Wie gefährlich sind Tattoo-Farben?

Rund 12 Prozent der Deutschen haben mindestens eine Tätowierung - Tendenz steigend. In der Gruppe der 16- bis 29-Jährigen ist bereits jeder Vierte tätowiert. Die Körperbemalung wird unter die Haut gestochen und zwar dauerhaft. Doch wie gesundheitsschädlich die Farben sind, ist zum Teil gar nicht erforscht. Jetzt will die EU zwei Pigmente verbieten, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Tätowiernadel im Einsatz 1 min
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MDR JUMP Di 13.10.2020 10:45Uhr 01:06 min

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Die Tätowiermittel-Verordnung schreibt Inhaltsstoffe vor

Was in Deutschland in den Tattoo-Farben drin sein darf und was nicht, wird seit 2009 durch die Tätowiermittel-Verordnung geregelt. Trotz dieser Verordnung liegen gesundheitliche Bewertungen nur für einen Bruchteil aller möglichen Farbpigmente vor. Generell gilt, dass die Farben nicht gesundheitsschädlich sein dürfen. In der Tätowiermittel-Verordnung steht außerdem, dass alle Bestandteile und ein Datum für die Mindesthaltbarkeit auf der Verpackung der Tattoo-Farbe angegeben sein müssen. Grundlage für die Tätowiermittel-Verordnung ist die europäische Kosmetik-Verordnung. Was also in Kosmetika drin sein darf, kann auch in Tattoo-Farben enthalten sein und was in ersteren verboten ist, darf auch nicht unter die Haut gestochen werden. So zumindest die Theorie.

Viele bedenkliche Chemikalien enthalten

Tattoo stechen
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Dennoch werden immer wieder problematische Inhaltsstoffe in Tätowierfarben gefunden, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Das können z.B. krebserregende Chemikalien, aber auch Konservierungsmittel und Schwermetalle als Verunreinigungen sein. Zudem gibt es inzwischen Farben mit Spezialeffekten wie etwa „Glow-in-the-dark“, deren Inhaltsstoffe weitgehend unbekannt sind. Als Folgen können Infektionen, Fremdkörperreaktionen, Narben oder allergische Reaktionen auftreten. Über die Langzeitwirkungen der Tattoo-Farben ist wenig bekannt. Auch ob Tätowierfarben möglicherweise das Erbgut verändern, Krebs auslösen oder die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können, ist noch nicht ausreichend erforscht. Bekannt ist aber, dass Farbpigmente als Nanopartikel im Körper umherwandern und sich beispielsweise in den Lymphknoten sammeln.

Allergien durch Tattoos

Manche Tattoo-Farben enthalten Stoffe, die Allergien auslösen können. Dazu zählt zum Beispiel Nickel. Das Metall kann als Verunreinigung in Tattoo-Farben vorkommen und ist dann nicht auf der Liste der Bestandteile erkennbar. Wem bereits eine Nickelallergie bekannt ist, der sollte besser auf ein Tattoo verzichten. Auch bestimmte rote Farbpigmente stehen im Verdacht, Allergien auslösen zu können. Eine Überempfindlichkeit kann auch noch Jahre nach dem Tätowieren auftreten. Es ist möglich, einen Allergietest zu machen, bevor man sich ein Tattoo stechen lässt. Endgültige Sicherheit gibt das aber nicht. Auf keinen Fall sollte die Verträglichkeit mit einer kleinen „Probe“-Tätowierung getestet werden.

EU-Verbot der Farben Grün und Blau

Die EU Kommission überlegt, die beiden Pigmente Blau 15 und Grün 7 zu verbieten. Sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Die EU-Chemieagentur ECHA verwies darauf, dass die enthaltenen Stoffe in Kosmetika wegen der Gesundheitsbedenken bereits verboten seien. Gleiches müsse für die Anwendung unter der Haut gelten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat nun mögliche gesundheitliche Gefahren und Risiken der Pigmente betrachtet und kommt zu folgender Einschätzung:

Die derzeit verfügbaren Daten für beide Pigmente zeigen nur eine vergleichsweise geringe Toxizität auf, die vorhandene Datenlage zu den gesundheitsgefährdenden Eigenschaften beider Pigmente ist jedoch unvollständig, so dass eine gesundheitliche Risikoeinschätzung für die Anwendung in Tätowiermitteln für das BfR zurzeit nicht möglich ist.

Tätowierer wehren sich gegen Verbot

Laut deutschem Tattoo-Verband sind die beiden fraglichen Pigmente in zwei Dritteln aller Tattoo-Farben. Man benötigt sie, um viele Farbnuancen zu mischen. Wenn sie vom Markt verschwinden, seien viele Motive nicht mehr möglich. Tätowierer wären gezwungen, Farben aus dem Ausland oder vom Schwarzmarkt zu beziehen, die keiner Kontrolle oder Regulation unterliegen, heißt es in einer Petition. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, sich gegen ein Verbot stark zu machen. Die Petition fand bereits mehr als 100.000 Unterstützer.

Was Verbraucher tun können

Wer sich ein Tattoo stechen lassen möchte, sollte sich das Studio genau anschauen und sich dort beraten lassen. Am besten geht man in mehrere Studios und vergleicht die Angebote.

Will man sichergehen, dass keine verbotenen Inhaltsstoffen in den Farben sind, muss man sich im Tattoo-Studio die Liste der Bestandteile auf der Verpackung der Tattoo-Farben geben lassen und genau studieren. Ob Tattoo-Farben allerdings mit Keimen belastet sind, kann ein Laie nicht erkennen. Das hängt auch davon ab, wie hygienisch das Tattoo-Studio arbeitet.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 13. Oktober 2020 | 10:45 Uhr

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