Reifen selbst wechseln

09.04.2020 | 02:10 Uhr

Winterreifen werden gewechselt 1 min
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MDR JUMP Do 09.04.2020 02:10Uhr 01:06 min

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Warum Reifen gewechselt werden müssen

Winterreifen haben ein gröberes Profil und eine weichere Reifenmischung. Das sorgt bei Schnee und Kälte für Griffigkeit und Geschmeidigkeit. Sommerreifen können oft besser Wasser verdrängen und vertragen höhere Temperaturen, ohne zu weich zu werden. Deshalb sind die Räder optimal an die jeweiligen Verhältnisse angepasst und bieten mehr Sicherheit und Komfort. Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss, aber auch die müssten wenigstens einmal im Jahr oder alle 8.000 - 10.000 Kilometer zum Auswuchten runter. 

Welche Reifen du selber wechseln kannst

Mit entsprechendem Werkzeug und der nötige Kraft kannst du im Prinzip jedes Rad wechseln. Und für Notfälle wie die Reifenpanne solltest du das auch mal am aktuellen Fahrzeug geübt haben. Aber: Gerade bei großen SUV's oder Jeeps stoßen viele bei vier Rädern an ihre Grenzen. Einen weiteren Grund für den Wechsel beim Profi nennt KFZ-Experte Erik Apitz:

Seit 2014 sind für Neuwagen Reifendruckkontrollsysteme vorgeschrieben. Die müssen bei jedem Radwechsel eingestellt werden. Bei der indirekten Variante kann der Fahrer noch im Bordbuch lesen, was er dafür tun muss. Bei direkten Systemen, mit Sensoren im Rad müssen Sie in die Werkstatt.

Welches Werkzeug du brauchst

Für den Notfall hast du alles an Bord: einen mechanischen Wagenheber und einen für deine Radmuttern passenden Schlüssel. Wer vier Räder regelmäßig wechseln will, sollte sich aber einen stabilen, hydraulischen Wagenheber zulegen, außerdem einen Sicherungsbock zum Unterstellen und mindestens ein Radkreuz. Besser ist es aber, sich für Preise ab etwa 40 Euro einen ordentlichen Drehmomentschlüssel zu kaufen. Dazu unser Kfz-Experte:

Ohne diesen Schlüssel ziehen viele die Radmuttern viel zu fest an. Da könnte der Radmutterbolzen brechen. Sitzen die Schrauben zu locker, kann das Rad unrund laufen oder gar abfallen. Beides ist extrem gefährlich.

Schließlich brauchst du noch Kreide oder einen Fettstift zum Markieren der Räder.

Wie du richtig wechselst

Du brauchst eine gerade Standfläche. Zuerst wird nun die Handbremse angezogen, Automatikfahrzeuge müssen in "Parkstellung". Jetzt kommen die Radkappen ab und die Radmuttern werden angelöst. Der Wagenheber wird an der dafür vorgesehenen Stelle am Schweller (steht im Bordbuch) angesetzt. Nun wird das Fahrzeug soweit angehoben, dass zwei Finger breit Luft unter dem Reifen ist. Der Sicherungsbock kommt unters Auto. Das Rad wird ganz abgeschraubt. Sollte die Radnabe Roststellen haben, musst du diese mit einer Nabenbürste säubern und die Nabe mit Kupferspray fetten. Dann wird das Wechselrad aufgesteckt und mit der Hand angezogen. Das Auto wird abgelassen, bis es wieder fest auf dem Boden steht und jetzt werden die Radmuttern mit dem erwähnten Drehmomentschlüssel mit der vorgeschriebenen Kraft (steht auch im Bordbuch) angezogen. Immer mehrfach über Kreuz und nicht im Kreis nacheinander, sonst könnte das Rad verkanten Achtung: Noträder erfordern oft besondere Drehmomente! Jetzt wird der Reifendruck an der Tankstelle überprüft und korrigiert. Nach rund 50 Kilometern werden nochmal alle Radmuttern nachgezogen.

Wohin welcher Reifen kommt

Bei jedem Radwechsel solltest du die Stellung der abmontierten Räder mit Kreide auf dem Reifen notieren. Also VL für Vorne Links und so weiter. Beim nächsten Mal kommen die Räder an genau die gleiche Stelle oder Sie wechseln  aller 8.000 bis 10.000 Kilometer die Achsen, also hinten Links nach vorne Links usw. Wichtig: Es wird nicht über Kreuz gewechselt denn nicht jedes Rad kann auf jede Seite. Dazu Erik Apitz:

Viele wissen gar nicht, dass sie laufrichtungs-gebundenen Reifen haben. Das erkennen Sie an einer Markierung oder sogenannten Rotationspfeilen auf den Reifen.

Werden solche Reifen falsch herum montiert, rollen also gegen ihre Laufrichtung, geht die Wirkung gegen Nässen und Schnee verloren. Auch alle anderen Fahreigenschaften verschlechtern sich teils dramatisch. Grundsätzlich kommen die Reifen mit dem meisten Profil auf die Hinterachse, für eine stabile Spurgebung.

Was du selbst prüfen kannst und was der Profi machen muss

ein Autoreifen
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Sind deine Reifen innen und außen unterschiedlich abgefahren, stimmen Spur oder/und Sturz nicht. Unbedingt ein Fall für die Werkstatt. Bereits benutzte Reifen sollten auf Schäden überprüft werden. Die gesetzliche vorgeschrieben  Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm. Experten empfehlen aber für Winterreifen vier Millimeter, für Sommerreifen drei Millimeter. Bremsbeläge und Scheiben sollten nur die Profis kontrollieren und wechseln. Laien fehlen dafür Erfahrung und Werkzeug. Auch das Auswuchten kann nur die Werkstatt übernehmen. Das solltest du wenigstens bei jedem zweiten Aufzug machen lassen, so laufen deine Räder bei jeder Geschwindigkeit rund.

Wenn du aktuell keinen Werkstatttermin bekommen

Winterreifenwechsel in der Werkstatt
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Solltest du aufgrund der Corona-Krise keinen Termin in einer Werkstatt bekommen, hast du rein rechtlich kein Problem. Winterreifen im Sommer zu fahren, das ist nicht verboten. Es stellt aber ein gewisses Sicherheitsrisiko dar.

Je wärmer es wird, desto schlechter kann die weiche Gummimischung der Winterreifen für Haftung und kurze Bremswege sorgen.

Erik Apitz

Bei Temperaturen um die 10 Grad Celsius ist es eher noch kein Problem. Ab da aufwärts sollte man unbedingt die Höchstgeschwindigkeiten für Winterreifen einhalten, am besten deutlich drunter bleiben und man muss mit einem längeren Bremsweg und schlechterem Kurvenfahrverhalten rechnen. Achtung, je mehr Profil der Winterreifen noch hat, desto schlechter die Fahreigenschaften bei Wärme.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 09. April 2020 | 11:45 Uhr

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