Was taugen alte Hausmittel wirklich?

18.04.2020 | 00:00 Uhr

Manch aktuelle Reinigungsmittel für den Haushalt stehen im Verdacht, Allergien auszulösen, die Haut zu reizen und schädlich für die Umwelt zu sein. Die Hausmittel aus Großmutters Zeiten können dafür eine Alternative sein. Aber wo helfen sie wirklich, und wann sollte man eher die Finger davon lassen?

Oma putzt mit Enkelin 1 min
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MDR JUMP Do 16.04.2020 02:10Uhr 01:07 min

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Die Formel fürs perfekte Putzen

Es gibt diese Formel tatsächlich. Der sogenannte Sinnersche Kreis beschreibt ein Zusammenspiel  aus Zeit, Temperatur, Mechanik (also Kraft) und dem richtigen Putzmittel. Passt das zusammen, wird eine Sache auch sauber. Fehlt es dabei an dem einen, also ist zum Beispiel eine Seifenlauge zu kalt, dann muss woanders nachgeschoben werden. Die Wäsche muss dann eben länger über Nacht in der zu kalten Lauge einweichen. Es braucht mehr Zeit.

Das Problem moderner Putzmittel

Heutzutage muss aber alles schnell gehen. Die Dusche verkalkt, weil wochenlang niemand den Abzieher benutzt. Dann aber soll es das Bad-Putzmittel in fünf Minuten schaffen. Das klappt auch aber dafür sind mitunter aggressive Lösungsmittel, Tenside und nicht zuletzt Duftstoffe enthalten, die sogenannte Kontaktallergien auslösen können. Hinzu kommt, dass viele Stoffe mit den UV-Strahlen der Sonne oder dem Sauerstoff in der Raumluft reagieren und deutlich stärker wirken können. Es geht also schnell, die Mittel sind in der Regel auch sehr preiswert aber mitunter gesundheitlich bedenklich.

Das Problem bei alten Mitteln

Essig, Backpulver oder auch Zitronensäure sollen und können an verschiedenen Stellen helfen, Schmutz loszuwerden. Aber, sie können nicht eins zu eins so angewendet werden wie früher. Klar wird das nach Putzexpertin Mandy Turreck am Beispiel von Essig:

Essigsäure ist ziemlich aggressiv. Setzten Sie die zu hoch konzentriert und an der falschen Stelle ein, können Sie gerade bei modernen Armaturen oder in einer Kunststoff- Kaffeemaschine und Wasserkocher echt Schaden anrichten.

Einer alten Emaillespüle oder einem alten Kupfertopf kann Essig hingegen nur wenig anhaben. Auch die Putzmittel selbst haben sich verändert. Beispiel Zeitungspapier fürs Fensterputzen. Funktioniert laut unserer Expertin auch nicht mehr wie früher:

Nach meiner Erfahrung ist die heutige Druckerschwärze tatsächlich anders als noch vor 30 Jahren. Beim Fensterputzen bekommen Sie da einen richtigen Schmierfilm aufs Glas, der nur schwer wieder weggeht.

Deshalb empfiehlt sie die Zeitung also nicht. Außerdem gehören alte Hausmittel tatsächlich nur in den privaten Haushalt:

Für den normalen Hausgebrauch können Sie Omas alte Putzmittel hier und da verwenden. Im Profibereich, also gerade in Kindergärten oder Altersheimen hat so etwas nichts zu suchen.

Wo alte Hausmittel helfen und wo nicht

Zitronensäure - Sie ist nahezu ein Alleskönner wenn es gegen Kalk und Flecken geht. In Waschmaschine Wasserkocher und Kaffeemaschine löst die Säure den Kalk auch bei niedrigen Temperaturen zuverlässig. Es gibt sie als Konzentrat in Supermarkt und Drogerie. Vorsicht: Die Säure ist in keinster Weise zum Verzehr geeignet. Sie ist auch nicht zu vergleichen mit der Säure aus einer richtigen Zitrone. Einzelne Zitronenschalen in Spülmaschine oder Putzwasser zu geben, kann man sich schenken. Natürliche Zitrone hat einfach nicht genug Säure.

Natron - half und hilft auch in vielen Bereichen. Früher wurde Natron tatsächlich gegen schmutzige Töpfe und andere Flecken und Belege genutzt. Auch mit Essig zusammen gegen den verstopften Abfluss kann es helfen. Allerdings kann Natron auch am und im Körper gegen Sodbrennen, Pickel und Schweißfüße eingesetzt werden. Aber: Dabei muss man sich Natron aus Apotheke oder Drogerie holen, das ausdrücklich als Lebensmittel deklariert ist. Denn früher wurde Natron oft auch als Soda bezeichnet. Und heutige Wasch-Soda-Produkte sind hoch basisch und werden zur Fleckenbehandlung eingesetzt. Hier besteht Verwechslungsgefahr, die ernsthaften Schaden anrichten kann. Da sollte man sich vor der ersten Anwendung richtig beraten lassen.

Kaffeepulver - war schon immer ein Geheimtipp gegen üble Gerüche in Speisekammer oder Kühlschrank. Laut unserer Expertin funktioniert es:

Kaffeepulver hat ja eine ähnlich große Oberfläche hat wie Aktivkohle, die man ja auch zum Filtern von schmutzigen Flüssigkeiten verwendet. Dort heften sich also reichlich Geruchsmoleküle an und es müffelt nicht mehr.

Essig - hilft bei Kalkablagerungen und gegen Bakterien. Aber Essig ist ein Lebensmittel und eben kein dauerhaftes Putzmittel. Zumal gerade bei Essigsorten mit Kräutern oder ähnlichem diese organischen Anteile haften bleiben und später als Nahrung für Pilze und Bakterien dienen können. Also wenn dann Essig zum Putzen verwendet werden soll, dann wirklich nur als Spritessig oder Essenz.

Und dann waren da noch

Schwarzer Tee zum Fensterputzen, Salz für einen sauberen Duschvorhang, Kartoffelschalen für glänzende Edelstahlspülen und viele andere Reinigungstipps. Vieles davon klappt bei richtiger Dosierung und entsprechender Erfahrung, selbst der Gebissreiniger der laut unserer Expertin Blumenvasen und Thermoskannen von innen wieder richtig sauber bekommt. Nur Backpulver ist heute nicht mehr zeitgemäß, denn es säubert zwar  zum Beispiel Abflüsse und verschimmelte Fugen dank des enthaltenen Natrons. Aber nur kurzzeitig, weil Mehl und andere organische Substanzen enthalten sind. Und die könnten bald wieder für Schimmel und modrigen Geruch sorgen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 16. April 2020 | 10:45 Uhr

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