Softair – Waffe oder Spielzeug?

Bei Softair schießen Spieler aus Plastikpistolen oder -gewehren mit Kunststoffkugeln aufeinander. Für diese Freizeitbeschäftigung seien eine Strategie und taktisches Vorgehen nötig und die entsprechenden Fähigkeiten würden geschult, sagen Fans. Aus Sicht von Kritikern ist Softair ein gewaltverherrlichendes Hobby mit hohem Verletzungsrisiko für Dritte. Für die Softairs und deren Nutzung gibt es in Deutschland klare Regeln.

Softair gun with protective glasses and lot of bullets 2 min
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Mit Plastikkugeln aufeinander schießen

Ein umzäuntes Gelände oder eine große Halle, mit Schutzkleidung ausgerüstete Teams treten gegeneinander an: Damit lässt sich das aus Japan stammende Softair (auch: Airsoft) einfach beschreiben. Das Ganze erinnert an Paintball, bei dem die Teilnehmer einander mit Farbpatronen „markieren“. Beim Softair schießen die Teams aber mit kleinen Plastikkugeln aufeinander, die meist ein Kaliber von sechs Millimetern haben. Damit bleiben die beim Paintball üblichen Farbreste auf Kleidung, Schutzausrüstung, auf Wänden oder im Gelände aus. Die häufig auch als „Softairs“ bezeichneten Waffen verschießen die Kugeln mit Hilfe von Gasdruck, mit einer Feder oder dank eines kleinen Elektromotors, der eine Feder spannt. Inzwischen werden übrigens auch Softair-Kugeln aus einem biologisch abbaubaren Polyester genutzt, die sich laut den Herstellern komplett in CO2 und Wasser zersetzen.

Manche Softairs gelten als Spielzeuge, andere als Waffen

Entscheidend ist die sogenannte Geschossenergie. Übersetzt heißt das: Mit welchem „Wumms“ werden die Plastikkugeln verschossen? Das Ganze wird in Joule angegeben. Der Kölner Jurist und Buchautor Christian Solmecke sagt:

Christian Solmecke
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Unter 0,5 Joule ist die Verletzungsgefahr aus Sicht des Gesetzgebers so niedrig, dass es sich nicht um Waffen, sondern um Spielzeuge handelt. Hat die Softair mehr als 0,5 Joule Geschossenergie, fällt sie grundsätzlich unter das Waffengesetz. Dabei dürfen Softair-Waffen bis 7,5 Joule von Volljährigen frei erworben werden.

Eine Altersbeschränkung ist für Softairs bis 0,5 Joule laut deutschem Recht nicht vorgeschrieben. Über 18-jährige dürfen Softair-Waffen mit einer Geschossenergie von 0,5 bis 7,5 Joule kaufen. Diese Waffen müssen mit dem Prüfzeichen „F“ in einem Fünfeck gekennzeichnet sein. Jörg Radek, Vize-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GDP) sagt:

Jörg Radek, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und Vorsitzender des Bezirks Bundespolizei
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Wird eine Geschossenergie über 7,5 Joule erreicht, brauchen Sie einen Waffenschein. Eine so genannte Waffenbesitzkarte. Und es gibt eine Altersbegrenzung, das 18. Lebensjahr.

Im deutschen Recht spielt aber nicht nur die Geschossenergie, sondern auch die Optik der Softairs eine Rolle. Christian Solmecke sagt:

Wenn die Spielzeug-Softair täuschend echt, also wie eine richtige Waffe, aussieht, gilt sie nach dem Gesetz als sogenannte Anscheinswaffe. Dann unterliegt sie auch dem Waffengesetz. Diese darf dann in der Öffentlichkeit nicht geführt werden.

Damit gelten einzig Softairs unter 0,5 Joule, die sich wegen ihrer Farben oder ihrer Gestaltung deutlich von echten Waffen unterscheiden lassen, als Spielzeug. Nur sie dürfen laut Christian Solmecke in der Öffentlichkeit benutzt werden. Alle anderen Softairs fallen in Deutschland unters Waffengesetz.

„Erhebliches Verletzungsrisiko“

In den Softair-Onlineshops und -geschäften wird neben Waffen und Munition immer auch Schutzausrüstung verkauft. In der Regel sind das Schutzbrillen für die Augen und Gittermasken für Mund und Zähne. Auf der Haut hinterlassen die Kunststoffkugeln meist nur blaue Flecke. Für Augen und Zähne können sie wirklich gefährlich sein. Polizeihauptkommissar Jörg Radek sagt:

Ich halte das Verletzungsrisiko für erheblich. Wenn man sich an die Waffen hält, die man gebräuchlich bekommt, ist es geringer. Aber wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass die Waffen manipuliert werden. Dann geht von ihren Geschossen eine erhebliche Verletzungsgefahr aus.

In einem früheren Test der Gewerkschaft der Polizei wurde mit einer 0,5-Joule-Softair eine CD-Hülle aus fünf Metern Entfernung durchschossen. Auch wegen des Verletzungsrisikos für andere gelten für die Nutzung von Softairs ab 0,5 Joule klare Regeln:

Auf befriedetem Gelände und in meinem eigenen Garten darf ich sie benutzen. Ich muss allerdings Vorkehrungen treffen, dass von diesem Waffengebrauch keine Gefahr für ein Nachbargrundstück oder für vorbeigehende Passanten ausgeht.

Softair-Waffen dürfen nur ungeladen und in einem geschlossenen Behältnis transportiert werden.

Verstöße gegen die Regeln sind teuer und gefährlich

Wer sich nicht an die Vorschriften für Softairs hält und diese etwa in der Öffentlichkeit benutzt, kann hart bestraft werden. Jurist Solmecke sagt:

Verstöße gegen die Regelungen aus dem Waffengesetz können als Ordnungswidrigkeit mit bis zu 10.000 Euro geahndet werden. Bei einem ersten Verstoß wird die Summe regelmäßig deutlich niedriger sein. Aber Verstöße gegen das Waffengesetz werden von deutschen Behörden grundsätzlich ernst genommen und verfolgt.

Polizist Jörg Radek rät aus einem weiteren wichtigen Grund dazu, die Vorschriften für Softairs sehr genau zu beachten.

Wir können als Polizisten auf eine Distanz von fünf oder zehn Metern nicht mehr unterscheiden: Ist das eine Attrappe oder ist es eine reale Waffe? Der Polizist wird sich aber immer so verhalten, dass er von einer realen Gefahr ausgehen muss.

Wer in der Öffentlichkeit Softair-Waffen nutze, bringe sich damit in echte Gefahr. Jörg Radek wünscht sich daher statt strengerer Regeln eine grundsätzliche Debatte über eine Simulation, die im Ernstfall tödlich sein kann.

Täuschend echt aussehende Softairs können auch auf Privatgelände Ärger auslösen

Nicht nur in der Öffentlichkeit, auch auf privatem Gelände könnten sogenannte Anscheinswaffen für Polizeieinsätze sorgen, warnt Rechtswissenschaftler André Busche. Er ist der von der IHK Kiel öffentlich bestellte Sachverständige für die Aufbewahrung und den Transport von Waffen und Munition. Der Gesetzgeber mache da keine Ausnahme, sagt André Busche.

Sobald ich mich mit einer Anscheinswaffe beispielsweise auf einem eingezäunten Betriebsgelände bewege – da kann auch der Hausrechtsinhaber zugestimmt haben – gilt das Verbot.

Softair-Arenen würden das umgehen, indem sie ihre Softairs so grell einfärben, dass keine Verwechslungsgefahr mit einer echten Waffe besteht. Sobald das aber nicht der Fall sei und die Waffe täuschend echt aussehe, gelte das Verbot. Wer erwischt werde, hätte zwar „nur“ eine Ordnungswidrigkeit begangen. Das könne aber trotzdem teuer werden. Die Waffen seien dann auf jeden Fall weg. Dabei spiele es keine Rolle, ob in der Öffentlichkeit oder auf einem privaten Grundstück gespielt wird.

Anmerkung: Wir haben für diesen Ratgeber versucht, den Kontakt zu Softair-Spielern herzustellen. Wir wollten mit ihnen über ihr Hobby und nicht nur über sie zu reden. Mehrere Anfragen bei Verbänden und Veranstaltern oder über Spielerforen blieben jedoch unbeantwortet.

Update vom 28.7.21: Nach dem Veröffentlichen des Ratgebers haben sich mehrere Softair-Spieler bei uns gemeldet. Darüber freuen wir uns und werden mit ihnen über ihr Hobby reden. Zudem haben wir den Ratgeber um die Hinweise eines Sachverständigen für den Transport von Waffen ergänzt. Auch die Information zu biologisch abbaubaren Softair-Kugeln haben wir ergänzt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 27. Juli 2021 | 11:45 Uhr

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