Preiswerte Fitnessgeräte für zu Hause – Lohnt sich der Kauf?

Der Werbung für günstige Fitnessgeräte kann gerade niemand entkommen. Die Hersteller werben in Onlineshops, in Handy-Apps und sozialen Netzwerken. Ihr Versprechen: Mit den günstigen Klimmzugstangen, Widerstandsbändern oder auch Bauchrollern klappt es auch mit dem Sport zu Hause. Die Wohnung soll zum eigenen, kleinen Fitnessstudio werden.

Ein Mann mit einem Kind auf dem Rücken macht Liegestütze 1 min
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MDR JUMP Mo 19.04.2021 10:45Uhr 01:25 min

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"Gut ist der Entschluss, überhaupt etwas zu machen!"

Wir haben uns mit zwei Sportexperten sechs ausgewählte Fitnessgeräte angesehen, die es online in der Preisspanne von zehn bis sechzig Euro gibt. Reik Matheja aus Dessau arbeitet als Personaltrainer und Ernährungscoach und wird von den Freizeitsportlern liebevoll "Schinderreik" genannt. Er sagt:

Reik Matheja
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Das Gute ist erstmal, dass man sich entschließt, überhaupt was zu machen. Da ist es egal, ob ich das mit einer Klimmzugstange oder mit Hanteln mache oder ganz ohne Geräte!

Sabine Graf ist Fitnessdozentin am IST-Studieninstitut Düsseldorf und bietet aktuell wie viele andere Trainer auch Sportkurse über die Plattform Zoom an. Sie sagt:

Sabine Graf
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Bei einigen dieser günstigen Fitnessgeräte kann ich bei falschen Bewegungen Gelenk- und andere Probleme bekommen. Und es gibt Geräte, da sind solche Folgen fast ausgeschlossen.

Powerbänder: Erhöhen den Widerstand bei Übungen

Sportlerin mit Powerband
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Ein langes, flaches und flexibles Gummiband mit Schlaufen oder eingearbeiteten Haltegriffen: Die Fitnessbänder, Powerbänder oder auch Widerstandsbänder nutzen viele Fitness-Fans und Trainer, um bei Übungen ohne Gewichte die Schwierigkeit zu erhöhen. Einfaches Beispiel: Bei Kniebeugen legen Sportler das Band unter die Füße und ziehen beim Hochgehen die Halteschlaufen am Körper mit nach oben. Damit werden die Kniebeugen schwerer. Die Muskeln werden stärker belastet. Gute und haltbare Bänder gibt es im Sportgeschäft oder online schon für zwanzig Euro. Sabine Graf nutzt sie auch in ihren Kursen:

Diese Gummibänder werden in unterschiedlichen Stärken angeboten. Da kann ich eben auch schon leicht bis schwer wählen. Ich fange natürlich, wenn ich jetzt Einsteiger bin, erst mal mit leicht an. Und je nach Steigerung komme ich dann irgendwann zu schwer.

Auch Reik Matheja empfiehlt die Bänder:

Da kann man viel mit machen. Und ich nutze die auch oft im Personal Training, bei Übungen mit dem Körpergewicht. Die sind schön flexibel und die kann man auch überall mit hinnehmen.

Wichtig sei aber, die Übungen zu kennen und dann auch sauber auszuführen. Ohne dieses Wissen seien Anfänger eventuell überfordert. Eine Anleitung im Onlinekurs oder ein Fitnessvideo können auch hier weiterhelfen.

Kurzhantel-Set: Mehrausgabe für die Sicherheit

Junge Frau trainiert mit Hanteln im Fitnessstudio
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Die kleinen Hanteln gibt es einmal als feste Variante mit einem festgelegten Gewicht. Hantelpaare mit ein, zwei oder mehr Kilo kosten online ab 15 Euro. Bei den flexiblen Varianten dagegen können auf eine Hantelstange mehrere Scheiben aufgefädelt und mit einem Verschluss gesichert werden. Einfache Sets mit verschiedenen Gewichten gibt es ab 20 Euro aufwärts. Reik Matheja rät:

Da würde ich persönlich lieber etwas mehr ausgeben. Gerade wenn ich damit über dem Kopf trainiere. Da würde ich vermeiden wollen, dass mir dann ein Gewicht ins Gesicht fällt. Das sollte schon gute Qualität sein.

Die koste gar nicht so viel. Für ein flexibles Kurzhantelset mit ein paar Gewichten und Schraubverschluss könne man mit 40 bis 50 Euro planen. Auch aus Sicht von Sabine Graf kann sich der Kauf von ein paar Kurzhanteln für den Sport zu Hause lohnen:

Bei den Gewichten kann man eigentlich nichts falsch machen. Bei günstigen Kurzhanteln kann es sein, dass die Gewichtsangabe mal nicht genau stimmt. Das sind dann vielleicht nicht genau zwei Kilo, wie angegeben.

Balance-Board: Nur für Geübte

Junger Mann balanciert auf Brett mit Rolle
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Ab 60 Euro aufwärts kosten die stabilen Holzbretter, auf denen Sportler stehen und ihren Körper beim Training auf einer Holzrolle ausbalancieren müssen. Das soll die Koordination verbessern. Kraftübungen mit kleinen Hanteln und auch Ausdauerübungen werden durch den instabilen Untergrund effektiver, versprechen die Anbieter. Selbst Liegestütze mit beiden Händen auf dem Board würden so zur perfekten Fitnessübung. Sabine Graf sagt dazu:

Das Balance-Board habe ich selbst. Das ist etwas für Geübte und nichts für Sporteinsteiger. Allein da mit den Füßen drauf zu stehen ist unheimlich schwierig. Da muss ich wochenlang üben, bevor ich darauf überhaupt Übungen machen kann.

Auch Liegestütze sollten Anfänger besser erst einmal ohne Balance-Board auf dem Boden machen und dabei auf eine saubere Technik achten. Die Fitnessexpertin empfiehlt als Alternative zu den Boards Balance-Halbbälle (ab rund 60 Euro). Die sehen aus wie ein halbierter Sitzball, der auf eine Platte am Boden montiert wurde. Darauf könnten auch Anfänger ohne Gefahr trainieren und auf der wackligen Unterlage die Tiefenmuskulatur verbessern, sagt unsere Expertin. Ein ähnliches Urteil über die Balance-Boards fällt Reik Matheja:

Da habe ich meine Bedenken. Da kann viel passieren, wenn ich auf so einem Brett auf der Rolle das Gleichgewicht verliere. Und wenn ich das Balance-Board für Liegestütze nutze: Wofür brauch ich das als Anfänger, wenn ich ohne schon höchstens zehn Liegestütze schaffe?

Auch er empfiehlt die gummierten Halbbälle zum Draufstellen.

Klimmzugstange für die Tür: Das schafft nicht jeder

Junger Mann trainiert an einer Klimmzugstange
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Schon ab 20 Euro aufwärts gibt es einfache Klimmzugstangen, die in den Türrahmen geklemmt werden. 40 Euro und mehr kosten Klimmzug-Sets, die dank einer cleveren Mechanik oben an den Türrahmen eingehängt werden. Alternativ können die sogenannten "Recks" an Decke oder Wand montiert werden. Reik Matheja sagt dazu:

Damit trainiere ich nur sehr speziell, eben den Rücken. Und eventuell etwas die Arme, wenn der Bizeps mein Körpergewicht mit nach oben zieht.

Klimmzüge schafften Anfänger nicht immer, weil bei dieser Übung das ganze Körpergewicht nach oben bewegt werden muss. Unser Experte empfiehlt daher Sporteinsteigern Klimmzugstangen oder Recks, die im Türrahmen auch einen halben Meter über dem Boden angebracht werden können. Daran könne in Schräglage der Rücken trainiert werden. Die Übungen sind dann deutlich einfacher, weil das Körpergewicht vereinfacht gesagt "geviertelt" wird. Sabine Graf sagt:

Ein Einsteiger, der gleich Klimmzüge macht, ist bei mir im Training noch nicht vorgekommen. Und für Frauen sind Klimmzüge eh immer schwierig. Ich wäre bei diesen Geräten für zu Hause echt vorsichtig. Weil ich kein Gefühl dafür habe, wie fest die Klimmzugstange im Türrahmen sitzt und ob die mein Körpergewicht hält.

Wer eine wirklich stabile und gut gesicherte Klimmzugstange zu Hause habe, könne die zusammen mit einem Widerstands- oder Fitnessband nutzen. Das flexible Band wird an beiden Seiten der Stange eingehangen und unter die Füße oder auch unter die angewinkelten Knie geklemmt. Das Band verringert so das Körpergewicht etwas und macht die Klimmzüge so leichter.

Griffbänder zum Einhängen in die Tür: Anfänger brauchen dafür Anleitung

Mann turnt im Wohnzimmer
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Sportler kennen diese Trainingsbänder als "Schlingenbänder", als "Kabeltrainer" oder auch als "TRX-Bänder". Sie werden ab 30 Euro aufwärts verkauft und mit einem Anker in der geschlossenen Tür eingeklemmt. Beim Training können sich Sportler dann in Schräglage in die Griffe der Bänder "reinhängen". Das geht vorwärts mit Blick Richtung Tür für Rücken-, Schulter- oder Beinübungen. Oder auch vorwärts für Übungen für die Brustmuskulatur. Aus Sicht von Reik Matheja sind die Bänder eher etwas für Erfahrene, die sie schon aus Kursen oder dem Fitnessstudio kennen.

Fürs Training mit den Bändern ist es wichtig, dass man seinen Körper kennt. Das nützt mir ja nichts, wenn ich nicht weiß, wie ich damit meine Brustmuskulatur trainieren kann. Dann drück ich verkehrt oder ziehe mit dem Nacken und spüre meine Brust gar nicht.

Mit gut gemachten Anleitungen aus Online-Sportkursen oder mit Hilfe von Fitnessvideos auf dem Handy könnten aber auch Anfänger mit den Kabeltrainern trainieren. Sabine Graf sagt:

Diese Bänder zum Einhängen sind recht gut und da kann man eigentlich nichts falsch machen. Ich sehe da die Gefahr eher bei der Tür und beim Einhängen. Nicht, dass ich da bei den Übungen einfach zu Boden knalle. Da würde ich drauf achten, dass der Anker oder das Teil zum Einhängen gut fixiert ist. Und dass ich das nur an eine Tür mache, die nach außen aufgeht.

Diese Tür könnten andere nicht oder nur schwer öffnen, weil auf der anderen Seite jemand mit seinem Gewicht dranhängt.

Bauchroller: Einsteiger hängen komplett durch

Sportlerin, die Krafttraining mit einer Walze macht
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Ein oder zwei große Räder auf einer Stange mit zwei Haltegriffen: So einfach sind Bauchroller oder auch Ab Roller konstruiert. Die gibt es im Internet oder bei großen Camping- und Sport-Ausstattern schon für zehn Euro. Für die Übungen mit dem Gerät knien sich Sportler auf den Boden und führen beispielsweise den Bauchroller vom Körper weg und ziehen ihn wieder heran. Das soll die Muskulatur an Bauch und Rücken ebenso stärken wie Schultern und Arme. Sabine Graf würde auch dieses günstige Fitnessgerät eher erfahreneren Sportlern als Anfängern empfehlen:

Wenn ich das einem Einsteiger gebe, hängt der mit dem Rücken komplett durch. Der hat die dafür nötige Stabilisation im Bauch einfach nicht. Und auch von der Schultermuskulatur muss hier sehr gearbeitet werden.

Wer solche Übungen wirklich machen wolle, könne auch zwei Putztücher unter die Hände legen und damit von den Knien weg über den Boden rutschen. Reik Matheja nutzt die Bauchroller auch in seinem Beruf als Personal Trainer:

Wer die Rolle nutzt, muss den Bauch anspannen um nicht ins Hohlkreuz zu kommen. Sonst hat man den entgegengesetzten Effekt: Rückenschmerzen. Weil der Bauch dieses Nach-Vorne-Gehen gar nicht halten kann.

Sportanfänger können aus Sicht des Fitnessexperten die Rolle für den Bauch durchaus nutzen. Sie sollten dabei aber sehr vorsichtig sein. Das heißt: Auf die Knie gehen und mit der Rolle maximal 15 Zentimeter nach vorn und zurück rollen. Dabei sollte der Bauch immer angespannt bleiben. 

Fazit

Aus Sicht unserer Experten kann es sich durchaus lohnen, ein paar günstige Fitnessgeräte für zu Hause anzuschaffen. Fitnessbänder, Balance-Halbbälle und Kurzhanteln sind aus Sicht der Fitnesstrainer etwas für Anfänger und können sauber ausgeführte Übungen etwas schwerer machen. Damit steigt die Belastung für die Muskeln und so werden auch Sportanfänger besser. Ohne diese Verbesserungen fehlt irgendwann die Motivation. Fitnessgeräte wie Balance Board, Bauchroller, Klimmzugstangen oder Griffbänder sind laut unseren Experten dagegen eher etwas für Fortgeschrittene. Die haben in der Regel schon die nötigen Muskeln, um ihren Körper zu stabilisieren. Zudem wissen sie meist aus ihrer Sporterfahrung heraus, wie bestimmte Übungen absolviert werden müssen und worauf es dabei ankommt. Eine wichtige Regel sollten Anfänger und Fortgeschrittene aber immer beachten, sagt Reik Matheja: Vor dem Sport kommt die Erwärmung.

Wenn ich mich beispielsweise kalt an so eine Klimmzugstange hänge und fange an zu ziehen, dann kann es für die Schultern böse enden.

Nur wer den Körper richtig auf die Belastung vorbereite, könne Schäden an Knorpeln, Gelenken, Bändern und Sehnen vermeiden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 19. April 2021 | 10:45 Uhr

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