Mein Tier ist weg, was kann ich jetzt tun

Ob Neugier oder Jagdtrieb - zehntausende Hunde und Katzen laufen jedes Jahr weg. Das ist traurig für die Besitzer aber auch gefährlich für Tiere und zum Beispiel den Straßenverkehr. So findest du dein Tier möglichst schnell wieder.

Ein Suchplakat der Tierschutzorganisation TASSO e.V. 1 min
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MDR JUMP Mi 04.11.2020 10:45Uhr 01:04 min

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Erste Maßnahmen – Unterschiede Hund und Katze

"Wenn ein Hund weg ist,  sollten Sie zunächst vor Ort bleiben. Es nützt nichts, bei einem Spaziergang wild umher zu suchen. 80 Prozent der Hunde kommen nämlich nach ein paar Minuten wieder", rät Daniela Rohs vom Haustierregister Findefix.com. Am besten informierst du sofort Freunde und Familie und sorgst dafür, dass jemand zu Hause ist. Viele Hunde kommen nämlich auch direkt dorthin. Ist der Hund nach einer Viertelstunde nicht zurück, lass ein bekanntes Kleidungsstück an Ort und Stelle, vielleicht auch noch Leckerlies und komm immer wieder nachschauen. Sicherheitshalber solltest du über einen entlaufenen Hund die Polizei oder das Ordnungsamt informieren. Katzen gehen meist beim Streunen in der Nachbarschaft verloren, die Neugier treibt sie in fremde Keller und Schuppen, dort können sie eingeschlossen werden. Manchmal reißen sie aber auch verängstigt von fremden Leuten oder Tieren aus und verstecken sich. Gewohnte Geräusche wie Schlüsselklappern oder das Klingeln von einem Glöckchen können Orientierung geben und nach Hause locken, besonders, wenn die Geräusche mit Leckerlies verbunden sind. Wichtig: Kommt dein Tier zurück, nicht schimpfen sondern loben. Es soll ja verankert werden: Zurückkommen ist was Positives!  

Mittelfristige Suche – die ersten zwei Tage 

Jetzt kann es immer noch sein, dass deine Katze in unmittelbarer Umgebung umherstreift. Am Streunen können die Hormone schuld sein, oder auch die purer Neugier. Wichtig ist deshalb, die unmittelbare Nachbarschaft zu informieren und wenn es geht, in die Suche einzubinden. Am besten hast du einen vorbereiteten Steckbrief mit aktuellem Foto parat, den du in der Nachbarschaft aushängst. Wichtig ist auch, Tierärzte, Tierkliniken und Tierheime in deiner Umgebung zu informieren. Das gilt auch für Hunde. Dabei solltest du jetzt regelmäßig Orte kontrollieren, an denen du oft mit deinem Hund bist, spazieren gehst usw. Oft halten sich Hunde dort auf. Sind sie verwirrt und finden nicht leicht nach Hause, kannst du mit etwas Aufwand eine sogenannte Heimwärtsschleppe legen, eine Duftspur, die den Hund nachhause führt.

Nach 48 Stunden

Jetzt solltest du bei Katzen unbedingt in der Nachbarschaft darum bitten, Keller und Schuppen kontrollieren zu dürfen. "Nach spätestens sieben Tagen ohne Futter verenden die Tiere leider", warnt unsere Expertin. Bei Hunden solltest du den Suchradius ausweiten. Informiere Tierärzte und Tierheime in größerer Entfernung. Auch lokale Presse oder Radiosender kannst du in die Suche einbinden.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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25.11.2020, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus der Tierheim Dessau

Vorbeugen mit Tiererziehung

Am besten ist natürlich, wenn Hund und Katze gar nicht erst ausbüchsen, beziehungsweise bei Abruf sofort kommen. Dafür gibt es beim Hund ein spezielles Abruftraining. Für Katzen sind ihre Besitzer in der Regel wandelnde Dosenöffner, deshalb kannst du hier mit der Verknüpfung von Klingelgeräusch und Leckerli viel erreichen. Tatsächlich hören Katzen ein spezielles Schlüsselklappern über hunderte Meter weit.   

Vorbeugen mit Technik

Haustier-Tracking
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Die einfachste Maßnahme ist ein Halsband auf dem der Name deines Tiers und deine Telefonnummer stehen. Vorsicht bei Katzen: Sie brauchen unbedingt ein spezielles Halsband mit Sicherheitsverschluss. Sonst besteht die Gefahr, dass sie hängenbleiben und sich strangulieren. Halsbänder, die im Dunkeln leuchten, geben auch im Straßenverkehr mehr Sicherheit. Bitte nie ein Halsband mit Glöckchen, das macht besonders Katzen mit ihrem feinen Gehör fertig. Mit Funkortung oder GPS-Tracking können Katze und Hund ausgestattet werden. Funkortung hat eine sehr begrenzte Reichweite, GPS funktioniert nur in bei gutem Handyempfang. Die Geräte kosten ab 30 Euro aufwärts und bieten Funktionen wie virtuelle Sicherheitszonen: Befindet sich dein Tier außerhalb, bekommst du auf dem Handy eine Meldung, auch das Tier kann per Piepton gewarnt werden. Gut trainierte Hunde, kommen dann tatsächlich zurück. 

Sinnvolle Vorarbeit - Tierchip

Es macht Sinn,  jeden Hund und jede Katze, die sich im Freien aufhalten werden, chippen zu lassen. Der etwa Reiskorn große Chip kommt beim Tierarzt per Spritze unter die Haut und enthält eine einmalig 15 stellige Nummer. Sinnvoll ist das vor allem, wenn du den Chip bei einer Tiersuchplattform registrieren und mit deinen Daten verknüpfen lässt. Dieses Chippen ist keine Pflicht, doch Daniela Rohs rät auch Haltern von Wohnungskatzen: "Oft wird gesagt, diese Katzen kommen nicht raus. Aber wenn der Handwerker im Haus ist oder auf dem Weg zum Tierarzt, dann können die Tiere doch mal entlaufen und gerade Wohnungskatzen kommen draußen besonders schlecht klar." Wichtig also, dein Tier chippen zu lassen und zu registrieren. Und das ist ganz einfach:       

Suche mit Netzwerk

Bei Tier-Melderegistern wie Findefix vom Deutschen Tierschutzbund oder Tasso kannst du dein Tier mit seiner Chipnummer registrieren lassen. Das hat mehrere Vorteile: Die anderen Mitglieder werden bei Verlust deines Tieres informiert und können beim Suchen helfen. Wird dein Tier gefunden und der Chip ausgelesen, kann über die Plattformen Kontakt zu dir aufgenommen werden. Registrierung und alle Aktionen bei Verlust deines Tieres sind bei beiden Plattformen kostenlos. Bei Angeboten wie der Tiermeldezentrale musst du unter Umständen Gebühren für eine Suchanzeige einrechnen.

Wenn du selbst ein Tier findest

Auch hier gibt es Unterschiede bei Hund und Katze: Eine verletzte Katze gehört natürlich sofort zum Tierarzt, wenn sie sich, möglichst schonend, anfassen lässt. "Sieht eine Katze aber gut aus, gesund und gut genährt, dann sollten sie nicht sofort zum Tierarzt oder Tierheim. Gucken Sie erstmal, ob es nicht eine Freigängerkatze ist, die neu in der Gegend umherstreift. Erst wenn so ein Tier über Tage immer wieder zu Ihnen kommt, sollten sie aktiv werden", rät Daniela Rohs. Bei Hunden solltest du zirka eine Stunde warten, ob ein Besitzer kommt oder der Hund tatsächlich allein ist. Hier rät unsere Expertin: "Eigenschutz geht natürlich vor. Schauen Sie, ob Sie am Halsband einen Namen oder eine Nummer erkennen. Wenn möglich, nehmen Sie den Hund mit ins nächste Tierheim oder zum Tierarzt dort wird sich dann gekümmert."

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 04. November 2020 | 10:45 Uhr

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