Stillstand im Stau: Welche Taktik hilft am besten?

zuletzt aktualisiert 16.09.2019 | 13:10 Uhr

Stau auf der A9 in Richtung Sueden. 1 min
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Umschau-Quicktipp Staumythen

Staumythen

MDR JUMP Fr 28.06.2019 02:10Uhr 00:52 min

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Können Staus aus dem Nichts entstehen?

Tatsächlich können Staus auch dann entstehen, wenn keine Baustelle oder ein Unfall den Verkehrsfluss stören. Laut Verkehrswissenschaftler Treiber hat ein Stau immer drei Ursachen:

  • Auf einer Strecke sind sehr viele Fahrzeuge unterwegs.
  • Auf der Strecke gibt es eine Störstelle wie eine Baustelle, einen Unfall, aber auch Steigungen, Kurven, Auf- und Abfahrten. Auch ein Unfall auf der Gegenfahrbahn, für den manche langsamer fahren, kann als Störstelle funktionieren.
  • Es gibt einen finalen Auslöser. Beispielsweise wechselt ein Autofahrer vor einer Engstelle noch schnell die Spur und zwingt andere Autofahrer zu abrupten Bremsmanövern. Die nachfolgenden Fahrzeuge müssen dann noch stärker bremsen.

Da gibt es dann tatsächlich diese Staus dem Nichts heraus: wenn sich dieses Abbremsen dann nach hinten aufschaukelt.

Johannes Boos, ADAC

Die Stauwelle wandert dann in kurzer Zeit nach hinten.

Führt aggressives Fahren zu mehr Staus?

Drängeln, Lichthupe, keinen Platz zum Einscheren lassen: In Diskussionen zur Verkehrssicherheit klingt immer wieder an, dass Autofahrer mit einem aggressivem Fahrstil nicht nur die Unfall-, sondern auch die Staugefahr erhöhen.Sehr dichtes Auffahren kann laut unserem Experten die Staugefahr erhöhen.

Wenn das dann zu solchen abrupten Bremsmanövern führt, ist das schlecht.

Dr. Martin Treiber

Ein zu großer Abstand zwischen den Autos wiederum sei auch nicht optimal. Dann könnten weniger Autos innerhalb einer bestimmten Zeit die Straße passieren. Somit steige die Staugefahr und auch die Länge schon vorhandener Staus wachse.

Durch Engstellen und am Staukopf sollte man besonders aufmerksam fahren und einen sicheren, aber nicht zu großen Abstand halten.

Dr. Martin Treiber
Stauwarnung auf der A113 in Richtung Norden.
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So könnten Autofahrer innerhalb der frei gelassenen Strecke noch angemessen reagieren, ohne Platz zu vergeuden. Auch der Faktor Höflichkeit bestimmt mit, ob ein Stau entsteht oder nicht. Vereinfacht gesagt geht es dabei darum, ob jemand im fließenden Verkehr sehr oft die Spur wechselt und damit andere behindert oder nicht.

Wenn die anderen nur sehr wenig bremsen müssen für mich, bringt das allen am meisten.

Dr. Martin Treiber

Zudem sollten Autofahrer rechtzeitig blinken und den Spurwechsel anzeigen, um andere möglichst wenig zu stören. Auch das funktioniert bei vielen Autofahrern nicht richtig.

Kommt man mit häufigen Spurwechseln schneller durch den Stau?

Studien haben gezeigt: Sie fahren in der Regel mit dem gleichen Nachbarn in den Stau hinein, mit dem sie dann auch wieder aus dem Stau herausfahren.

Johannes Boos, ADAC

Er rät vom Spurwechsel im Stau ab, weil das nur die Unfallgefahr erhöht. Ähnlich sieht das Verkehrsverkehrswissenschaftler Treiber: Generell macht es keinen großen Unterschied, ob man in der Spur bleibt oder immer wieder auf die vermeintlich schnellere Fahrspur wechselt. Der Stauexperte rät aber, möglichst auf der ganz rechten Spur in einen Stau hineinzufahren.

Auf den linken Spuren gibt es vor dem Stau immer die so genannte Spur-Besetzungs-Invasion und dann sind die linken Spuren stärker befahren als die rechten. Da sind die Laster.

Martin Treiber

Auf der linken Spur wiederum werde schneller angefahren, wenn sich das Stauende nähere. Rechts in den Stau rein, einmal wechseln und links aus dem Stau hinaus könnte also etwas Zeit sparen. 

Gibt es eine Regel, wann man einen Stau umfahren sollte?  

Auf Nebenstrecken kommen sie nicht wirklich schneller vorwärts: Sie fahren durch Orte, haben Ampeln, und dann sind diese Nebenstrecken bei einem Stau auf der Autobahn auch ruckzuck überfüllt.

Johannes Boos

Auch Verkehrswissenschaftler Treiber weist darauf hin, dass Autobahnen viel mehr Platz für Fahrzeuge haben als die Nebenstrecken. Er rät dazu, im Ernstfall genau abzuwägen:

Zeigt das Navi eine große Zeitdifferenz zwischen Umfahren und im Stau bleiben an, dann würde ich abfahren. Genauso bei einer Vollsperrung.

Martin Treiber

Ist die Umleitung über Nebenstrecken aber sehr lang, führt über sehr viele kleinere Straßen und spart dann nur wenige Minuten, sollten Autofahrer besser in den Stau hineinfahren oder drinbleiben.

Darf man im Stau aussteigen?

Besonders in der Sommerhitze sieht man sie wieder: die Autofahrer, die den Stau als Gelegenheit sehen, sich die Beine zu vertreten oder kurz in die Büsche zu verschwinden.

Das ist sehr gefährlich, denn durch die Rettungsgasse können ja immer wieder Einsatz- oder Bergungsfahrzeuge fahren.

Johannes Boos
Rettungsgasse nach Unfall auf der Autobahn.
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Der TÜV Thüringen weist darauf hin, das Betreten von Autobahnen sei auch bei einem Stau verboten. Wer sein Fahrzeug für die Toilettenpause kurz verlasse und so andere Fahrzeuge beim Anrollen im Stau behindert, könne ebenfalls bestraft werden.

Gibt es mit einem generellen Tempolimit weniger Staus?

Wenn alle höchstens 130 fahren dürfen, gibt es weniger Geschwindigkeitsunterschiede, reisen alle deutlich entspannter und wechseln seltener die Spur. Damit entfallen einige Faktoren, die einen Stau auslösen können. Das ist im Prinzip die Argumentation von Tempolimit-Befürwortern. "Ein generelles Tempolimit hat null Effekt: Die Staus sind ja fast immer vor Ausfahrten oder Baustellen und auf Steigungen. Und dort gibt es eigentlich schon immer Tempolimits", sagt dagegen Verkehrswissenschaftler Treiber. Er verweist auf Spurwechsel vor Baustellen: Tempo 80 sei dort angebracht, weil so die wenigsten Störungen beim Spurwechsel entstehen. "Tempo 80 fährt jeder, auch die Lkws", sagt der Experte.

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Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. Juni 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2019, 02:10 Uhr