Reifenwechsel vorm Winter: Diese Fehler sollten Autofahrer vermeiden

„Von O bis O – Von Oktober bis Ostern“: Wer in den kommenden kalten Monaten sicher mit dem Auto unterwegs sein will, sollte den Reifenwechsel früh genug vorbereiten. Viele Werkstätten sind in den „Wechselwochen“ gut gebucht. Wer neue Winterreifen braucht, muss aktuell Lieferfristen und höhere Preise einplanen. Seit Ende Mai gibt es zudem ein neues Label für Reifen.

Reifenalter und -profil checken

Weniger Urlaubsfahrten, weniger Fahrten als Elterntaxi und viele im Homeoffice: Zahlreiche Familien- und Dienstautos wurden in den letzten anderthalb Jahren deutlich weniger bewegt als üblich. Autolaien könnten sich fragen, ob das auch Auswirkungen auf Sommer- und Winterreifen hatte. Reifenprobleme durch längere Standzeiten gebe es bei PKWs in der Regel aber nicht, antworten der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) auf die Anfrage von MDR JUMP. Wer weniger fahre, habe eben weniger Reifenverschleiß. Der Geschäftsführer Technik beim BRV Michael Schwämmlein rät trotzdem:

Prinzipiell sollten Reifen auf Fahrzeugen die länger stehen beziehungsweise selten bewegt werden, regelmäßig kontrolliert werden. Zusätzlich sollte das Alter der Reifen im Auge behalten werden.

Das Herstellungsdatum der Reifen steht als DOT-Nummer auf der Reifenflanke.

Reifen mit einem Alter über sechs Jahren sollten regelmäßig auf Alterungsschäden wie Alterungsrisse in der Seitenwand oder in der Lauffläche fachmännisch überprüft werden. Sind Reifen zehn Jahre oder älter, sollten sie erfahrungsgemäß gewechselt werden.

Gerrit Reichel vom Automobil-Club Verkehr (ACV) ergänzt:

Gerrit Reichel, Automobil-Clubs Verkehr (ACV)
Bildrechte: ACV

Professionell gelagert, gelten Reifen auch nach 2 Jahren noch als neuwertig, wenn sie nicht montiert waren. Ab der ersten Montage am Fahrzeug rechnet man üblicherweise mit einem Reifenleben von vier bis sechs Jahren.

Auch der Automobilclub empfiehlt, Reifen nach spätestens zehn Jahren zu erneuern. Reifen würden mit zunehmendem Alter aushärten. Das sei gerade bei Winterreifen mit den für kalte Straßen nötigen weichen Mischungen ein Problem. Für den Winter empfiehlt der ACV ein Mindestprofil von vier Millimetern auf den Reifen. Nur so biete der Reifen bei Regen oder im Tiefschnee größtmögliche Sicherheit. Beim Einlagern der Sommerreifen kann man auch gleich das Profil kontrollieren: Da sollten noch mindestens zwei Millimeter auf dem Reifen sein.

Zeitig Termin für Reifenwechsel machen und Reifen früh bestellen

Autofahrer kennen es aus den letzten anderthalb Jahren schon: Corona-Lockdowns machten es manchmal schwieriger, Werkstatttermine für Reparaturen oder Reifenwechsel zu vereinbaren. Die Zeit war auch für viele Mitarbeiter in der Werkstatt des Vertrauens eine Herausforderung, weil sie etwa für andere bei Quarantänefällen einspringen oder ihre Kinder bei geschlossenen Kitas oder Schulen betreuen mussten. Ulrich Köster vom ZDK sagt, in der ersten Hälfte des Jahres seien die Werkstätten zwar nur ähnlich schwach ausgelastet gewesen wie im letzten Jahr. Das können sich insbesondere im Herbst aber ändern, sagt Ulrich Köster:

Daher ist eine vorausschauende Terminplanung insbesondere beim Räder- beziehungsweise Reifenwechsel auf jeden Fall zu empfehlen.

Von massiven Lieferproblemen wie aktuell in anderen Branchen – Elektronikindustrie, Auto- und Fahrradhersteller – sei bei Winterreifen derzeit nichts bekannt, heißt es beim BRV. Vereinzelt könnte es je nach Reifengröße und Hersteller Verzögerungen beim Liefern geben. Autofahrer müssten sich auf höhere Preise für Neureifen einstellen, sagt Michael Schwämmlein:

Die Reifenhersteller sind natürlich auch von Preiserhöhungen bei den Rohmaterialien und im Energiebereich stark betroffen. Ebenso ist die Versorgungs-und Transportsituation in einigen Bereichen schwierig.

Die Preise für Synthesekautschuk sind um fast 70 Prozent, der Strompreis um mehr als 150 Prozent und die Containerkosten für Lieferungen um über 200 Prozent gestiegen, meldet der Verband. Wer zeitig genug seine Reifen prüft und neue Reifen mit viel Vorlauf ordert, kann erfahrungsgemäß meist noch aus einem größeren Angebot wählen und Preise vergleichen. Für neue Reifen gilt seit Ende Mai 2021 ein neues Label. Ulrich Köster vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe sagt:

Nach dem neuen Reifenlabel sind die Hersteller verpflichtet, über die Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und das externe Rollgeräusch von Reifen zu informieren. Übersichtlicher ist die Einteilung der Reifenklassen bei Rollwiderstand und Nasshaftung mit nun fünf statt bisher sieben Kategorien.

Ein Berg mit einer Schneeflocke und ein Berg mit Eis kennzeichnen Winterreifen. Das neue Label müssen Reifen tragen, die nach dem 1. Mai 2021 in Verkehr gebracht wurden. Damit können bei vielen Händlern auch noch Pneus ohne die neue Kennzeichnung verkauft werden.

Wenn Autofahrer selbst Reifen wechseln…

...können sie auf ein paar Punkte achten, um möglichst sicher unterwegs zu sein. Diese Tipps hat unser Experte Gerrit Reichel vom ACV:

  • Vorsicht beim Anheben des Autos. Wer den Wagenheber falsch ansetzt, kann Unterboden und Seitenschweller beschädigen. Da hilft der kurze Blick ins Handbuch. Der ACV empfiehlt Rangierwagenheber. Die haben meist einen sehr sicheren Stand und lassen sich dank kleiner Rollen perfekt positionieren. Allerdings sind diese Wagenheber oft schwerer.
  • Die Reifen mit dem besseren Profil kommen auf die Hinterachse. Die ist in Kurven für die sichere Spurführung verantwortlich. Bei Mischbereifung und anderen Reifen vorn als hinten müssen die natürlich auf der vorgeschriebenen Achse bleiben.
  • Abgenommene Reifen für den nächsten Wechsel markieren. Mit Schulkreide auf den Reifenflanken INNEN mit VL für „Vorne links“ und so weiter. Dafür gibt es auch Clips aus dem Zubehörhandel.
  • Bei Autos mit Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) die Werkstatt fragen. Je nach Art des RDKS kann es schwierig sein, das System nach dem Radwechsel wieder neu einzustellen. Systeme mit Funk müssen neu angelernt werden. Für Laien wird das schnell zu einer Geduldsprobe mit vielen Klicks im Steuerungsmenü des Autos.
  • Radbolzen nur mit Drehmoment-Schlüssel festziehen. Werden die mit zu wenig Kraft angezogen, kann sich das Rad lösen. Bei zu viel Kraft beim Anziehen können die Radbolzen abreißen.

ACV-Sprecher Gerrit Reichel weist darauf hin, dass Altreifen Sondermüll sind und fachgerecht entsorgt werden müssen. Also nicht in der Umwelt oder im Hausmüll. Selbst wenn sich die Fachwerkstatt um die Entsorgung kümmert, ist das aus ACV-Sicht nicht immer die umweltfreundliche Variante:

In Deutschland fallen pro Jahr 580.000 Tonnen Altreifen an. Ein Großteil wird in der Zementindustrie thermisch verwertet. Das heißt nichts anderes als dass die Reifen verbrannt werden. Dabei entstehen unfassbare Mengen CO2.

Dabei gebe es längst modernere und umweltfreundliche Entsorgungswege für Altreifen. Dabei werden beispielsweise wertvolle Bestandteile der Reifen für Bodenbeläge oder Dämmmaterial genutzt. Da lohne die Nachfrage bei der Autowerkstatt oder beim Reifenhändler.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 30. September 2021 | 11:45 Uhr

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