kann sich beim Tierschutzbund zum Tierschutzlehrer ausbilden lassen. Auch das Verteilen von Infomaterial oder die Diskussion im Unterricht können Tierschutz greifbarer machen und näherbringen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 22. Dezember 2021 | 11:45 Uhr

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