Was darf ich im Supermarkt?

Kaufen macht Spaß! Zumindest die Hälfte von uns shoppt ein bis zweimal pro Woche in Discounter und Co. Vertraut, bekannt – da kann man doch auch mal was naschen, oder? Wir sagen dir, was tatsächlich erlaubt ist und was nicht.

Ab wann gehört die Ware mir?

Was in meinem Wagen/Korb ist, gehört mir. Das ist ein grundsätzlicher Denkfehler. Denn das eigentliche Geschäft, Geld gegen Ware, kommt im Supermarkt erst ganz zum Schluss an der Kasse zustande, wenn du bezahlt hast und deinen Kassenbon, sozusagen als Kaufvertragsnachweis erhalten hast. Bis dahin gehört alles dem Markt und der Eigentümer könnte Dir theoretisch sogar den Kauf verweigern, sein Hausrecht nutzen und dich aus dem Markt weisen.

Man wird ja wohl noch probieren dürfen – oder?

Schnell mal naschen, ob die Weintrauben schön knackig oder die Erdbeeren reif sind? Das lassen einige Märkte durchgehen, erlaubt ist es nicht. Denn: Die Früchte die du kostest, bezahlst du ja später nicht. So gesehen ist Kosten Diebstahl. Tipp: Frag vorher die Mitarbeiter um Erlaubnis.

Ob Dir der Duft von einem Deo oder Parfüm gefällt, solltest du an Probierflaschen testen. Sich mit einem Deo einzusprühen und es dann nicht zu kaufen, ist nicht erlaubt, anders als die Duftprobe bei einem Shampoo.

Aber wenigstens anfassen, ob das Obst noch fest ist?

Gerade bei Früchten wie Mango oder Avocado gibt erst eine Druckkontrolle Aufschluss darüber, wie reif sie sind. Deshalb ist Anfassen wichtig. Das gilt aber nicht für jedes Obst und Gemüse. Die Verbraucherzentrale mit einer Orientierungshilfe: “Sie dürfen Lebensmittel im Supermarkt berühren, soweit diese abwaschbar sind (bspw. Äpfel, Paprika, etc.). Bei Backwaren ist das aber beispielsweise aus hygienischen Gründen nicht möglich.“ Auch das Umsortieren von abgewogenen Früchten ist nicht erlaubt. Wer sich gar die 500 Gramm-Erdbeerschale noch ein bisschen voller packt, begeht einen Diebstahl.

Vorab was futtern, wenn ich es doch eh gleich kaufe?

Ob du selber naschen, oder den Nachwuchs ruhigstellen willst: Im Laden ein Brötchen zu futtern oder gar eine Verpackung zu öffnen und schon während des Einkaufs daraus zu essen, ist grundsätzlich nicht erlaubt. Merke:

Mann versucht im Supermarkt eine Weintraube zu essen
Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Viele Märkte lassen das durchgehen – aber es kommt dabei auch auf das Produkt an: Ein Biss in die Brezel oder der Griff in die große Bonbontüte sind eher unproblematisch. Einen Schokoriegel ganz aufzufuttern, birgt die Gefahr, dass du die Riegelverpackung schnell in der Tasche verschwinden lassen kannst. Der Markt könnte dir unterstellen, du willst stehlen.

Eierpackung auf, kaputte Eier tauschen?

Ja, im Eierkarton zu prüfen, ob alle Eier ganz sind, ist dein gutes Recht. Kaputte Eier auszutauschen, ist nicht erlaubt. Der Grund: Eier sind als besonders sensible Lebensmittel eindeutig gekennzeichnet und müssen einer ebenfalls gekennzeichneten Verpackung zuzuordnen sein.

Gucken, ob drin ist, was draufsteht?

Die Grundregel lautet: Eine Verpackung darfst du dann öffnen, wenn du dabei nichts beschädigst und der Händler das Produkt danach noch wie neu verkaufen kann. Ein Klebeband abzumachen ist dabei nicht schlimm, den halben Werbeaufdruck mit abzureißen, hingegen schon.

Ich bestehe auf den Preis, der am Regal steht -  tja...

Ob aus Unachtsamkeit, Zeitmangel oder aktueller Preisanpassung, steht am Regal ein anderer Preis, als letztlich an der Kasse verlangt wird, musst du den Kassenpreis bezahlen. „Der Kauf findet an der Kasse statt – und dort geschieht (juristisch gesehen) auch erst die Vereinbarung über den Preis. Die Angaben im Supermarkt dagegen sind nicht verbindlich“, erklärt die Verbraucherzentrale.

Den Einkauf in die private Tasche vs. ich leih mir mal den Einkaufswagen aus

Manchmal ist es nur eine Kleinigkeit, aber auch die gehört in den Einkaufswagen/Korb. Denn nur so zeigst du eindeutig, dass du das Produkt auch kaufen willst und nicht etwa einen Diebstahl vorhast.

Solltest du mit deinem Einkauf einmal weit um die Ecke müssen, kannst du dir nicht einfach den Einkaufswagen ausleihen. Er gehört dem Händler, kostet gut und gerne bis zu 150 Euro und darf nicht außerhalb seines Geländes gebracht werden.

Wenn mir was runterfällt, ist das dann mein Problem?

Ja, ist es. Es sein denn, die Ware ist so unsicher einsortiert oder gestapelt, dass du nix für den Absturz kannst. Fällt dir aber aus Unachtsamkeit etwas runter oder beschädigt dein Kind eine Ware, rät die Verbraucherzentrale:

"Für Produkte, die Sie im Supermarkt zerstören oder beschädigen, müssen Sie aufkommen. Allerdings darf der Supermarkt Sie lediglich so viel bezahlen lassen, wie die Ware ihn im Einkauf gekostet hat."

Bei Schnäppchen mal so richtig zuschlagen?

Das geht nur in den sogenannten handelsüblichen Mengen. Zusätzlich gilt noch, dass auch die anderen Kunden möglichst in den Genuss des besonders günstigen Angebotes kommen sollen. 20 Päckchen Kaffee im Korb können dir also verwehrt werden. Willst du hingegen mal für die Großfamilie backen, sind 10 Stück Butter kein Problem. Es ist also eine Frage von Verhältnismäßigkeit und gesundem Menschenverstand.

Bezahlen geht auch mit viel Kleingeld

Ja, aber auch da ist ein gesundes Maß gefragt. Mehr als 50 Münzen muss der Händler dir grundsätzlich nicht abnehmen. Und die Packung Kaugummi mit einem 100 Euro-Schein zu zahlen, muss er ebenfalls nicht akzeptieren.

Merke: Der Kaufvertrag kommt nur zustande, wenn beide es wollen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. Januar 2022 | 11:45 Uhr

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