Was nach einem Einbruch zu Hause zu tun ist

06.11.2019 | 02:10 Uhr

Ein maskierter Mann, hebelt mit eine Kuhfuß ein fenster auf. 1 min
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MDR JUMP Mi 06.11.2019 02:10Uhr 00:54 min

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Fast 100.000 Mal wurde im Jahr 2018 laut Bundeskriminalamt in Deutschland in eine Wohnung eingebrochen. Da sind Einbrüche in Schuppen und Gartenlauben noch nicht einmal mitgezählt. Und die nehmen ja gerade in der dunklen Jahreszeit nochmal ordentlich zu. Grund genug einmal darüber nachzudenken, wie du dich im Ernstfall verhalten solltest.

Polizei verständigen

Egal wie groß oder klein der Schaden für dich im ersten Moment aussieht, wichtig ist immer: Rufe die Polizei unter der 110! Sollte es dich quasi live erwischen und du weißt nicht genau, ob der Einbrecher noch im Haus oder schon wieder weg ist, gehst du möglichst unbemerkt nach draußen oder versteckst dich.

Die Polizei warnt davor, den Einbrecher selbst stellen oder aufhalten zu wollen. Vermeide auf jeden Fall eine Konfrontation. Bewaffnete oder unter Drogen stehende Täter könnten hemmungslos und unkontrolliert handeln und dich schwer verletzen.

Bloß nicht aufräumen

Eine große Fensterscheibe eines Uhrengeschäfts ist zersplittert. Unbekannte haben die scheibe zerstört. Ein Polizeiauti parkt vor dem Geschäft am
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Wichtig ist, nach dem Einbruch die Wohnung möglichst im vorgefundenen Zustand zu lassen. Beim Aufräumen könntest du wichtige Spuren verwischen, die die Polizei dann nicht mehr aufnehmen kann. Es ist auch möglich, dass die Polizei nicht zeitnah vor Ort sein kann oder die Anzeige vorerst nur telefonisch aufnimmt.

Dann ist es sinnvoll, Schäden und Einbruchsspuren selbständig mit Fotos zu dokumentieren. Das ist auch wichtig für die Schadensregulierung mit der Versicherung. Ab wann die Wohnung aufgeräumt werden kann, erfragst du am besten bei der Polizei. Von der bekommst du auch eine sogenannte Tagebuchnummer unter der der Einbruch geführt wird. Diese Nummer brauchst du später für die Schadensabwicklung mit der Versicherung

Schaden minimieren

Wurden dir EC- oder Kreditkarten, Telefonkarten, Sparbücher und Wertpapieren gestohlen, musst du unverzüglich bei Bank oder Telefongesellschaft eine Sperrung veranlassen. So können die Täter nicht noch mehr Schaden anrichten. Das Gleiche gilt für Kundenkarten oder Online-Banking-Konten, vor allem wenn Einbrecher noch an Passwörter oder PIN-Codes gekommen sind.

Unter der Telefonnummer 116 116 erreichst du aus Deutschland jederzeit gebührenfrei den Sperr-Notruf.

Mobilfunkkarten müssen durch Anruf beim jeweiligen Anbieter gesperrt werden. Für die Fahndung eines Mobiltelefons braucht die Polizei dessen 15-stellige IMEI-Nummer. Durch die Eingabe der Tastenkombination *#06# auf dem Ziffernfeld des Telefons kannst du die vor einem Verlust in Erfahrung bringen. Alternativ steht sie meist auch auf der Verpackung auf einem aufgeklebten Etikett zusammen mit Barcode und Seriennummer.

Deutscher Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion
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Sind Führerschein oder Personalausweis weg? Gestohlene Ausweispapiere müssen schnellstmöglich der zuständigen Stelle deiner Gemeinde gemeldet werden. Sollte die Online-Ausweisfunktion beim Personalausweis aktiv sein, kannst du die auch über den Sperr-Notruf 116 116 deaktivieren.

Versicherung informieren

Etwa drei Viertel aller Haushalte in Deutschland können im Falle eines Einbruchdiebstahls auf eine Hausratversicherung zurückgreifen. Melde dich schnellstmöglich bei dieser und lege die polizeiliche Anzeige vor. Erkundige dich, ob du selbst noch Bilder zur Schadensdokumentation liefern musst. In der Regel ist das so.

Fertige von den gestohlenen Sachen einen Überblick an, die sogenannte Stehlgutliste. Die bekommen Versicherer und Polizei. Die Versicherung möchte in der Regel die Bezeichnung, das Alter, den Anschaffungsort und den Anschaffungspreis erfahren. Nachweisen kannst du das in der Regel mit Kaufbelegen und Fotos.

mehrere Kassenbons liegen übereinander
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Es empfiehlt sich, bei besonders wertvollen Gegenständen, solche Fotos und Kaufbelege an einem sicheren Ort aufzubewahren. Als Nachweis können aber auch Bilder vorgelegt werden, auf denen der Hausrat erkennbar ist. Im Zweifel kannst du auch eidesstattliche Versicherungen von Personen, die gut mit dem Haushalt vertraut sind, anführen.

Die Hausratsversicherung kommt dann idealerweise für die versicherten Schäden auf. Dazu gehören das entwendete Eigentum und nötige Reparaturmaßnahmen. Auch Sachen, die im Keller oder der Garage gelagert wurden und Leihgaben von Familie oder Freunden sind versichert. Wenn Schlösser ausgewechselt werden oder dringend benötigte Gegenstände nachgekauft werden müssen, solltest du die Belege für die Versicherung aufbewahren.

Problem: Fehlende Einbruchsspuren

Da die Hausratversicherung nur bei Einbruchdiebstahl greift, können fehlende Einbruchsspuren ein Problem sein. Ist der Täter zum Beispiel mit einem Nachschlüssel in deine Wohnung gekommen, wird es schwierig, den Einbruch überhaupt zu beweisen. Wird dir im Freibad oder Sporthalle der Umkleidespind aufgebrochen, springt die Versicherung ein. Klaut man dir das Portemonnaie unter der Badedecke am Strand weg, bekommst du hingegen nichts ersetzt.

Ein maskierter Mann, hebelt mit eine Kuhfuß ein fenster auf.
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Die Versicherung kann die Erstattungssumme kürzen, wenn sie dir grobe Fahrlässigkeit nachweisen kann. Dazu können schon angekippte Fenster im Erdgeschoss zählen, wenn du nicht zu Hause bist. Ist dein Haus für eine Sanierung eingerüstet, gilt das auch für die oberen Stockwerke. Eine solche erhöhte Gefährdung sollten du dem Versicherer melden.

Außerdem solltest du mit der Versicherung absprechen, wie nicht mehr funktionstüchtige Wohnungssicherungen wie etwa Tür oder Fensterverriegelungen nach dem Einbruch übergangshalber gesichert werden müssen. Ohne Sicherung wäre der verbliebende Hausrat nicht mehr gegen Einbruchdiebstahl versichert, falls es dich tatsächlich zweimal erwischen sollte. Übrigens ist das gar nicht so abwegig: Merken Einbrecher, dass sie leichtes Spiel haben, kommen sie auch mal wieder.  

Hilfe bei seelischen Belastungen

Vielen Einbruchsopfern kann es passieren, dass sie sich in den eigenen vier Wänden unsicher fühlen und nicht mehr ruhig schlafen können. Solche Schwierigkeiten können mitunter auch erst eine ganze Weile nach dem eigentlichen Vorfall in Erscheinung treten. Es ist dann wichtig, diese Probleme zu thematisieren. Sprich über deine Ängste mit Freunden und Familienmitgliedern.

Eine Frau sitzt an einem Tisch und füllt einen Fragebogen aus.
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Wird es nicht besser, nimmst du eine professionelle Beratung in Anspruch, wie von der Opferberatung Der Weiße Ring. Er bietet Begleitung zu Terminen bei Polizei, Staatsanwalt und Gericht an und hilft bei Notlagen im Zusammenhang mit der Straftat. Auch ein Psychologe kann weiter helfen. Eine Therapie wird für 12 Sitzungen von den meisten Krankenkassen bezahlt.

Vorbeugen

Eine bewohnte Wohnung, oder eine, die zumindest so scheint, schützt gegen einen möglichen Einbruch. Und natürlich ein gutes Schloss. Denn: Einbrecher wollen möglichst unentdeckt und schnell in das Objekt der Begierde. Wenn sie länger als fünf Minuten brauchen, lassen Einbrecher oft die Finger von der Wohnung und suchen sich eine andere.

Fensterriegel
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Fensterriegel und Außenlampen mit Bewegungsmeldern können ebenfalls abschreckend wirken. Der Polizei zufolge scheitert knapp die Hälfte aller Einbrüche an entsprechender Sicherheitstechnik. Spezielle Sicherheitsfirmen, deine Versicherung aber auch die Polizei beraten zu technischen Vorkehrungen und dem richtigen Verhalten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. November 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2019, 02:10 Uhr