Solarstrom vom Balkon

Sie heißen Mini-Solaranlage oder Balkon-Modul und helfen, Stromkosten zu senken. Ab 300 Euro sind sie zu haben und sollen ganz einfach anzuschließen sein. Ob das stimmt und was du beim Kauf unbedingt beachten musst, klären wir jetzt.

Passivhaus mit Solarpanelen an der Wand 1 min
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MDR JUMP Mo 20.04.2020 02:10Uhr 01:04 min

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Was sind das für Geräte/Anlagen?

Sie sind effizient, leicht zu installieren aber auch umstritten, denn:

Während die großen Energieerzeuger auch bei Balkon- oder Plug-in-Modulen (gemeint ist das Gleiche) von Anlagen sprechen, bezeichnen Hersteller und die Verbraucherzentrale die Geräte nur als Haushaltsgeräte, die Strom erzeugen. Sie haben eine maximale Leistung von bis zu 600 Watt, mehr sollte es praktisch nicht sein. Und sie bestehen aus einem oder mehreren Solarmodulen, einem sogenannten Wechselrichter, einem Anschluss an die normale Haushaltssteckdose -besser ist eine spezielle Einspeisesteckdose, der Wieland Stecker. Und sie lassen sich mit ein bisschen Geschick selbst installieren.

Thomas Seltman von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen schränkt aber ein:

Rein praktisch könnte man das alles selber machen. Sie sind aber derzeit rechtlich nur auf der sicheren Seite, wenn Sie über die Installation einen Elektriker schauen lassen. Nur das ist wirklich normgerecht.

Wie funktioniert die Stromerzeugung

Im Grunde musst du für die eigene Stromerzeugung nichts weiter machen, als das oder die Solarmodule an einem möglichst sonnigen Ort anzubringen, den mitgelieferten Wechselrichter (der verwandelt den Gleichstrom von der Solarzelle in nutzbaren Wechselstrom) und die Anschlusskabel zu verbinden und dann in eine ganz normal Schuko Steckdose zu stecken. Erzeugen die Zellen Strom, fließt der direkt in den Stromkreislauf deiner Wohnung und kann zum Beispiel genutzt werden, um Computer, Fernseher oder Kühlschrank zu betreiben. Für die Waschmaschine reicht die Power in der Regel nicht.

Wieviel Geld kannst du sparen?

Im Normalfall haben die einzelnen Module eine Leistung von maximal 300 Watt. Mehr als zwei Module (in Summer 600 Watt) sind für den normalen Stromkreis zu Hause nicht zu empfehlen, das wäre zu viel Power, die Sicherungen müssten entsprechend niedriger ausgelegt werden, damit die Leitungen nicht überlastet werden. Ein gut platziertes Modul kann im Jahr bis zu 200 Kilowattstunden liefern, das spart in etwa 50 Euro Stromkosten.

Nach spätestens  neun Jahren sollte sich so ein Modul also rentiert haben.

Willst du eine größere Anlage oder/und ein System mit Speicher, könntest du unter Umständen Zuschüsse von deiner Gemeinde bekommen.

Was muss bei Kauf und Anschluss beachtet werden

Hast Du eine Mietwohnung, muss der Vermieter sein Okay geben, am besten schriftlich. Weitere Anmeldung wären laut EU nicht nötig, aber: Die deutschen Netzbetreiber wollen, dass alle Erzeugungsanlagen bei ihnen angemeldet werden, egal, wieviel sie leisten. Wer dein Netzbetreiber ist, erfährst du von deinem Stromversorger oder auch deiner Gemeinde.

Manche Netzbetreiber bieten auf ihrer Website eine einfache Anmeldung kleiner Plug-In-Anlagen. Tun sie es nicht, kannst du ein Musterformular nutzen.

Ganz wichtig ist, dass du einen Stromzähler hast, der eine Einspeisung registriert. Alte Zähler laufen nämlich auch mal rückwärts, wenn dein Modul gerade mehr Strom erzeugt, als du verbrauchst. Und das klingt zwar verlockend, ist aber nicht erlaubt. Also frag besser nach, welche Art Zähler du hast. 

Und auch die Bundesnetzagentur will eine Anmeldung deines Solarmoduls im Marktstammregister.

Wir halten die ganze Meldepflicht ehrlich gesagt für Humbug. Sie sollten es trotzdem tun. In der nächsten Zeit muss aber hier juristisch noch nachgebessert werden.

Thomas Seltman

Sind die Anlagen wirklich zur Selbstmontage erlaubt?

Das ist ein weites Feld. Ganz aktuell hat nämlich der Verbraucher nicht wirklich rechtliche Sicherheit. Wodurch kommt das? Ganz klar: Netzbetreiber und Energieerzeuger haben keinerlei Interesse, zigtausende kleine stromerzeugende Geräte als Konkurrenten zu haben. Deshalb wird von Lobby- und  Interessenverbänden immer wieder auf verschiedene Normen hingewiesen, nach denen ein einfacher Schuko Stecker eben nicht ausreicht, um eine solche Anlage anzuschließen. Aber: Die Installationsnorm (DIN VDE 0100-551-1) für solche Anlage verbietet Schuko Stecker auch nicht ausdrücklich. Und auch der Anschluss an das Netz muss nicht zwingend durch den Elektriker erfolgen.

Am Ende müssen Sie sich als Kunde beim Kauf eines Produktes an die Herstellervorgaben halten. Wenn Sie da nichts falsch machen und alle Anmeldungen vornehmen, kann Ihnen eigentlich nichts passieren.

Thomas Seltman

Wie macht man es denn nun richtig?

Beim Kauf sollte man darauf achten, dass das Gerät ein DGS-Siegel hat. Dann nämlich ist garantiert, dass die wichtigsten Sicherheitsstandards eingehalten werden. Kauf am besten ein inländisches Produkt, dann gibt es später keine Probleme mit eventueller Haftung. Die erwähnten Anmeldung und Nachfragen beim Netzbetreiber und Vermieter sollten erfolgen.

Ganz wichtig ist die sichere Montage am Balkon oder auch der Hauswand.

Soll das Modul nämlich über einem Fußweg oder einer Straße angebracht werden, muss es bruchsicheres Glas haben und darf niemanden blenden, vor allem nicht die Autofahrer.

Fazit

Plug-In-Module für den Balkon können helfen, Stromkosten zu sparen und zum Beispiel den Energiebedarf von Kühlschrank und Fernseher selbst zu decken. Bei einem Anschluss mit standardisiertem Wieland-Stecker und Kontrolle durch einen Elektriker bist Du auf der sicheren Seite. Nach etwa 6 bis neun Jahren machen sich die Module bezahlt, dann geht das Sparen richtig los.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 21. April 2020 | 10:45 Uhr

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