So erkennst du, ob ein Tacho manipuliert ist

26.03.2019 | 02:10 Uhr

Das Cocküpit eines Autos 1 min
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MDR JUMP Di 26.03.2019 02:10Uhr 01:10 min

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Der ADAC geht davon aus, dass ein Drittel aller Tachos bei Gebrauchtwagen manipuliert sind. Ob der Kilometerstand eventuell in betrügerischer Absicht gesenkt wurde, ist deshalb wohl die Frage, die sich Gebrauchtwagenkäufer am häufigsten stellen. Es gibt aber Möglichkeiten, einen Tachobetrug mit einfachen Mitteln zu entdecken.

Wie Betrüger beim Tachostand tricksen

Früher wurden Tachometer mit einer Bohrmaschine zurückgedreht. Die digitale Fahrzeugtechnik macht es Betrügern heute noch leichter. Profis setzen bei der Manipulation an der digitalen Schnittstelle des Wagens an und manipulieren dann nicht nur die Tachoanzeige, sondern auch alle damit verbundenen Systeme und Speicher im Auto. Und schon für wenig Geld bekommt man Geräte und Software, die nur jeden zweiten Kilometer zählt oder den Tacho gleich ganz außer Betrieb setzt. Je nach Fahrzeugmodell bringt ein um 50.000 bis 100.000 Kilometer gesenkter Tachostand beim Verkauf 3.000 bis 5.000 Euro mehr. Der wirtschaftliche Gesamtschaden der Tachomanipulationen pro Jahr geht dabei in die Milliarden, hat der ADAC ausgerechnet. Wer ein Fahrzeug verkaufen will, kann die Betrüger sogar zu sich bestellen und den Tacho "zurückdrehen" lassen. Die Täter sind Autoschieber, Privatverkäufer oder auch Autohändler. Tachobetrug ist strafbar.

Risiko beim Gebrauchtwagenkauf eingrenzen

Einen Tachobetrug nachzuweisen, ist schwierig. Aber wer ein gebrauchtes Fahrzeug kauft, kann auf Widersprüche bei Fahrzeugmerkmalen achten, die eventuell darauf hindeuten, dass am Wagen manipuliert wurde. Grundsätzlich gilt, dass man nur bei einem seriösen Händler oder einem verlässlichen Privatverkäufer einen Gebrauchten kaufen sollte. Liegt der Preis unter den Preisen, die sich im Netz für gleichwertige Fahrzeuge finden, ist Vorsicht geboten.

  • Fahrzeugcheck

Eine höhere Laufleistung als angegeben, hinterlässt auch Spuren durch die damit verbundene längere Nutzungsdauer. Ein prüfender Blick auf das Fahrzeug gibt da schnell Aufschluss. Sind die Polster durchgesessen, Gummis an den Pedalen eingerissen, Frontscheibe und Scheinwerfer verkratzt? Ist die Schaltung zu weich oder rastet der Blinkerhebel nicht sauber ein? Das können Anzeichen dafür sein, dass der Wagen mehr gelaufen ist, als auf dem Tacho steht.

  • Serviceheft und andere Papiere

Fehlt das Serviceheft, sollte man von einem Kauf des Wagens Abstand nehmen. Aber Achtung: auch Servicehefte können gefälscht sein. Ein genauer Blick auf Papierzustand, Stiftfarben und Stempel ist geboten, denn die verbleichen im Laufe der Zeit. Sind alle Einträge mit dem gleichen Stift oder in der gleichen Schrift geschrieben und alle Stempel gleich kräftig in der Farbe, sind das unter Umständen Hinweise auf eine Manipulation. Auch Werkstattrechnungen oder TÜV-Berichte sollte man auf Plausibilität prüfen. Und im Motorraum hängt meist ein Kärtchen vom Ölwechsel mit einem Kilometerstand. Der sollte niedriger sein als der auf dem Tacho. Auf der Zulassungsbescheinigung sind die Vorbesitzer eingetragen. Da hilft manchmal ein Anruf, um den Kilometerstand des Wagens beim damaligen Verkauf zu erfragen.

Wie komme ich Tachobetrügern auf die Spur?

Seit September 2017 ist gesetzlich vorgeschrieben, dass europäische Neuwagen gegen Tachomanipulationen geschützt sein müssen – allerdings nur neu entwickelte Typen. Bis nur noch Fahrzeuge mit diesem Schutz auf dem Markt sind, vergehen Jahrzehnte. Doch es gibt Möglichkeiten, Tachomanipulationen zu verhindern und zu erkennen:

  • Mit dem CarPass

Das CarPass-System stammt aus Belgien und hat sich dort schon bewährt. Inzwischen wird es unter www.car-pass.de auch in Deutschland angeboten. Die Idee dahinter ist, Auto und Daten physisch zu trennen. Über die Website wird ein Profil für das Auto angelegt und der Besitzer gibt den Zugang für autorisierte Werkstätten und Prüforganisationen frei. Diese tragen dann bei Reparaturen, Ölwechseln etc. auch jeweils den Kilometerstand ein. Das Anlegen des Passes und das Eintragen der Werte ist kostenlos. Will sich beim Verkauf ein potenzieller Interessent die Daten anschauen, gibt der Verkäufer sie frei und für 6,95 Euro kann der potenzielle Käufer sie einsehen. Durch den CarPass erhält jedes Fahrzeug somit eine belegbare Historie. Allerdings besteht die Gefahr, dass der Tachostand schon vor dem Anlegen des CarPasses manipuliert wurde.

  • Per Chip

Der Chip, welcher nur circa einen Euro kostet, ist die vom ADAC bevorzugte Variante. Schon jetzt werden in die Autos manipulationssichere Chips in den Steuergeräten fest verbaut. Diese Chips könnten auch Kilometerstände aufzeichnen, wenn man sie entsprechend aktiviert. Derzeit werden sie nur gegen Diebstahl und Chiptuning genutzt.

  • Mit der App

Eine App auf einem Tablet-PC zeigt eine mögliche Tachomanipulation an.
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Ein Münchner Startup hat 2016 eine App auf den Markt gebracht, mit der Verbraucher selbst checken können, ob der Tacho eines Wagens manipuliert ist. Die App heißt Carly und muss auf dem Smartphone oder Tablet installiert sein. Zum Check des Autos braucht man dann noch einen Adapter-Stecker. Der kostet – je nach Smartphone-Betriebssystem und Autotyp zwischen 45 und 72 Euro. Der Adapter wird an die OBD-Dose (On-Board-Diagnose) des Fahrzeugs angeschlossen – das ist die Schnittstelle, über die auch Werkstätten den Bordcomputer des Autos auslesen. Anschließend werden über die App Eckdaten zum Fahrzeug eingegeben und schon geht es los. Die App liefert alle im Bordcomputer des Fahrzeugs gespeicherten Informationen und zwar auch für Laien verständlich. Tun sich bei den Daten Plausibilitätslücken auf, kann auf eine Tachomanipulation geschlossen werden. Ergibt sich aus den Betriebsstunden und dem Kilometerstand in der Berechnung z.B. eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h, ist zwangsläufig etwas faul mit dem Fahrzeug. Bisher lässt sich die App bei BMW, Mini, VW, Audi, Mercedes, Porsche, Toyota, Renault, Seat und Skoda einsetzen. Die Anwendungsmöglichkeit für weitere Fahrzeuge ist seitens der Entwickler geplant.

  • Via VIN-Datenbank

Die VIN – Vehicle Identificatioin Number – ist so etwas wie die Seriennummer des Fahrzeuges, häufig auch an der Frontscheibe ablesbar. In der VIN-Datenbank kann vermerkt sein, ob ein Wagen als gestohlen gemeldet wurde, oder schon mal einen Totalschaden hatte. Auch Bilder früherer Verkäufe samt Kilometerstand lassen sich dort unter Umständen finden.  Die Datenbanken werden in der Regel von den Fahrzeugherstellern gepflegt und können über Vertragspartner abgefragt werden. Eine Abfrage kostet zehn bis 15 Euro.

Was kann ich tun, wenn der Tacho an meinem gekauften Gebrauchtwagen manipuliert ist?

Der Check eines gerade gekauften Gebrauchten ist immer gut investiertes Geld. Stellt sich dabei in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf heraus, dass der Tacho manipuliert ist, kann der Wagen eventuell zurückgegeben werden. Entscheidend ist, ob der Kilometerstand im Kaufvertrag vermerkt ist. Steht im Vertrag nur "Tachostand wie abgelesen", "Fahrleistung laut Vorbesitzer" oder "soweit bekannt" sehen Gerichte das als Hinweis, dass der Verkäufer nicht für einen korrekten Tachostand einstehen will. In solchen Fällen wird es für den Käufer schwierig, den Tachostand zum Verkaufszeitpunkt nachzuweisen. Steht der exakte Tachostand im Vertrag – am besten als "tatsächliche Laufleistung" ausgewiesen – kann der Käufer bei manipuliertem Tacho den Wagen zurückgeben oder eine Preisminderung verlangen. Hinter der Klausel "Gekauft wie gesehen unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung" kann sich der Verkäufer dann auch nicht verstecken, denn die greift nicht für Merkmale des Wagens, die vom Verkäufer zugesichert werden müssen, wie z.B. die Anzahl der Vorbesitzer oder das Baujahr. Auch wenn die Tachomanipulation schon durch einen Vorbesitzer erfolgte, muss der aktuelle Verkäufer den Wagen zurücknehmen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 26. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2019, 02:10 Uhr