Sommerpartys: Alles, was wichtig ist

Sommer, Sonne, Party! Wenn denn die Nachbarn mitspielen. Denn vor allem in Mietshäusern sind Partys im Garten, auf dem Balkon oder in der Wohnung ein beliebter Zankapfel. Auch die inzwischen regelmäßigen Corona-Partys in städtischen Parks sind Anwohnern ein Dorn im Auge. Was sagen nun Gesetz und Recht? Wie lange darf die Sommerparty dauern, wie laut darf es werden und wie oft darf man feiern?

Grundsätzlich ohne Regel

Die Frage, wie oft du Party in deiner Mietwohnung machen darfst, beantwortet der Gesetzgeber genau so wenig, wie die Frage nach dem wie lange. Dazu Rechtsanwältin Ellen Schultz vom Deutschen Mieterbund Sachsen-Anhalt e.V. in Halle:

Es gibt keine einheitliche Regel. Es ist nicht gesetzlich festgelegt, wie oft Mieter im Jahr eine Party im Haus oder dem eventuell dazugehörigen Garten feiern dürfen und wie lange das dauern darf. Hier muss man sich im Zweifel an der aktuellen Rechtssprechung orientieren, also den Urteilen, die zu ähnlichen Streitigkeiten gefällt worden sind.

Aber auch da gibt es keine einheitliche Orientierung. Manch ein Richter gestattet Mietern eine große Gartenparty pro Jahr, in anderen Urteilen wird jeden Monat eine Party erlaubt.

Rücksichtnahme ist angesagt

Der Grundsatz bei Partys und anderen Aktivitäten, bei denen sich die Nachbarn gestört fühlen könnten ist, eben das möglichst zu vermeiden.

Es gilt hier gegenseitig Rücksicht zu nehmen. Wenn Sie auf dem Balkon unmittelbar neben Ihrem Nachbarn feiern, müssen Sie eben leiser sein als im Garten 50 Meter entfernt

erläutert Ellen Schultz. Beim Grillen und da vor allem mit Holzkohle, solltest du vor dem Anzünden die Windrichtung beachten. Auch wenn es für dich noch so lecker sein mag - als Nicht-Beteiligter kann dem Nachbarn der Geruch von verbrannter Holzkohle schon ziemlich auf die Nerven gehen. Gleiches gilt für Musik. Die darf nie so laut sein, dass sich die Nachbarn davon gestört fühlen. Als Richtwert gilt hier, dass ein Gespräch in Zimmerlautstärke in der Wohnung deines Nachbarn möglich sein muss. Üblicherweise gilt in Deutschland von 22 Uhr bis morgens um 6 oder 7 Uhr Nachtruhe. Das heißt nicht, dass du jetzt die Party beenden musst. Aber laute Musik, laute Geräusche, lautes Lachen, solltest du nach 22 Uhr vermeiden. Auch Kinder müssen in dieser Zeit dazu angehalten werden, sich möglichst ruhig zu verhalten. Spielen ist zwar erlaubt, Rumtoben hingegen müssen die Nachbarn in dieser Zeit nicht hinnehmen.

Zwei junge Frauen feiern
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Die Hausordnung  

Mit der Unterschrift unter den Mietvertrag erkennst du die geltende Hausordnung an. Hier kann der Vermieter, oft in Abstimmung mit allen Mietparteien, festlegen, wie und wann gefeiert werden darf. Hast du unterschrieben, hältst du dich besser daran. Allerdings muss man nicht alles akzeptieren, so Ellen Schultz vom Mieterbund in Halle:

Mietvertragsklauseln, die Sie als Mieter zu sehr einschränken, sind unter Umständen ungültig. Ihr Vermieter kann Ihnen also nicht alles verbieten. Das müssen Sie aber wieder im Einzelfall abklären

Ein bis zweimal im Jahr eine große Party, das dürften dir die Nachbarn nicht als Belästigung auslegen. Am besten informierst du aber alle anderen Mieter vorher von der Feier. Noch besser ist, du lädst die Nachbarn gleich mit ein.

Die Ruhezeiten

Ruhezeiten sind in den meisten Fällen in der Hausordnung angegeben. Üblich ist es, dass sonn- und feiertags ganztägig Ruhe einzuhalten ist. An allen anderen Tagen gelten für Mieter zusätzlich zur schon erwähnten Nachtruhe tagsüber Ruhezeiten von 13 -15 Uhr. Allerdings ist auch das nicht gesetzlich festgelegt, sondern gilt als grundsätzliche Regel. Die genauen Bestimmungen darüber können von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sein. Außerdem wird in den jeweils geltenden Lärmschutzverordnungen noch zwischen unterschiedlichen Lärmarten, wie etwa Baulärm, Maschinenlärm oder eben auch Nachbarschaftslärm unterschieden. Bei Fragen sind das Ordnungsamt und die Umweltbehörden Ansprechpartner.

Kinder und Kinderparty

Spielende Kinder stellen keine Lärmbelästigung dar. Nachbarn haben das Lachen und Toben der Kleinen im Allgemeinen zu akzeptieren. Aber auch hier gibt es Einschränkungen:

Das gilt für die Kinder, die bei Ihnen im Haus wohnen. Wenn die nachmittags oder abends auf dem Hof spielen und es dabei etwas lauter zugeht, müssen Sie das hinnehmen. Sind aber ständig die Freunde oder Kinder aus der Nachbarschaft zu Gast, müssen Sie das nicht akzeptieren

, erklärt unsere Expertin vom Deutschen Mieterbund in Halle. Auch die Kindergeburtstagsparty am Sonntagmittag im Garten am Mietshaus ist nur dann eine gute Idee, wenn die Kinder dabei leise spielen. Dazu nochmal die Expertin:

Badende Kinder
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In den Ruhezeiten, wie zum Beispiel am Sonntag dürfen die Kinder eben nicht nach Lust und Laune Toben und Kreischen. Sie müssen sich, wie alle anderen, möglichst ruhig verhalten

Feuerwerk

Auch wenn es noch so verlockend ist, am späten Sommerabend bei der Geburtstagsparty noch ein paar schöne Raketen, die vom Silvesterabend übrig sind, in den Himmel zu schießen - lass es lieber sein. Lediglich Tischfeuerwerk, Wunderkerzen und ähnliche kleine Dinge sind erlaubt. Silvesterraketen, Batterien oder gar schwere Böller sind außer vom 31. Dezember Mitternacht zum 1. Januar 24 Uhr, den Rest des Jahres verboten. Solltest du dennoch eine Fete mit Feuerwerk krönen wollen, dann musst du einen Freistellungs-Antrag vom Verwendungsverbot nach §21 Abs. 1 der 1. Verordnung zum Sprengstoffgesetz beantragen oder eine Erlaubnis nach §7 oder einen Befähigungsschein nach §20 des Sprengstoffgesetzes besitzen.

Vier Freunde feiern
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Einschränkungen wegen Corona

Die Kontaktbeschränkungen sind zwar weitestgehend aufgehoben, allerdings gibt es Empfehlungen: Treffen mit Freunden und Bekannten sollten nach wie vor reduziert werden, man sollte sich nicht mit vielen Menschen gleichzeitig treffen und den Mindestabstand einhalten. Das gilt natürlich auch für Partys. Bei großen Feiern müssen ab einer bestimmten Personenzahl die Behörden im Vorfeld informiert und die Kontaktdaten erfasst werden.

Corona-Partys in Parks

Diesen Sommer sind Partys in städtischen Parks ein großes Thema. Müll, Lärm und sogar das Behindern von Rettungseinsätzen sorgen immer wieder für Ärger. Einige Städte versuchen, das Geschehen mit verstärkter Polizeipräsenz in den Griff zu bekommen. Der Einsatz von Lautsprechern und Verstärkern ist häufig verboten. Auch Glasflaschen- und Alkoholverbote sind mancherorts verhängt worden. Das Problem ist: Eigentlich müsste es bei großen Menschenansammlungen ein Hygienekonzept geben und die Kontakte müssten erfasst werden. Zudem besteht eine Testpflicht, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Deshalb ist die Polizei häufig vor Ort und kontrolliert das Einhalten der Regeln. Wer sich nicht daran hält riskiert ein Bußgeld.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 02. August 2021 | 11:45 Uhr

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