Schnäppchen machen über Zoll-Auktionen: So funktioniert es

02.10.2019 | 14:10 Uhr

Schmuck, Computer, Fahrräder: Über die kostenlose Auktionsseite "Zoll-Auktion" versteigern mehrere tausend Behörden beschlagnahmte Waren. Wie es funktioniert und welche Details man vorab kennen sollte, liest du hier!

Holzhammer auf Tastatur 1 min
Bildrechte: imago/STPP

MDR JUMP Fr 04.10.2019 02:10Uhr 00:30 min

Audio herunterladen [MP3 | 1.006,9 KB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 2 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/podcasts/quicktipp/schnaeppchen-machen-ueber-zollauktionen-104.html

Rechte: MDR JUMP

Audio

Wer versteigert was?

Auf zoll-auktion.de versteigern schon seit etwa 17 Jahren Behörden ihre Waren. Dazu gehören neben dem Zoll auch der Bundestag und der Bundesrat, Länder, Gemeinden und Polizeibehörden. Nutzer können zum einen Computer oder Autos ersteigern, die Behörden etwa aus Altersgründen loswerden möchten. Angeboten werden zum anderen auch Waren, die Zollbehörden bei Kontrollen zum Beispiel am Flughafen einziehen. Das können teure Whiskyflaschen sein, die bei der Einreise nicht ordnungsgemäß angegeben wurden.

Im Online-Auktionshaus finden sich zudem Stücke aus Pfändungen, etwa wenn jemand die Schulden bei einer Behörde oder einer Gemeinde nicht bezahlt. Darunter sind dann auch kuriose Stücke wie Medaillen von Olympiaden, alte Buchpressen oder auch mal riesige Kabeltrommeln.

Stempel des Hauptzollamt Magdeburg
Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

"Wir dürfen aber nichts anbieten, was verboten oder Beschränkungen unterliegt. Dazu gehören Plagiate, geschmuggelte Arzneimittel oder Teile von Tieren unter Artenschutz", sagt Michael Bender vom Hauptzollamt Gießen. Dort wird zoll-auktion.de redaktionell betreut und alle Auktionen vor der Freigabe überprüft. 

Wie funktioniert das Ersteigern?

Ähnlich wie bei eBay und Co.: Wer mitbieten will, muss sich zunächst beim Zoll-Auktionshaus kostenlos registrieren und erhält für die Versteigerungen ein Pseudonym. Zugelassen sind grundsätzlich nur Bieter über 18 Jahre. Dann können auf die gewünschte Ware Gebote abgegeben werden. Wie bei den bekannten Internetauktionen auch sehen Bieter, wenn ihre Höchstsumme überboten wird. Dann können sie ihr Gebot erhöhen. In der Regel laufen die Auktionen zehn bis 14 Tage. Den Zuschlag erhält wie gewohnt der Höchstbieter. "Der bekommt dann per E-Mail eine Gewinnbenachrichtigung. Da steht auch drin, wie man das Ganze bezahlt", sagt Michael Bender. Große Gegenstände wie etwa Fahrzeuge müssen meist abgeholt werden – bei der versteigernden Behörde. Das Hauptzollamt Gießen hat kein eigenes großes Lager. Kleinere Ware wird häufig auch versendet. Die Kosten dafür werden in der Auktion selbst genannt.  

Kann man Schnäppchen machen?

Wir versteigern oft auch Neuware, etwa wenn in einem Geschäft gepfändet werden musste. Da wird dann zum Beispiel ein Schwung neuer Fahrräder versteigert! Mit etwas Glück können Nutzer auf Zoll-Auktion dann echte Schnäppchen machen.

Michael Bender vom Hauptzollamt Gießen
Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Koblenz bereitet einen über die Auktionsplattform der Zollverwaltung
Bildrechte: imago/Thomas Frey

Das Mindestgebot für Neuware liegt in der Regel beim halben Marktwert. Viel weiter runter können die Anbieter nicht gehen, weil aus dem Erlös immer auch die Schulden der ehemaligen Besitzer der Ware bedient werden müssen. "Bei Alkohol wiederum müssen wir uns an der Steuer orientieren. Das können dann sechs bis acht Euro sein für einen Whisky, der sonst im Handel 100 Euro kostet", sagt Michael Bender.

Kann man bei den Auktionen reinfallen?

Nutzer von zoll-auktion.de sollten sich bei ihrem Wunschartikel sehr genau die Beschreibung durchlesen. Dort sind akribisch alle Mängel aufgelistet, wie etwa Kratzer am alten Polizeiauto oder kaputte Teile bei Computertechnik. Außerdem gibt die jeweils zuständige Behörde an, ob etwa Technik vorab getestet wurde.

Wenn man von der Polizei beschlagnahmte Sachen hat wie Hehlerware, Diebesgut – dann können die etwa bei einer alten Stichsäge nicht auch noch prüfen, ob die funktioniert. Bei den Auktionen kann kein Widerrufsrecht genutzt werden. Es gelte vereinfacht gesagt das Prinzip 'gekauft wie beschrieben'.

Michael Bender, Hauptzollamt Gießen

Wer in der Beschreibung Angaben wie "nicht funktionsfähig" überliest, hat also Pech. Denn bezahlt werden muss, sagt Michael Bender: "Wenn sich jemand weigert, dann stellen wir die Ware möglicherweise erneut ein. Und wenn die dann für einen geringeren Preis weggeht, muss der erste Bieter für die Differenz aufkommen."

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 04. Oktober 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2019, 02:10 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP

Noch mehr Umschau-Quicktipps