Ein Meerschweinchen als erstes Haustier für die Kinder? Besser nicht!

Über Meerschweinchen gibt es viele falschen Ansichten. Warum vieles nicht ganz richtig ist, und was die Tiere wirklich brauchen, fassen wir zusammen.

Mädchen kuschelt mit einem Meerschweinchen 1 min
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MDR JUMP Mi 07.10.2020 10:45Uhr 01:07 min

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Meerschweinchen brauchen keine Menschen

Ein Meerschweinchen sitzt auf der Schulter eines Mädchens.
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Das klingt vielleicht brutal, aber es ist genau so. Dazu Meerschweinchen-Experte Armin Gerhardts von der Plattform meerschweinchen-ratgeber.de: "Die Tiere entwickeln ganz klar keinen Sozialbezug zum Besitzer. Sie haben in der Vergangenheit, anders als Hunde oder Katzen, nie die Nähe zu uns Menschen gesucht." Viele Besitzer meinen aber, dass die Tiere zur Begrüßung immer fröhlich quieken würden, das hat aber einen ganz profanen Grund:

Im Grunde heißt es nur: Futter her! Die Tiere begreifen sehr schnell, wer sie füttert. Die quieken mitunter schon, wenn sie das Auto des Besitzers ankommen hören. Aber eben nicht aus Freude aufs Herrchen.

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Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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28.10.2020, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus der Tierpension Grimm in Salzwedel

Meerschweinchen brauchen keine Kaninchen

Oft werden Meerschweinchen und Kaninchen zusammengehalten, beide sind schließlich niedlich und friedlich. Und sie lassen sich für den Besitzer problemlos anfassen. Auch manche Tierhandlung oder gar Tierheime geben sie wider besseres Wissen zusammen ab. Ein völlig falsches Verhalten!

Man findet das tatsächlich noch in alten Kinderbüchern, dass Meerschweinchen und Kaninchen gut zusammen passen würden. In der Praxis hat man das aber oft nur gemacht, um Schwangerschaften auszuschließen.

Die Tiere selbst haben nichts davon. Ein Kaninchen und ein Meerschweinchen vereinsamen schlicht nebeneinander.  

Meerschweinchen brauchen keine Streicheleinheiten

Meerschweinchen
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Sie lassen sich auch von kleinen Kindern auf den Arm nehmen und halten mitunter ganz still. Das ist aber für die meisten Tiere purer Stress, denn sie verharren in einer Art Angststarre, bis die Streicheleinheit wieder vorbei ist. Anders als Hunde und Katzen haben sie keine Möglichkeit, dem Besitzer mitzuteilen, dass sie genug haben. Nur wenige Meerschweinchen nehmen die Streicheleinheiten locker und knabbern dabei gerne an Gemüse. Armin Gerhardts dazu:

Sie sind sehr soziale Tiere und verständigen sich mit den anderen aus der Gruppe. Sie mögen aber auch untereinander keine unmittelbare Nähe. Das kann man in einem großen Käfig oder Gehege beobachten. Dort findet man keine kuschelnden Tiere. Meerschweinchen liegen nur ganz nah zusammen, wenn in der Gruppe etwas nicht stimmt oder ein Tier krank ist.

Meerschweinchen brauchen Artgenossen

Meerschweinchen
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Ein Meerschweinchen alleine ist Tierquälerei, es müssen mal mindestens zwei sein. Die ideale Meerschweinchen- Gruppe besteht allerdings aus bis zu zehn Tieren. In der Regel verstehen die sich gut und nehmen auch neue Mitglieder problemlos auf. Als aufmerksamer Besitzer solltest du allerdings darauf achten, ob einzelne Tiere gemobbt werden oder sich von selbst zurückziehen. Dann stimmt was nicht an der Zusammensetzung.

Meerschweinchen brauchen Platz, Schutzzonen und frisches Futter

Nahaufnahme eines Hausmeerschweinchen in seinem Gehege. Kleines, felliges Tier, das an einen Hamster oder eine Maus mit kleinen Ohren erinnert. Umgeben von Holzwänden und Stroh, Umgebung unscharf.
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Die in Tierhandlungen angebotenen Plastikwannen mit Käfig sind oft viel zu klein und für die Tiere nicht geeignet. Zwei Meerschweinchen brauchen mindestens einen reichlichen Quadratmeter Platz, am besten ohne Gitterdurchblick. Für nicht allzu viel Geld kannst du eine Unterkunft selber bauen. Die Tiere brauchen täglich Auslauf, wichtig dabei: Sie müssen immer kleine Röhren oder Schutzhöhlen finden, in die sie sich zurückziehen können. Alle Kabel müssen außer Reichweite sein. Im Käfig sowie Freilauf müssen täglich Urin und Kot entfernt werden. Gemüse, Obst, Kräuter und Äste, das fressen Meerschweinchen gern und am liebsten frisch. Eine Tropfflasche mit frischen Wasser gehört dazu, bei mehreren Tieren mindestens zwei Futterstellen, sonst kann es Ärger geben.

Meerschweinchen leben drinnen und draußen

Auch im Garten oder auf dem Balkon können sie gehalten werden, sogar das ganze Jahr, wenn im Gehege eine Höhle mit warmem Stroh oder Zeitungspapier zur Isolation vorhanden ist. Bei eingezäuntem Freilauf im Garten musst du darauf achten, dass Meerschweinchen gerne an allen möglichen Ästen und Blättern knabbern, einige Holzarten aber gefährlich, weil giftig für die Tiere sind.

Wo du Meerschweinchen kaufen solltest

Unser Experte hat dazu eine ganz klare Haltung:

Überall, nur nicht in einer Zoohandlung. Denn dort kaufen Sie Tiere für 15 bis 25 Euro, die teils aus sehr fragwürdigen Zucht- oder eher Produktionsstätten kommen. Manche sind ohne Wissen der Verkäufer trächtig und anfälliger für Krankheiten.

Es kostet zwar ein paar Euro mehr, der Weg zum seriösen Züchter ist aber besser für Besitzer und Tiere.

Schauen Sie dort, ob die Tiere und Käfige sauber sind, ob Männchen und Weibchen streng voneinander getrennt gehalten werden.

Schon mit drei Wochen werden die Meerschweinchenweibchen nämlich geschlechtsreif und bestiegen und somit kann es ungewollten Nachwuchs geben.

Soviel kostet eine artgerechte Meerschweinchenhaltung

Die Tiere können zwischen acht und zehn Jahre alt werden und kosten im Jahr inklusive Unterbringung, Spielzeug, Futter und eventuellen Tierarztbesuchen pro Tier ungefähr 300 Euro. Bei zwei Tieren kommen so in zehn Jahren bis zu 6000 Euro zusammen.

Wann Du einen Tierarzt brauchst

Zähne und Krallen müssen bei Meerschweinchen regelmäßig kontrolliert und zum Teil verschnitten werden. Dazu rät unser Experte: "Als Anfänger solltest du dir das Krallenschneiden beim ersten Mal vom Tierarzt zeigen lassen. Dann kannst du das alleine." Ansonsten muss das Meerschweinchen nur zum im Umgang mit Kleintieren erfahrenen Tierarzt, wenn es krank ist, oder kastriert werden soll. Impfungen oder ähnliches gibt es nicht.

Fazit

Meerschweinchen kommen in ihrer Gruppe gut ohne den Menschen klar. Sie sind gesellig, friedlich und können ohne große Kosten aber mit ausreichend Platz und regelmäßiger Pflege gehalten werden. Sie sind keine Kuscheltiere und schon gar nicht für kleinere Kinder als Einstiegshaustier geeignet.        

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 07. Oktober 2020 | 10:45 Uhr

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