Ein Tier aus dem Tierheim holen - das musst du beachten

In den Sommerferien wandern viele Tiere ins Heim. Ein schlimmer Kreislauf: Zu Weihnachten gibt’s Schnuffi, Mauzi und Co. und zur Urlaubszeit müssen sie weg. Wir klären, wie du das Hin- und Her und das Leid der Tiere vermeidest.

Junger gelber Labrador Retriever Welpe mit Futter an der Schnauze auf dem Arm einer Frau. 1 min
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MDR JUMP Mi 02.09.2020 10:45Uhr 01:09 min

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Warum ein Tier aus dem Heim?

Es ist ziemlich einfach: Geschätzte 300.000 Tiere leben in deutschen Tierheimen. Eins davon gibt’s auch in deiner Nähe. Und dort sitzen nun Hase, Hund und Katze im Zwinger und hoffen auf ein neues Zuhause, manche warten Jahre. Ehemalige Weihnachtsgeschenke, die keiner mehr braucht. Besser diesen Tieren eine zweite Chance zu geben, als beim Züchter dafür zu sorgen, dass noch mehr Haustiere produziert werden. Der Einwand, dass Heimtiere psychisch und vom Sozialverhalten her vorbelastet sind, trifft auf einige Tiere zu. Hier musst du den Aussagen der Heimmitarbeiter vertrauen, die das Verhalten ihrer Schützlinge einschätzen können sollten. Sie können auch abwägen, ob das Tier grundsätzlich zu dir passt. Deshalb ist es grade bei der Vermittlung von größeren Tieren wichtig, dass du ein verantwortungsvoll arbeitendes Tierheim findest.     

Wie findest du das richtige Heim?

Viele Tierheime machen auf den ersten Blick einen freundlichen und guten Eindruck. Und wenn Schnuffi dann noch mit großen Augen hinter den Gittern guckt, wird man schnell weich. Schaust du genauer hin, gibt es ein paar ganz deutliche Merkmale für ein gutes Tierheim. Dazu zählt zum Beispiel, dass die Mitarbeiter nur nach klarer und gründlicher Befragung einen Hund zum Gassi-gehen mitgeben. Auch wenn die Mitarbeiter alle Fragen zu Herkunft und Gesundheit eines Tieres ohne Umschweife beantworten können und die entsprechenden Papiere mit Foto und amtlichen Tierarztdokumenten sofort zur Stelle haben, kannst du von einem seriösen Heim ausgehen.

Achtung: Du solltest misstrauisch werden, wenn Mitarbeiter dir erzählen, dass die arme Katze Minka dem Heim zugelaufen ist. Frag dich selbst: Welche Katze läuft direkt ins Tierheim? Solchen Unsinn hört oder liest man aber immer wieder. Auch Heime, die ohne große Erklärungen Tiere zum Gassi-Gehen mitgeben oder kurz vor Weihnachten noch Tiere vermitteln, arbeiten in der Regel unseriös.

Welches Tier soll/ kann es sein?

Eine Katze schläft auf dem Kopf eines Hundes
Bildrechte: imago images/Ardea

Das hängt natürlich zuerst von deinen Wünschen ab und dann von dem, was die Familie sich vorstellt. Denn: Ein Tier muss zum ganzen Haushalt passen und von allen akzeptiert werden. Achtung: Manche Tiere werden sehr alt. Wenn die Kinder eine Schildkröte wollen, dann kann die schon mal bis zu 60 Jahre in der Familie bleiben-wer kümmert sich, wenn die Kinder aus dem Haus sind? Wichtig ist auch das Kräfteverhältnis: Kommt jeder in der Familie angstfrei mit dem neuen Rottweiler zurecht? Jennifer Rabsahl, Tierheimleiterin aus Altenburg macht noch auf ein gesundheitliches Problem aufmerksam: "Es ist tatsächlich besser, vorher mal beim Arzt zu checken, ob Sie oder Ihre Kinder eine Allergie haben. Manche merken es nicht beim ersten Kontakt oder waren nicht mit im Heim. Ist die Katze dann zu Hause und muss wegen einer Allergie wieder weg, kann das ziemlich traurig werden."

Wie bereitet ihr euch vor?

Am besten beratschlagt die ganze Familie: Welches Tier, wieviel Zeit haben wir, welchen Platz braucht das Tier, wo kommt es hin und wer kümmert sich hauptsächlich? Und was machen wir mit dem Tier in den Ferien oder wenn mal jemand krank wird? Diese Fragen müssen vor dem Gang ins Heim unbedingt beantwortet sein. Als Eltern müsst ihr auch bei leuchtenden Kinderaugen manchmal hart und weitsichtig sein, denn: Schnell sind Lust und Spaß an Miezie und Co. vorbei und dann nützt es nichts, wenn du die Kinder zum Umgang mit dem Haustier zwingst.

Macht euch immer wieder klar: Manch ein Haustier beeinflusst in ähnlicher Weise grundsätzlich das Leben, wie ein Kind. Deshalb sind viele Besuche im Tierheim, viele Gespräche und das Durchspielen aller möglichen Situationen wichtig.

Was verlangt das Heim?

Seriöse Heime lassen sich bei der Vergabe von Haustieren Zeit: Je größer das Tier, desto länger sollte es dauern. Viele Heime befragen ausführlich die zukünftigen Besitzer über die Lebenssituation und das Umfeld, in das ein Tier abgegeben werden soll. Manche führen sogar vor Ort eine Art Vorkontrolle durch oder lassen dich ein Frageprotokoll ausfüllen. "So etwas gibt es bei uns zum Beispiel nicht, aber wir befragen unsere Interessenten auch lange und ausführlich, um uns ein Bild von dem neuen Zuhause der Tiere zu machen", so unsere Expertin. Bist du dir mit dem Heim einig, dann schließt du einen Vertrag ab und bezahlst eine Art Schutzgebühr. Mit dem Vertrag hast du auch das Recht, das Tier innerhalb von 14 Tagen zurück zu geben. In dieser Zeit darf das Heim aber auch bei dir vorbei kommen und nach dem Wohl des Tieres schauen. Wichtig: Treten in diesen 14 Tagen Krankheiten auf, muss das Heim die Behandlungskosten übernehmen.

Welche Kosten kommen auf euch zu?

Die Schutzgebühr des Heimes beträgt für Kleintiere wie Hamster oder Vögel um die 20 Euro, bis zu 100 Euro werden für Katzen fällig und zwischen 200 und 300 Euro für Hunde. Aber: "Welpen, die noch nicht kastriert sind oder auch sehr alte Tiere, geben wir mit einer niedrigeren Schutzgebühr ab", so Jennifer Rabsahl. Dazu kommen dann die Kosten für Futter, Tierarzt, Hundesteuern, Käfig, Heizung und vieles mehr und das können im Jahr leicht mehrere hundert Euro werden.

Der Einzug und was, wenn es doch nicht klappt?

Rennender Labrador Retriever Welpe
Bildrechte: imago/Agentur 54 Grad

Vor allem sollte die ganze Familie nicht zu viel vom neuen Mitbewohner erwarten. Für das Tier ist die Situation völlig neu und zum Teil beängstigend. Deshalb sind Ruhe und Zeit lassen angesagt. Klare Regeln, eindeutige Bezugspartner und ein fürs Tier erkennbarer Rückzugsort sind wichtig. Richtet euch zeitlich so ein, dass ihr gerade am Anfang wirklich reichlich Raum zum Kennenlernen habt. Wenn es absolut nicht geht, das Tier oder ein Familienmitglied sich nicht wohlfühlt, dann ist es besser, das Tier zurück zu geben. So hat es die Chance auf ein Zuhause, dass dann passt. Ein gutes Tierheim wird hier auch nach den erwähnten zwei Wochen keine Probleme machen. Manche verlangen danach eine Aufnahmegebühr und es kann auch passieren, dass Ihr in einem schlecht geführten Tierheim beschimpft  und gedrängt werdet, das Tier zu behalten. Das ist aber die Ausnahme. 

Worüber freut sich das Heim?

Eine letzte, aber nicht unbedeutende Frage. Denn in fast allen Tierheimen wird die Hauptarbeit von Ehrenamtlern und Praktikanten erledigt. Festes Geld vom Staat gibt es nicht, die Heime sind auf Spenden und Sponsoren angewiesen. Futter und Geld sind deshalb immer willkommen, aber: "Wir freuen uns natürlich über Spenden, wünschen uns aber auch beständige Spaziergänger für unsere Hunde. Auch wenn Sie selbst kein Tier nehmen können, ist es doch gut, wenn ein Hund regelmäßig von einer vertrauten Person ausgeführt wird", so Tierheimleiterin Jennifer Rabsahl.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 02. September 2020 | 10:45 Uhr

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