Einen Straßenhund aus dem Ausland adoptieren - das ist zu beachten

Zahllose heimatlose Tiere warten auf ein liebevolles, dauerhaftes Zuhause. Wer mit dem Gedanken spielt, sich einen Hund anzuschaffen, denkt eventuell auch über einen Hund aus dem Ausland nach. Wir erklären, wie man sich einen Straßenhund aus Spanien oder Rumänien nach Hause holt und was man dabei beachten sollte.

Haben deutsche Tierheime nicht genügend eigene Hunde?

Rein zahlenmäßig ja, denn jedes Jahr werden bis zu 80.000 Hunde in deutschen Heimen abgegeben. Das Problem ist aber, viele Hunde sind kaum noch vermittelbar. Warum, erklärt Tierschutzexpertin Petra Zipp von der Tierschutzorganisation Tasso e.V.: "Wenn Sie einen familienfreundlichen Hund suchen, kommen Sie bei  deutschen Hunden in den Heimen schnell an Ihre Grenzen. Denn dort gibt es viele alte, kranke oder auch problematische Hunde. Tiere aus Rumänien oder Spanien sind oft tatsächlich jünger, gesünder und unproblematischer." Das liegt unter anderem an der großen Auswahl der dortigen Tierheime. Gerade in Rumänien leben nicht selten mehrere tausend Hunde in einem Heim. Und die vermittelnden Organisationen aus Deutschland können da natürlich aussuchen.

Wieso gibt es anderswo so viele Straßenhunde?

In Deutschland werden Streuner schlicht und ergreifend nicht geduldet. Wer frei rumläuft, kommt sehr schnell ins Heim, die Besitzer können belangt werden. Daran verdient allerdings niemand. In Ländern wie Rumänien oder Spanien haben Hunde kaum den Stellenwert wie bei uns. Aussetzen wird in der Regel nicht bestraft. Das Einfangen und abliefern ist ein richtiges Geschäft.

Auf der anderen Seite ist in den Heimen weder Platz für alle Streuner, noch genug Geld für flächendeckende Kastrationen da. So werden die bunten Rudel in vielen Orten geduldet, teils sogar gefüttert und können sich unkontrolliert vermehren.

Warum kann man nicht einfach so einen Hund aus dem Urlaub mitnehmen?

Das ist rechtlich und praktisch nur schwer möglich und auch nicht ratsam. Straßenhunde können nämlich ganz unproblematische, liebe Tiere sein, aber leider auch das Gegenteil. Niemand weiß, was sie erlebt haben, ob sie auf der Straße geboren, oder ausgesetzt wurden und wie sie sozialisiert sind.

Deswegen muss man vor einer Direktmitnahme aus dem Ausland viele Hürden überwinden. Besser ist es, sich hierzulande an eine vertrauenswürdige Organisation zu wenden, die Hunde aus dem Ausland vermittelt.

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aus dem Tierheim Leipzig

Wie findet man einen seriösen Vermittler?

Eine Möglichkeit ist, über einen Verein im Ausland, der mit Tierheimen vor Ort arbeitet. Problematisch dabei ist, wenn der Hund direkt vermittelt wird, hat man so keine Chance das Tier erstmal unter Aufsicht kennenzulernen. Deshalb, zweite Möglichkeit: Ein Tierheim aus der unmittelbaren Nähe. Dort kann man erklären, was man für einen Hund sucht und in was für ein Zuhause er kommt. "Einen seriösen Vermittler erkennen Sie daran, dass er ein oder maximal zwei ausländische Partner hat, mit denen er regelmäßig zusammenarbeitet. Auf der Internetseite sollten Sie nach der Erklärung suchen, dass der Vermittler nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetztes arbeitet", rät unsere Expertin.

Außerdem kann man sich einen Nachweis vom Finanzamt vorlegen lassen, der zeigt, dass Verein oder Tierheim gemeinnützig arbeiten. Auch beim Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen kann man seriöse Partner überprüfen.

Wie läuft die Vermittlung ab?

Damit ein Hund überhaupt aus dem Ausland nach Deutschland kommen darf, muss er dort registriert, tierärztlich untersucht und vor allem gegen Tollwut geimpft werden. Darum kümmern sich die vermittelnden Vereine und zum Teil die Tierheime vor Ort. Den Vertrag über die Aufnahme des Hundes schließt man am besten über ein Tierheim hier in Deutschland ab. Dazu rät Petra Zipp: "Ihnen muss in den ersten Wochen ein Ansprechpartner rund um die Uhr für Notfälle zur Verfügung stehen und wenn Sie nicht zurechtkommen, müssen Sie die Garantie haben, dass Sie das Tier ohne Probleme zurückgeben können."

Es geht bei der "Adoption" eines Hundes um das Wohlbefinden und die Sicherheit von Lebewesen, aber auch deiner Familie. "Es braucht dabei Offenheit von beiden Seiten. Machen Sie ganz klar, in welche Umgebung der Hund kommen wird und sein Sie dann nicht eingeschnappt, wenn das Tierheim nach der Vermittlung auch mal unangekündigt zur Kontrolle bei Ihnen vorbeikommt", so die Tierschutzexpertin.

Was kostet ein Straßenhund aus dem Ausland?

Es gibt laut Petra Zipp kaum einen Unterschied zu einer normalen Vermittlung. "Die Kosten sind ähnlich der Schutzgebühren für einen deutschen Hund aus dem Heim. Sie müssen also je nach Größe, Alter und Rasse zwischen 350 und 500 Euro einplanen."

Wer profitiert von der Vermittlung?

Die Schutzgebühr wird hauptsächlich für Tierarzt, Futter- und Transportkosten verwendet. "Wir finanzieren damit aber auch Unterbringung und Katrationsprogramme vor Ort. Viele Hunde, die zu lange im ausländischen Tierheim sitzen, werden nämlich mitunter einfach getötet", so unsere Expertin. Inländische Tierheime finanzieren von den Gebühren und Spenden, die durch Transportaktionen eingegangen sind auch die Verpflegung von schwer vermittelbaren deutschen Hunden. Die warten manchmal jahrelang umsonst im Heim. Die kontrollierte und seriöse Vermittlung von Straßenhunden aus dem Ausland hilft also, das Leid vor Ort ein wenig zu lindern, den vermittelnden Heimen vor allem über die Aufmerksamkeit und nicht zuletzt den Tieren selbst.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. Oktober 2020 | 10:45 Uhr

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