Tierhaare überall: Was kann man dagegen machen?

Katzen und Hunde sind für Millionen Menschen tolle und treue Begleiter. Beim Zusammenleben gibt’s aber ein Problem: Tierhaare sammeln sich besonders gern auf Möbeln, auf Kleidung und Autositzen und lassen sich nicht so leicht entfernen.

Woran liegt`s?

Katzen und Hunde haben schlicht viel mehr Haare als Menschen: Bei Hunden sind es je nach Rasse zwischen 1.000 und 9.000 Haare pro Quadratzentimeter, bei Katzen gehen Experten von bis zu 25.000 Haaren auf der gleichen Fläche aus. Beim Menschen sind es „nur“ um die 200 Haare pro Quadratzentimeter. Dr. Katrin Noffke, Tierärztin beim mobilen Tierarzt-Service felmo, sagt:

Tierärztin Dr. Katrin Noffke
Bildrechte: felmo.de

Bei Menschen ist es ohne weiteres möglich, einen Scheitel zu ziehen und die Kopfhaut zu sehen. Das ist bei einer Katze gar keine einfache Aufgabe.

Vor allem in den Wochen des Fellwechsels im Frühjahr und im Herbst fällt auf, wie viele Haare die geliebten Vierbeiner in Haus oder Wohnung hinterlassen.

Was hilft?

Regelmäßige Fellpflege kann das haarige Problem zumindest etwas mindern.

Wenn ich mein Haustier regelmäßig bürste oder kämme, kann ich dabei lose Haare entfernen. Damit kann ich wenigstens beeinflussen, wo die Tiere ihre Haare verlieren. Dafür kann ich dann draußen bürsten oder an einer bestimmten Stelle in der Wohnung.

Für Katzen und Hunde mit kurzem Fell werden Softbürsten empfohlen. Für Tiere mit längeren Haaren im Fell gibt es spezielle Kämme. Mögen Haustiere weder Kamm noch Bürste, helfen spezielle Enthaar-Handschuhe oder auch mal ein nasser Waschlappen. Beim Bürsten oder Kämmen können Haustierbesitzer auch gleich das Fell ihres Lieblings kontrollieren.

Wenn das Tier an einer Stelle nicht mehr das typische dichte Fellkleid hat und dort zu viele Haare ausgefallen sind, sollte ich das beim Tierarzt klären lassen.

Mit speziellen Decken können Autobesitzer verhindern, dass viele Hundehaare auf den Sitzen landen. Die lassen sich erfahrungsgemäß nur mit Mühe entfernen. Katrin Noffke ist selbst Hundehalterin und setzt auf Decken, die ins Auto „geschnallt“ werden können. Dafür haben die Decken Schlaufen. Die lassen sich mit Klick-Verschlüssen ähnlich wie an Rucksäcken an den Kopfstützen von Vorder- und Rücksitzen befestigen.

In der Decke sitzt das Tier erst mal wie in einer Badewanne. So landen natürlich sehr viel weniger Haare auf den Polstern.

Gleichzeitig schützt die Decke die Sitze vor dem Schmutz, den Hunde bei Regen an Pfoten und Fell mit ins Auto bringen.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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08.12.2021, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus dem Tierheim Freital

Gibt es Katzen und Hunde, die weniger haaren?

Einige Hunderassen verlieren tatsächlich weniger Haare. Das ist vor allem für Hundefreunde wichtig, die allergisch auf bestimmte Eiweißstoffe der Tiere reagieren. Die werden mit dem Speichel, mit Urin oder Hautschuppen ausgeschieden und dann beim Putzen auch im Fell verteilt. Verliert ein Tier weniger Haare, gelangen in der Regel auch weniger allergieauslösende Eiweiße in Wohnung oder Haus. Tierarzt Mirco Stemann arbeitet in Leipzig in der Praxis Fabritius und sagt:

Mirco Stemann
Bildrechte: privat

Manche Hunderassen verlieren nur sehr wenige Haare. Kreuzungen von verschiedenen Pudelrassen etwa oder Tibet-Terrier werden da oft genannt.

Auch andere Rassen wie der Spanische und der Portugiesische Wasserhund haaren weniger, sagt Katrin Noffke:

Die Haare dieser Hunde sind so ein bisschen lockig und wachsen kontinuierlich. Diese Hunde und auch Pudel brauchen dann aber eine regelmäßige Fellpflege, bei der die Haare getrimmt werden.

Fast haarlose Katzen-Rassen wie die Sphynx (Nacktkatzen-Rasse) gibt es auch. Katrin Noffke und Mirco Stemann raten aber davon ab, sich so ein Tier als Haustier zu halten. Mirco Stemann sagt:

Da sind wir dann zudem wieder im Bereich der sogenannten Qualzucht. Und die sollte man mit dem Kauf einer Sphynx-Katze eigentlich nicht unterstützen.

Als Qualzucht gelten Züchtungen, bei denen Tieren wichtige Merkmale an- oder weggezüchtet werden, die für ihr Wohlergehen wichtig sind. Dazu zählen bei Katzen die Schnurrhaare, die bei manchen Sphynx fehlen. 

Wie bekommt man Tierhaare von der Kleidung?

Hundehalterin und Tierärztin Katrin Noffke setzt hier auf ihren Wäschetrockner.

Der zieht alle Haare raus. Gerade wenn ich Arbeitskleidung habe, die viele Haare abbekommen habe, klappt das mit dem Wäschetrockner ganz großartig.

Im Trockner wird die Wäsche aufgewirbelt und die leichten Tierhaare vereinfacht gesagt „weggepustet“. Wer verhindern will, dass Tierhaare in die Waschmaschine gelangen, kann die Kleidung auch vorher in den Trockner geben. Dabei reicht es, alles einmal bei der niedrigsten und kältesten Stufe durchlaufen zu lassen. Auch Tierhaare auf Kissenbezügen, Bettwäsche oder Handtüchern lassen sich so einfach entfernen. Allerdings muss dann das Flusensieb häufiger und regelmäßig von Haaren gereinigt werden. In Internet-Foren von Hunde- und Katzenbesitzern wird auch regelmäßig dazu geraten, „Fusselkugeln“ mit in die Waschmaschine zu geben. Diese Kugeln mit kleinen Borsten auf der Oberfläche sammeln beim Waschen die Haare ein. Fusselkugeln gibt es für wenige Euro in Drogeriemärkten.

Wie werden Möbel und Teppich „enthaart“?

Von Sesseln und Couch und auch von Kleidung können Tierhaare mit Fusselrollen entfernt werden. Am effektivsten schaffen das Fusselrollen mit Klebeband. Dabei entsteht allerdings immer auch viel Müll. Auch Malerkrepp hilft. An dem bleiben die Haare gut haften. Für Staubsauger gibt es spezielle „Tierhaar-Düsen“. Dabei sollen Microfaser-Streifen an der Düse Tierhaare anheben. Die lassen sich so einfacher absaugen. Wenn die Kraft des Staubsaugers nicht ausreicht, hilft nur Handarbeit: Für unter zehn Euro gibt es Gummibürsten, mit denen sich Polstermöbel und auch Autositzen reinigen lassen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 04. August 2021 | 11:45 Uhr

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