Rost am Auto: So wird er nicht erst zum Problem

28.01.2019 | 02:10 Uhr

Roststellen an einem Auto. 1 min
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Umschau-Quicktipp Rost am Auto

Rost am Auto

MDR JUMP Mo 28.01.2019 02:10Uhr 01:03 min

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Die Karosserie und der Unterboden verzinkt, alle Hohlräume konserviert: Rost ist bei den meisten aktuellen Autos kein großes Problem mehr. Entsprechend lang fallen auch die Durchrostungsgarantien der Hersteller aus. Doch auch an modernen Fahrzeugen gibt es ein paar Schwachstellen. Die müssen regelmäßig gepflegt werden, sonst rosten sie. Wir geben Tipps, wie man ohne großen Aufwand Rost verhindert und im Ernstfall befallene Teile behandeln kann.

Wo droht Rost bei modernen Autos?

Wird Stahl mit einer Schicht Zink überzogen, ist er sicher vor Korrosion. Allerdings ist die Zinkschicht bei Fahrzeugen nur hauchdünn und kann zum Beispiel durch Steinschläge durchbrochen werden. Das freigelegte Stahlblech kann dann rosten. Auch konstruktive Mängel machen Autos rostanfällig:

Radhausschalen aus Kunststoff müssen irgendwo festgeschraubt werden. Wenn die vibrieren oder am Fahrzeug scheuern, löst sich der Lack und auch die Zinkschicht ab.

Marcel Mühlich, Berater Technik, Verkehr und Umwelt, Auto Club Europa e.V. (ACE)

Bei vielen aktuellen Fahrzeugen ist auch der Unterboden eine Schwachstelle. Der wird häufig nur grundiert und nicht mehr mit einer schützenden Lackschicht versehen. Das soll Kosten und Gewicht sparen.

Da nisten sich aber eben ganz viel Schmutz und auch Feuchtigkeit ein, und den Unterboden reinigt man auch eher selten.

Marcel Mühlich, Berater Technik, Verkehr und Umwelt, Auto Club Europa e.V. (ACE)

Zusätzlich sind Schweißnähte bei modernen Autos ein Problem.

Da kann nur blankes Metall mit blankem Metall verbunden werden und dann muss da eine Schutzschicht drauf: Lack oder Wachs. Und wenn die durchgescheuert wird oder beschädigt, kann das rosten.

Herbert Engelmohr, Automobilclub von Deutschland (AvD)

Wie findet man Roststellen am Auto?

Regelmäßige Kontrollen sind die beste Rostvorsorge.

Das kann man immer nach dem Waschen machen, dann sieht man die befallenen Stellen am besten. Und im Frühling sollte man nach der Streusalzsaison auch noch mal schauen.

Marcel Mühlich

Dann seien eine gründliche Unterbodenwäsche und ein Check von unten sinnvoll. Das könne man in der Werkstatt machen lassen oder auf einer Hebebühne in einer Mietwerkstatt. AvD-Experte Engelmohr ergänzt:

Bei der Gelegenheit kann man gleich die Hohlräume unterm Auto mit kontrollieren, ob die rosten.

Herbert Engelmohr

Wer Roststellen entdeckt, sollte zügig handeln. Der Schaden wird sonst noch größer.

Bei Rostblasen sollte man schnell herausfinden, ob da der Rost von einer versteckten Beschädigung ausgehend unter dem Lack lang kriecht und dann an einer Ecke rauskommt.

Marcel Mühlich

Mühlich rät, bei Rostblasen den losen Lack schnell zu entfernen, um die befallene Stelle trocknen zu lassen. Das sehe zwar unschön aus, bremse aber die Korrosion. Bei Flugrost dagegen müssen sich Autofahrer keine große Gedanken machen: Das sind lose Partikel, die beispielsweise vom Abrieb der Bremsen stammen. Die rostenden Teilchen haften dann an der Oberfläche von Blechen oder auch auf den Felgen und können einfach sanft wegpoliert werden.  

Wie beseitigt man Roststellen?

Selbst Autolaien können Rost am Auto entfernen und die befallenen Teile vor weiterer Korrosion schützen. Das sind die Tipps von Marcel Mühlich (ACE) für den Ernstfall:

Viele Sandpapierblätter liegen übereinander.
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Rost muss restlos runter: Sonst korrodieren Radläufe, Kotflügel oder Unterboden gleich weiter. Viele nutzen eine Drahtbürste oder einen entsprechenden Aufsatz für Bohrmaschine oder Winkelschleifer. Dabei wird allerdings der Rost mit dem Abrieb der Bürste zugeschmiert, der in den tieferen Poren sitzt. Besser funktioniert Schmirgelpapier, mit dem der Rost restlos entfernt werden muss.

Hausmittel funktionieren: In jeder Drogerie gibt es Zitronensäure, mit der sich Rost selbst aus Poren und tiefer gelegenen Stellen entfernen lässt. Die Säure muss mehrfach aufgetragen, dann heruntergewaschen und die behandelte Stelle sofort abgetrocknet werden. Zitronensäure ist ätzend, Gummihandschuhe und Schutzbrille sind daher wichtig.

Rostumwandler bringt nichts: In vielen Baumärkten gibt es Sprays, mit denen Rost in stabile Eisenverbindungen umgewandelt werden soll. Das klingt in der Theorie gut, klappt in der Praxis nicht immer. Der Rostumwandler dringt häufig nicht tief genug in die Rostschicht ein. Zudem ist die enthaltene Phosphorsäure anders als Zitronensäure, schädlich für die Umwelt.

Behandelte Stelle muss geschützt werden: Sehr kleine Steinschläge können schnell und unkompliziert mit dem Lackstift behandelt werden. Einen dauerhaften Schutz bieten aber erst Zweikomponentenlacke, die auch in Spraydosen erhältlich sind.

Wann muss der Profi ran?

Bei durchgerosteten Blechen sollten Autolaien selbst nichts mehr versuchen.

Meistens sind das die Stellen, wo sich Blasen gebildet haben. Da können sie mit einem Nagel reinstechen und wenn sie durchs Blech durchkommen, können sie nichts mehr selber machen.

Marcel Mühlich

Ähnlich wie für Dellen in der Karosserie gibt es auch für Rost Smart-Repair-Experten.

Allerdings unterschätzen immer noch viele Autofahrer, wie hoch der Aufwand bei einer Rostinstandsetzung ist.

Marcel Mühlich

Häufig muss der ganze betroffene Kotflügel oder die Motorhaube lackiert werden.

In einigen Fällen können aber Teile auch teillackiert werden. Bei Metalliclacken sieht man das aber meistens.

Marcel Mühlich

Auch der AvD rät zum Gang zum Smart-Repair-Experten.

Der kann mir auch sagen, ob nur die kleine Stelle behandelt werden muss oder ob die Werkstatt wirklich gleich großflächig das Teil lackieren muss.

Herbert Engelmohr

Im Ernstfall kann das viel Geld sparen.

Wie können Autofahrer ihr Fahrzeug vor Rost schützen?

ACE-Experte Mühlich rät, das Auto in regelmäßigen Abständen zu einer professionellen Kontrolle und Vorsorge zu bringen.

Am besten lässt man nach fünf Jahren eine Hohlraumkonservierung machen, das schützt vor teuren Schäden beim Durchrosten.

Marcel Mühlich

Er rät, den Unterboden regelmäßig mit Wachs behandeln zu lassen. Das geht bei einer Unterbodenbehandlung in der Waschanlage.

Da ist es vor allem nach dem Winter wichtig, den Unterboden waschen zu lassen und dann noch mal mit dem Dampfstrahler in die Radläufe zu gehen. Da kommt die Unterbodenwäsche nicht ran.

Marcel Mühlich

Autofahrer sollten zudem den Innenraum reinigen. Auch das sei schon eine effektive Rostvorsorge:

Sand aus dem Urlaub zum Beispiel kann zwischen die Fußmatten oder unter den Teppichboden gelangen und dann an der Karosserie schmiergeln. Und wenn ich viel Schmutz im Auto habe, dann hab ich auch ein Feuchtigkeitsproblem.

Marcel Mühlich

Sein ACE-Kollege und Rechtsexperte Hannes Krämer rät zudem, das eigene Auto regelmäßig von einer Werkstatt des Herstellers warten zu lassen. Sonst könnten sich die Autobauer bei den Durchrostungsgarantien querstellen.

Details dazu findet man in den Garantiebedingungen des Herstellers zu seinem Kaufvertrag. In der Regel muss das Fahrzeug immer turnusgemäß in einer Vertragswerkstatt gewartet worden sein.

Hannes Krämer

Nicht selten stritten Autofahrer und Hersteller darüber, ob wirklich eine Durchrostung und damit ein Garantiefall vorliegt.

Mittlerweile hat sich da aber herauskristallisiert: Eine Reparatur oder eine Behandlung der betroffenen Stelle muss erforderlich sein und die Durchrostung muss von innen nach außen eingetreten sein.

Marcel Mühlich

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. Januar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2019, 02:10 Uhr

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