Reisemängel richtig reklamieren

Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres. Die Vorfreude ist groß und viele haben lange auf die entspannten Tage an einem herrlichen Ort gespart. Umso unerfreulicher ist es, wenn der Traumurlaub plötzlich zum Albtraum wird: Erwartungen, die nicht erfüllt werden oder eine Unterkunft, die erheblich Mängel aufweist? Wir erklären, wie man sich in dem Fall richtig verhält.

Was sind Reisemängel?

Eine Baustelle hinter einem Urlaubshotel am Strand
Bildrechte: imago/Udo Kröner

Reisemängel sind eine verschmutzte Unterkunft, eine dröhnende Baustelle direkt neben dem Hotel, oder wenn versprochene Bereiche / Aktivitäten nicht nutzbar sind, wie der Pool oder der Wellnessbereich. Bei Mängeln wie diesen, kann man eine Reiseminderung geltend machen. Dabei sind Reisemängel deutlich zu unterscheiden von Unannehmlichkeiten, wie unfreundliches Personal oder Insekten in tropischen Ländern.

Wer ist der richtige Ansprechpartner bei einem Reisemangel?

Wer eine Pauschalreise gebucht hat, sollte sich umgehend an den Reiseveranstalter oder das Reisebüro wenden, den Mangel melden und verlangen, dass dieser behoben wird. Kann der Fehler nicht ausgebügelt werden, muss der Reiseveranstalter eine gleichwertige Ersatzleistung anbieten oder den Reisepreis herabsetzen.

Wichtig: Nach der Rückkehr aus dem Urlaub muss man dann zusätzlich innerhalb eines Monats die Ansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter geltend machen.

Für Individualreisende die ein Ferienhaus oder Hotel und Flug extra gebucht haben gilt: Sie müssen sich direkt mit dem Vertragspartner in Verbindung setzen und dementsprechende Anforderungen geltend machen.

Wie reklamiere ich richtig?

Machen sich auf einer Pauschalreise Mängel bemerkbar, reicht eine einfache Beschwerde gewöhnlich nicht aus. Gerichte weisen Ansprüche oft zurück, weil Formfehler gemacht, Fristen nicht eingehalten oder Forderungen zu unangemessen waren. Deshalb folgende Tipps:

Ein schmollendes Kind
Bildrechte: imago/Westend61

  1. Den Mangel sofort vor Ort dem Reiseveranstalter oder Vertragspartner melden und eine Abhilfe / Ersatz verlangen. Wer das nicht macht, hat im Nachhinein wenig Chancen auf einen Schadensersatz, da der Veranstalter keine Möglichkeit hatte den Schaden zu beheben.
  2. Den Mangel protokollieren. Tipp: Entsprechende Mängelprotokolle oder Musterschreiben findet man im Internet, z.B. beim ADAC. Dabei gilt: Der Fehler sollte so detailliert wie möglich beschrieben werden. Anschließend sollte das Protokoll von dem Verantwortlichen unterschrieben werden.
  3. Beweise sichern! Am besten Fotos oder ein Video machen und eventuell Zeugen hinzuziehen und sich deren Namen und Adressen geben lassen. Zeugen können auch Familienmitglieder sein.
  4. Minderung verlangen! Wieder Zuhause angekommen, richtet man den Anspruch auf Reisepreisminderung an den Veranstalter. Auch hierfür finden sich entsprechende Musterschreiben im Netz.

Wichtig: Die Ansprüche auf Minderung des Reisepreises verjähren zwei Jahre nach Rückkehr.

Kann ich die Reise bei einem Mangel auch kündigen?

Man kann die Reise kündigen, wenn ein erheblicher Mangel vorliegt, der nicht behoben werden kann. Das gleiche gilt, wenn unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen, z.B. Naturkatastrophen oder terroristische Anschläge. Verzögert sich durch Ereignisse wie diese die Rückreise, muss der Reiseveranstalter für bis zu drei Tage für eine gleichwertige Unterkunft sorgen – kostenfrei. Er muss auch die Mehrkosten tragen, die für die Rückreise entstehen.

Wie hoch ist die Reisepreisminderung?

Wie viel man bei Reisemängeln zurückerstattet bekommt, hängt immer vom Einzelfall ab. Eine Reisepreisminderungstabelle findet man z.B. auch auf der Seite des ADAC. Auch die sogenannte Frankfurter Tabelle oder Kemptener Tabelle dienen als Orientierungshilfe. So sind bei Baulärm bis zu 60% Minderung des Reisepreises drin oder bei einem fehlenden oder verschmutzten Pool bis zu 25%.

Was mache ich, wenn der Veranstalter nicht zahlt?

Sind die Ansprüche berechtigt und der Reiseveranstalter reagiert nicht, sollte nach einer angemessenen Zahlungsfrist gemahnt werden. Hilft das nicht, kann ein gerichtliches Mahnverfahren eingeleitet werden. Dafür braucht es nicht zwangsläufig einen Rechtsanwalt. Rechtlicher Beistand ist aber meist hilfreich. Da ein Rechtsstreit oft teuer ist, lohnt sich dies fast immer nur mit einer entsprechenden Rechtsschutzversicherung. Hierbei sollte man sich rechtzeitig informieren, ob der jeweilige Fall abgedeckt ist. Dabei könnte beispielsweise entscheidend sein, ob der Vertrag online oder im Reisebüro geschlossen wurde.

Erkennt der Reiseveranstalter die Mängel an und schickt einen Reisegutschein, muss dieser nicht angenommen werden. Urlauber haben einen Anspruch auf Auszahlung der Reisepreisminderung. Ein Verrechnungsscheck sollte nur eingelöst werden, wenn ein Einverständnis über die Höhe der Reisepreisminderung vorliegt und keine weiteren Rechtsansprüche geltend gemacht werden sollen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 27. August 2021 | 11:45 Uhr

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