Sonnenbrillen mit Sehstärke: Darauf kommt es an

Brillenträger brauchen für Tage mit viel Sonne auch einen entsprechenden UV-Schutz für die Augen. Gute Sonnenbrillen mit Sehstärke gibt es für verschiedene Einsatzzwecke: Für den Strandbummel, fürs Wandern und Joggen oder fürs Radfahren. Wir geben Tipps für den Kauf.

Wichtigstes Kaufkriterium: Guter UV-Schutz

Sonnenbrillen mit Sehstärke gibt es bei Augenoptikern oder in den Online-Shops von Optiker-Ketten schon ab 20 Euro bis 30 Euro. Das sind dann Einstärken-Gläser. Für Gleitsicht-Sonnenbrillen für den schnellen Wechsel von Nah auf Fern werden in der Regel mindestens 140 Euro fällig. Extras wie bruchsichere Gläser, ein Schutz gegen Kratzer, eine Entspiegelung oder eine Polarisation können die Preise noch etwas weiter nach oben treiben. Die überregionale Brancheninitiative "Kuratorium Gutes Sehen" (kurz: KGS) rät zum Kauf im Fachgeschäft, selbst wenn die Preise dort über denen von Discountern oder Online-Shops liegen. Für Sonnenbrillen gebe es keine Instanz, die jedes Modell auf den UV-Schutz überprüft. Dabei ist der aus Sicht von Wolfgang Wesemann vom KGS das wichtigste Kriterium beim Kauf einer Sonnenbrille mit Sehstärke:

Wolfgang Wesemann
Bildrechte: KGS

Die Brillengläser sollten bis 400 Nanometer schützen. Das ist die UV-Grenze. Diese Brillen erkennt man an der Kennzeichnung UV400.

Wie normale Brillen könnten auch Sonnenbrillen mit Sehstärke sämtliche optischen Anforderungen erfüllen. Der Optiker kann also Kurz- und Weitsichtigkeit korrigieren und auch Prismenkorrekturen einbauen.

Wie viel Licht soll noch durchkommen?

Wer eine Sonnenbrille mit Sehstärke kauft, muss sich für eine von fünf Tönungsstufen entscheiden. Die hat nichts mit dem UV-Schutz zu tun. Die Tönungsstufe gibt an, wie stark die Brille die Augen vor blendenden Sonnenstrahlen bewahrt.

• Sonnenbrillen der Filterkategorie 0 sind nur leicht getönt und absorbieren bis 20 Prozent des Lichts. Sie sind eher etwas für Tage mit bewölktem Himmel.

• Bei der Filterkategorie 1 sind es 20 bis 57 Prozent Lichtabsorption. Die Gläser sind auch eher etwas für bedeckte Tage.

Filterkategorie 2  mit 57 bis 82 Prozent Lichtabsorption ist laut KGS der perfekte Blendschutz für unsere Breitengrade.

Filterkategorie 3 absorbieren 82 bis 92 Prozent des Sonnenlichts und eignen sich für den Strand, den Wassersport oder die Berge.

• Sonnenbrillen mit Filterkategorie 4 (92 bis 97 Prozent Lichtabsorption) sind am dunkelsten getönt und für den Einsatz im Hochgebirge, im Schnee und auf Gletschern gedacht.

Wolfgang Wesemann vom "Kuratorium Gutes Sehen" ergänzt:

Generell werden in den letzten Jahren die meisten Brillen mit der Filterkategorie 3 verkauft. Das ist mir persönlich manchmal schon zu dunkel. Wenn ich im Sonnenschein Auto fahre und komme in einen Tunnel, dann sehe ich mit einer Brille mit Kategorie 3 nichts mehr. Das ist nicht optimal.

Zusätzlich würden inzwischen auch klare Brillengläser mit 100 Prozent UV-Schutz verkauft. Die schützen zwar die Augen nicht vor Lichtblendung aber eben vor schädlichen UV-Strahlen.

Welche Gläser sollen es sein?

Genau wie bei Brillen ohne Tönung und UV-Schutz muss beim Kauf von Sonnenbrillen mit Sehstärke entschieden werden: Mineralglas oder Kunststoff? Brillengläser aus Kunststoff – oft Polycarbonat - sind meist etwas leichter und bruchsicherer. Wolfgang Wesemann sagt:

Die Kunststoff-Brillengläser sind leider ein bisschen kratzempfindlich. Deswegen muss man da auch eine extra Hartschicht haben. Und wenn die Sonnenbrille schlecht behandelt wird und zum Beispiel am Strand immer im Sand liegt, dann verkratzt die trotz dieser Schicht. Und dann sollte man vielleicht mal überlegen, ob man gehärtete, mineralische Gläser nimmt.

Diese Gläser sind dann wiederum nicht so bruchsicher. Für den Einsatz beim Sport eignen sie sich daher weniger.

Welche Extras lohnen sich?

Das kommt auf den Einsatzzweck an, sagt Raphael Kottmeier. Er schreibt für das Bergzeit Magazin, trägt selbst Brille und ist als Wanderer und Sportler viel in der Natur und den Bergen unterwegs. Ein sinnvolles Extra für alle Sonnenbrillen mit Sehstärke ist aus seiner Sicht eine Entspiegelung. Den Unterschied zu einer nicht entspiegelten Brille merke man etwa am Strand.

Raphael Kottmeier mit Rucksack in Blumen
Bildrechte: prival

Durch die Entspiegelung wird Licht, das etwa vom Wasser von hinten kommt, nicht nochmal durch die Brille gespiegelt und dann ins Auge reflektiert.

Wer sich die Brille für den Sport, fürs Joggen, Radfahren oder Beachvolleyball holt, sollte auf einen guten Sitz achten. Bei hochpreisigen Sonnenbrillen für mehrere hundert Euro bauen die Hersteller inzwischen sogar Antischock-Systeme ein. Die sollen etwa beim Rennen verhindern, dass sich die Kräfte beim Auftreffen des Fußes auf dem Boden bis in die Brille bewegen und diese dann von der Nase rutschen lassen. Wirklich wichtig für den sportlichen Einsatz sei zudem eine gute Belüftung.

Beim Sport schwitzt man und die Brille beschlägt schneller. Und dann sieht man schlechter. Bei gut belüfteten Brillen gibt es zwischen Rahmen und Scheibe oder eben direkt in der Scheibe Belüftungslöcher. Dann kann die Luft praktisch von vorne durch die Brille 'durchfließen'.

Für Autofahrer und für den Wassersport kann sich der Aufpreis für polarisierte Gläser lohnen. Dabei wird blendendes Licht von Spiegelungen auf der Wasseroberfläche oder auf der nassen Straße herausgefiltert. Wolfgang Wesemann von KGS sagt:

Diese Reflektionen werden von polarisierten Brillengläsern gut weggenommen. Damit sind die gut für den Wassersport geeignet. Fürs Skifahren dagegen nicht. Denn da müssen sie die Spiegelung einer Eisschicht sehen, sonst wird es gefährlich.

Herkömmliche Sonnenbrille plus Clip

Mit optischen Clips vom Optiker oder aus dem Sportfachhandel können herkömmliche Sonnenbrille mit Sehstärke "nachgerüstet" werden.

Das sieht etwas ungewohnt aus, wenn die Sonnenbrille nicht sehr dunkel getönt ist. So können Brillenträger aber verschiedene Sonnenbrillen für verschiedene Einsatzzwecke nutzen, weil sich sehr viele Modelle für die Clips eignen. Die gibt es laut Bergzeit Magazin ab 20 Euro aufwärts. Ein Problem bei der Kombination kann laut Raphael Kottmeier wieder die Belüftung sein, zumindest beim Sport:

Wenn die Brille schlecht belüftet ist, dann kann es sein, dass zwar das Außenglas unbeschlagen bleibt. Aber dass dann praktisch dieser Clip innen drin beschlägt.  

Zudem seien die Clips je nach Brillenform auch manchmal recht nah am Auge.

Das empfinden manche Menschen als sehr unangenehm, weil die Clips nochmal einen Ticken dichter am Auge sind als die Brille. Und es kann sein, dass man den Clip mit den Wimpern berührt, wenn man die Brille recht hoch schiebt. Das würde bei einer Brille ohne den Clip nie passieren.

Wolfgang Wesemann vom KGS rät, bei der Kombi Brille und optischen Clips unbedingt auf eine Entspiegelung zu setzen:

An jeder Grenzfläche wird das Licht hin und her gespiegelt und bei der Sonnenbrille mit Clip haben sie vier Grenzflächen. Die Brille vorn und hinten und der Clip vorn und hinten. Das sieht man ohne Entspiegelung dann.

Zahlen die Krankenkassen für Sonnenbrillen mit Sehstärke?

Schon bei normalen Brillen übernehmen die Krankenkassen bei Erwachsenen die Kosten nur in bestimmten Fällen. Wer etwa auf dem besseren von zwei Augen nur noch 30 Prozent Sehkraft hat oder sehr stark kurz- oder weitsichtig ist (mehr als 6,25 Dioptrien), wird von den Kassen unterstützt. Bei Kindern und Jugendlichen werden die Kosten für die Brillengläser bis zu einem bestimmten Betrag übernommen.

Wer sich privat krankenversichert hat, bekommt in manchen Tarifen auch die Brille bezahlt. Sonnenbrillengläser bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen laut KGS in der Regel nicht. Ausnahmen seien denkbar, wenn jemand wegen einer bestimmten Augenvorerkrankung unbedingt eine Brille mit getönten Gläsern braucht.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. Mai 2021 | 10:45 Uhr

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