So bekommst du schneller einen Arzttermin

10.12.2018 | 02:10 Uhr

Eine Sprechstundenhilfe spricht mit Patienten im Wartezimmer einer Arztpraxis.  1 min
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MDR JUMP Mo 10.12.2018 02:10Uhr 01:06 min

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Wer zum Arzt geht, braucht Zeit. Das gilt oft schon für den Besuch beim Hausarzt. Doch dort kannst du in der Regel noch ohne Voranmeldung hin. Viel schwieriger bekommst du einen Termin beim Spezialisten. Auf eine Magen- oder Darmspiegelung etwa oder eine Augenuntersuchung wartest du bis zu drei Monate. Wie du schneller an einen Termin beim Facharzt kommen, erfährst du bei uns. 

Wo liegt das Problem?

In Deutschland gibt es genügend Ärzte. Im weltweiten Vergleich liegen wir mit rund 4 Ärzten pro 1.000 Einwohner an der Spitze. Warum bekommst du als Patient trotzdem nur sehr schwer einen Termin beim Facharzt? Zwei Probleme: Die Ärzteverteilung ist oft sehr unterschiedlich. In wohlhabenden Gegenden oder großen Städten gibt es in der Regel genug Ärzte. Im ländlichen Raum und/oder kleinen Städten mangelt es dagegen. Und: Nirgendwo auf der Welt werden so viele Knie, Rücken, Schilddrüsen oder anderes operiert wie in Deutschland. Ob die Operationen auch immer nötig sind, ist fraglich. Sie binden jedenfalls wichtige Kapazitäten.

 Dein Problem als Kassenpatient

Spielzeug-Krankenhausbett steht auf Geldmünzen
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Niedergelassene Hausärzte und Fachärzte bekommen bei der Behandlung von Kassenpatienten von den Krankenkassen und kassenärztlichen Vereinigungen einen vorgeschriebenen Preis für ihre Leistung bezahlt. Hinzu kommen Obergrenzen für die Behandlungen pro Quartal. Vereinfacht gesagt: Der Kassenpatient bringt dem Arzt nur begrenzt Geld. Außerdem muss der Arzt bei der Behandlung auf Wirtschaftlichkeit achten und den vereinbarten Leistungskatalog einhalten. Bei Privatpatienten sind Ärzte viel freier in der Wahl der Behandlung, Mittel und Medikamente. Es lohnt sich einfach mehr. Deshalb bekommen Privatpatienten in der Regel auch viel eher einen Termin beim Facharzt.

So kommst du schneller zum Facharzttermin

Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen helfen dir per Servicetelefon, einen Termin beim Facharzt zu bekommen. Allerdings nur dann, wenn du selbst keinen Erfolg hast. Dreimal solltest du es vor einem Anruf bei der Terminservicestelle selbst versucht haben. Dazu reicht es, eine Facharztpraxis anzurufen, das Problem zu schildern und nach einem möglichen Termin zu fragen. Wirklich nachweisen musst du diese Versuche nicht.

Die Voraussetzungen für die Vermittlung

Im Normalfall brauchst du als gesetzlich Versicherte/r eine Überweisung von deinem Hausarzt. Damit die Terminservicestelle dich vermittelt, muss auf der Überweisung die Dringlichkeit vom Hausarzt vermerkt werden. Das geschieht von Arzt zu Arzt individuell, beispielsweise steht ein E für „Eilt“ auf der Überweisung. Ausnahmen: Brauchst du einen Termin bei Frauenarzt, Augenarzt oder Psychotherapeuten, musst du nicht vorher zum Hausarzt. Bei einer dringend benötigten psychotherapeutischen Behandlung suchst du am besten direkt einen Therapeuten zum Erstgespräch auf. Das weitere Vorgehen kannst du mit dem Therapeuten und im Anschluss auch mit der Terminservicestelle beraten.

So läuft die Vermittlung ab

Im Normalfall erhältst du innerhalb einer Woche nach Anruf bei der Servicestelle die Mitteilung über deinen Facharzttermin. Der muss innerhalb der nächsten vier Wochen nach Beantragung liegen. Auch ein Termin in einem Krankenhaus ist möglich, dann innerhalb von fünf Wochen. Musst du den Termin absagen, dann solltest du dazu die Facharztpraxis und die Terminservicestelle informieren. Das ist vor allem dann wichtig, wenn du gleich bei Erhalt des Termins merkst, dass du ihn nicht einhalten kannst. Denn: Sagst du einen Termin noch am selben Tag ab, bekommst du von der Servicestelle einen neuen. Bei einer Absage kurz vor dem eigentlichen Termin hast du keinen Anspruch auf einen neuen Termin. Aber auch hier helfen die Servicestellen in der Regel unbürokratisch weiter.

Weite Wege möglich

Bei der Facharztvermittlung durch die Terminservicestelle hast du keinen Anspruch auf einen Wunscharzt. Als zumutbar gilt ein Facharzt, der 30 Minuten Fahrzeit von dem bei dir nächstgelegenen Facharzt liegt. Das heißt praktisch: Ist der nächste Augenarzt 20 Minuten von dir entfernt, kann die Servicestelle dir einen Augenarzt in 50 Minuten Fahrzeit-Entfernung anbieten.       

Verbesserungen 2019: Das ist geplant

Gesundheitsminister Jens Spahn hat für kommendes Jahr eine Reihe Verbesserungen für die Betreuung durch Ärzte und Fachärzte angekündigt. Unter anderem sollen Ärzte pro Woche bis zu fünf Stunden mehr Sprechzeit für gesetzlich Versicherte anbieten müssen. Außerdem sollen Ärzte für die Behandlung besser bezahlt werden. Wie diese Vorhaben konkret umgesetzt werden (können), steht noch nicht fest.

Verbesserungen 2019: Das steht schon fest

Fest steht, dass die Terminservicestellen der kassenärztlichen Vereinigungen im nächsten Jahr rund um die Uhr erreichbar sein werden, nicht mehr nur wie bisher an wenigen Stunden der Wochentage. Bundesweit kannst du die Servicestellen dann unter der Nummer 116117 errreichen. Auch Online und per App sollen dann Termine zu vereinbaren sein. Außerdem sollen in die Vermittlungsleistung auch Kinder- und Jugendärzte sowie Hausärzte einbezogen werden. Kassenärztliche Vereinigungen, wie zum Beispiel die Stelle in Sachsen, planen zusätzlich die Schaffung von sogenannten Bereitschaftspraxen. Die sollen vor allem am Wochenende und außerhalb der normalen Arztöffnungszeiten für minderschwere Erkrankungen zuständig sein und so die Notfallambulanzen entlasten.

Als Kassenpatient in die Privatsprechstunde?

Das ist keine gute Idee. Auch wenn du dir am Telefon als vermeintlicher Privatpatient einen früheren Termin beim Arzt “organisieren“ kannst: In der Arztpraxis kommt die Wahrheit spätestens mit der Vorlage der Versichertenkarte ans Licht. Der Arzt könnte dich bei einer nicht akuten Erkrankung einfach wieder wegschicken. Oder er behandelt dich in der Annahme, dass du wirklich Privatpatient bist, und stellt dir dann auch eine Rechnung. Das kann teuer werden. Denn hast du vorher geschwindelt, musst du nachher bezahlen.

Im Notfall

Kommst du mit akuten Problemen zum Arzt, egal welche Fachrichtung, dann muss er dir helfen. Ihr Versichertenstatus spielt dabei keine Rolle. Lehnt ein Arzt im Notfall eine Behandlung ab, macht er sich strafbar. Er muss dich wenigstens aufnehmen, erstversorgen und für eine Behandlung durch den Notarzt sorgen. 

Fazit

Bekommst du auf eigene Faust und trotz Überweisung keinen Facharzttermin in vertretbarer Zeit, helfen die Terminservicestellen der kassenärztlichen Vereinigungen. Als Kassenpatient zu tricksen macht keinen Sinn. Frage stattdessen auch mal bei deinem Hausarzt nach, ein direkter Anruf von dort zur Facharztpraxis macht manchmal noch einen Platz im Kalender für dich frei. Sage Termine, die du nicht einhalten kannst so zeitig wie möglich ab.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 10. Dezember 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2018, 02:10 Uhr