Was Steuer-Apps wirklich können und wann du doch Beratung brauchst

900 Euro bekommt angeblich jeder Steuerzahler im Schnitt bei der Steuererklärung zurück. Doch das ist oft umständlich und dauert. Mit einer App soll alles ganz schnell gehen. Wir erklären, ob es wirklich funktioniert und wo es hakt.

Junge Frau sortiert zuhause, am Schreibtisch, diverse Belege, Unterlagen, Rechnungen, Kassenbons für die Steuererklärung. 1 min
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MDR JUMP Mo 06.07.2020 10:45Uhr 01:04 min

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Musst du überhaupt eine Steuererklärung machen?

Bist du bei einem Arbeitgeber angestellt, erledigt die dortige Buchhaltung in der Regel deine Steuerangelegenheiten, du musst nicht zwingend selbst eine Steuererklärung machen. Aber: Das Finanzamt setzt dann bei allen sogenannten steuermindernden Ausgaben, wie Fahrtkosten, Extraausgaben für deine Altersvorsorge usw. nur die geltenden Pauschalbeträge an. In der Praxis können die Kosten aber höher liegen und du würdest Geld verschenken. Deshalb kann es sich immer lohnen, eine Erklärung zu machen. Entweder holst du dir die Steuerformulare dafür direkt beim Finanzamt und füllst sie aus oder du nimmst den elektronischen Weg, per Computer oder App.

Wie funktionieren die Apps?

Die Homepage des Elster-Portals
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Kein komplizierter Fragebogen, keine umständlichen Formulare - die Apps kommen ganz einfach und überschaubar daher. Du wirst Schritt für Schritt zu deinen Lebensverhältnissen, deinem beruflichem Status, deinen Einkommen und Ausgaben befragt. In manchen Fällen kannst du ganz einfach deine Lohnsteuerbescheinigung scannen und hochladen und zusätzliche Fragen beantworten. Rechnungen, Quittungen und Belege werden abfotografiert und eingefügt. Am Ende zeigen dir alle Apps, ob du was rausbekommst oder auch was nachzahlen musst. Manche Anbieter machen davon abhängig, ob du für die Nutzung der App was bezahlen musst. Dann werden deine Daten per Elster-Programm ans Finanzamt übermittelt und das wars dann theoretisch für dich. Manche Anbieter werben damit, dass du dafür nicht länger als eine halbe Stunde brauchst.

Das Problem dabei ist, dass Sie bei keinem der Anbieter wissen, was mit Ihren Daten passiert. Sie sollen ja überall sicher sein aber wenn man sich ansieht, dass einzelne Apps kostenlos sind, muss man sich schon fragen, was hat der Anbieter bei all seinem Aufwand davon?

Thomas Meyer, Vorstand des Bundes der Steuerzahler-Sachsen

Wem kann eine App helfen?

Aus meiner Sicht kann so eine App für Leute hilfreich sein, die ganz überschaubare Einkommensverhältnisse haben, zum Beispiel Rentner oder auch Azubis, die wirklich nur ein Einkommen und einfache Ausgaben wie Fahrtkosten haben.

Thomas Meyer

Und tatsächlich: Sobald die Einkommensverhältnisse etwas kleinteiliger oder komplizierter werden, wie etwa bei einem Selbstständigen, versagen die Apps und weisen freundlicherweise auch darauf hin, dass sie hier nicht weiter wissen.

Was kann eine App nicht?

Die App befreit Sie nicht, von der Pflicht, sich mal grundlegend damit auseinanderzusetzen, welche Art finanziellen Status Sie haben.

Thomas Meyer

Und dabei kommt es oft auch bei Steuererklärungen für Studenten oder Azubis auf Feinheiten an. Studenten etwa können viele Jahre rückwirkend eine Erklärung einreichen. Jobbst du während deiner Ausbildung in einem gemeinnützigen Verein und der zahlt dir eine Entschädigung, kann er für dich eine Pauschalsteuer entrichten, kann das aber auch dir überlassen. Das sind Fragen, die in den Apps in der Regel nicht berücksichtigt werden.

Warum solltest du dich nie allein auf eine App verlassen?

Finanzämter fragen nach, das haben die so an sich. Und oft, wenn in einer Erklärung etwas unklar ist, wollen die Bearbeiter eine Rechnung oder Quittung eingescannt oder auch im Original nachgereicht haben. Das heißt also: Trotz der Erklärung per App bleibt es dir nicht erspart, Belege für eine bestimmte Frist aufzuheben. Mindestens solange, bis du einen endgültigen Steuerbescheid hast. Und du solltest unbedingt korrekte Angaben machen.

Sie sind verantwortlich für Ihre Steuererklärung, etwaige Fehler beim Eintragen der Daten oder falsche Angaben können Sie nicht der App anlasten.

Thomas Meyer

Wo versagt eine App?

So einfach die Steuererklärung mit der App auf den ersten Blick scheint, es gibt etliche Stolperstellen:

  • Weiß die App, für welches Jahr du deine Erklärung machen willst? Die Steuergesetzgebung ändert sich tatsächlich jährlich, hast du dafür die richtige/aktuell Version?
  • Auf die spezielle Homeoffice-Zeit der Corona Krise gehen aktuelle Apps in der Regel nicht ein, da kannst du unter Umständen richtig viel Geld einbüßen.  
  • Hast du während der Eingabe Probleme mit dem Empfang oder verlierst du gar dein Handy, sind deine Daten ohne eine Cloudlösung weg.
  • Eine App ist für deine Steuerunterlagen und -daten kein geeignetes Speichermedium. 

Wo du Hilfe bekommst

Steuerberater kosten richtig Geld, das richtet sich nach der sogenannten Steuerberatergebührenordnung und ist abhängig von deinem Jahreseinkommen. Trotz der Kosten lohnt sich vor allem für Selbstständige der Steuerberater. Bei einem Lohnsteuerhilfeverein wirst du für wenige Euro Aufnahmegebühr Mitglied. Danach richtet sich der Jahresbeitrag in der Regel nach dem Einkommen und dem daraus folgenden Aufwand für die Steuererklärung. Vorteil: Du wirst bei einem Lohsteuerhilfeverein das ganze Jahr über beraten und gegenüber dem Finanzamt vertretet. Aber: Der Lohnsteuerhilfeverein kann nur Angestellten, Rentnern oder auch Beamten helfen, Selbstständige können hier nicht beraten werden.

Fazit

Mit einer App die Steuererklärung zu machen, kann einfach und schnell gehen. Das gilt aber nur für sehr einfache, überschaubare Einkommensverhältnisse. Sobald es etwas komplizierter wird, helfen die Apps in der Regel nicht weiter. Und: Steuerangelegenheiten sollten keine Sache von ein paar Minuten sein, du musst dich wenigstens einmal grundlegen mit deiner finanziellen Situation auseinandersetzen, damit du verstehst, was du da ausfüllst. Ansonsten kannst du viel Geld verschenken. Vor Nachfragen und Nachforderungen vom Finanzamt bist du auch durch eine App nicht gefeit.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. Juli 2020 | 10:45 Uhr

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