Regeln fürs Parkhaus: Was wirklich erlaubt ist

10.10.2019 | 02:10

Parkhäuser sind ganz spezielle Verkehrsräume, hier gelten nämlich oft gleich zwei Rechts- und Ordnungsformen. Was ist im Vergleich zum Parken auf der Straße anders, was musst du speziell beachten?

Gang mit Autos in Parkhaus 1 min
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MDR JUMP Do 10.10.2019 02:10Uhr 01:10 min

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Diese Vorschriften gelten grundsätzlich

Die Straßenverkehrsordnung gilt im gesamten öffentlich zugänglichen Verkehrsraum - also auch für Parkhäuser. Manche Betreiber weisen am Eingang extra mit einem Schild darauf hin. Pflicht ist das aber nicht. Im Parkhaus musst du sich also an die gültigen Verkehrsregeln halten. Da Parkhäuser oft eng und unübersichtlich sind, solltest du hier besondere Vorsicht und Rücksichtnahme walten lassen. Versuche andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden, zu drängeln oder gar zu belästigen. Zusätzlich gelten die allgemeinen Nutzungsbedingungen und das Hausrecht des Parkhausbetreibers. Diese Informationen findest du in der Regel am Eingang des Parkhauses oder an gut einzusehenden Stellen. Darin enthalten sind auch Parkgebühren, erlaubte Aufenthaltsdauer und, wenn vorhanden, die Schließzeiten des Parkhauses. Noch vor der Einfahrt musst du über die erlaubten Fahrzeugmaße informiert werden. Die solltest du unbedingt beachten. Sonst könntest du für Schäden an anderen Fahrzeugen oder dem Parkhaus verantwortlich gemacht werden. 

Markierungen überfahren oder zuparken ist nicht erlaubt

Im Straßenverkehr kannst du abgeschleppt werden, wenn du so weit über Parkmarkierungen hinaus stehen, dass du andere Verkehrsteilnehmer gefährden.

Im Parkhaus kannst du auch für Parken quer über den Markierungen belangt werden. Gleiches gilt, wenn du mit einem großen Auto gleich zwei Parkplätze in Anspruch nehmen. Da ja auch gleichzeitig das Hausrecht des Parkhausbetreibers gilt, ist es immer die Frage, wie streng der seine Regeln durchsetzt.

Christina Finke, Redakteurin der Autozeitung

Spezielle Parkplätze besetzen kann teuer werden

Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtes München sind Zusatzbezeichnungen wie Frauenparkplatz oder Familienparkplatz im öffentlichen Verkehrsraum nicht zulässig, da die dazugehörigen Schilder in der StVO nicht vorkommen. Deswegen kannst du auf solchen Parkplätzen auch als Mann oder ohne Kinder stehen, ohne belangt zu werden. In Parkhäusern dürfen Betreiber solche Zusatzkategorien aber führen und ausschildern. Und dort musst du das beachten, denn du hast mit der Einfahrt die Hausregeln des Betreibers akzeptiert.

Anders als bei öffentlichen Parkplätzen, kannst du vom Parkhausbetreiber eine Strafgebühr bekommen oder sogar abgeschleppt werden, wenn du zu unrecht auf einem solchen Parkplatz stehen. Er kann hier sein Hausrecht geltend machen.

Christina Finke, Redakteurin der Autozeitung
Eine stilisierte Familie mit Vater, Mutter und einem Kind ist auf einem Familienparkplatz.
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Achtung: Behindertenparklätze sind immer und überall zu respektieren. Hier greifen Polizei und Parkplatzbetreiber verständlicherweise konsequent durch. Auf Parkplätzen mit Elektroladestation sollten sich Autofahrer mit Benziner oder Diesel ebenfalls nicht stellen. Der Betreiber kann das ahnden.

Parkplatz freihalten geht gar nicht

Überall gilt: Einparken darf, wer den Platz zuerst mit dem Fahrzeug erreicht hat. Beifahrer vorausschicken und den Parkplatz blockieren, ist also nicht erlaubt. Tatsächlich stellt das eine Nötigung dar. Aber Achtung: Du darfst auch nicht mit dem Auto aus Wut langsam in die Parklücke fahren und versuchen, den Blockierer heraus zu drängen, denn das ist auch eine Nötigung. Am besten atmest du tief durch und suchst weiter. Denn: Wenn es im Parkhaus kracht, werden oft beide Parteien mit einer Teilschuld belegt, da eben von allen Teilnehmern im Parkhaus besondere Rücksicht und Vorsicht gefordert wird.

"Rechts vor links" gilt nicht immer

Obwohl grundsätzlich die StVO gilt, kannst du dich nicht auf "rechts vor links" verlassen. Denn das gilt auf Parkplätzen und im Parkhaus nur auf den Spuren, die einen sogenannten straßenähnlichen Charakter haben. Das sind zum Beispiel Spuren, die direkt zum Ausgang führen. Der Begriff Suchverkehr wird hingegen für die Spuren unmittelbar an den Parkplätzen verwendet. Und hier fordert die StVO, dass du dich mit den anderen Fahrern per Handzeichen oder ähnlich verständigst. Wichtig: Auch wenn du an einer Kollision nicht Schuld bist, kann dir vom Gericht eine Teilschuld auferlegt werden, schon allein, weil du mit dem Auto unterwegs bist und das ein Risiko darstellt.

Verhalten bei Parkremplern

Wenn dein Auto angefahren wurde, empfiehlt es sich, die Polizei zu rufen. Zwar verfügen viele Parkhausbetreiber über Videokameras und könnten dir bei der Suche nach einem Täter behilflich sein, sie müssen es aber nicht. Wenn du einen Rempler verursachen, rät Christina Finke zunächst unbedingt am Auto zu bleiben.

Eine Stunde solltest du tatsächlich vor Ort warten oder versuchen, den Besitzer des Fahrzeugs ausfindig zu machen. Du kannst ihn zum Beispiel im Flughafen oder einem Einkaufszentrum ausrufen lassen. Wenn nach einer Stunde nichts passiert, machst du dich auf den Weg zur nächsten Polizeistation, am besten mit Fotos und einem Zeugen. Alles andere kann dir als Fahrerflucht angelastet werden.

Christina Finke, Redakteurin der Autozeitung

Wann der Parkhausbetreiber für Schäden haftet

In der Regel kannst du den Betreiber für Schäden an deinem Auto nur dann haftbar machen, wenn die technische Einrichtung des Parkhauses nicht in Ordnung war und zum Schaden geführt hat. Wenn also die Beleuchtung, Schranken oder ähnliches kaputt sind. Wird dein Auto von anderen beschädigt oder gestohlen, bleibst du laut Christina Finke zunächst mit dem Problem alleine:

Die meisten Parkhausbetreiber schließen die Haftung bei Diebstahl sowie Sachbeschädigung in der Regel in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen aus. Autofahrer müssen sich dann an ihre Voll-/Teilkaskoversicherung wenden. Das gilt sowohl für das komplette Auto als auch für fest verbaute Teile wie Navigations- oder Multimediasysteme.

Christina Finke, Redakteurin der Autozeitung
Farbige Kratzer an einer Parksäule in einem Parkhaus
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Noch problematischer wird es, wenn du teure Dinge offensichtlich im Auto liegen lässt. "Werden Wertgegenstände im Parkhaus stehenden Pkw liegen gelassen und gestohlen, werten (Hausrat-)Versicherungen das als grob fahrlässig und gewähren lediglich einen Schadenersatz mit Abschlägen", so Christina Finke von der Autozeitung.

Parkautomat kaputt / Ticket weg

Hier hilft dir der Betreiber weiter, entweder mit einer Ruftaste am Automaten oder mit Servicekräften vor Ort. Entsprechende Informationen stehen in der Regel auch am Automaten. Hast du dein Ticket verloren, kann der Betreiber dir einen Tageshöchstbetrag oder eine Pauschalsumme in Rechnung stellen. Auch dem stimmst du mit Befahren des Parkhauses zu und musst es akzeptieren.

Solange hast du nach dem Bezahlen noch Zeit

Die meisten Parkhäuser geben dir eine Viertelstunde vom Bezahlen des Tickets bis zur Ausfahrt. Gesetzlich geregelt ist das nicht. Auf jeden Fall muss die Zeit so eingerichtet sein, dass du es vom Ticketautomaten bequem zum Auto schaffst und dort auch noch Gepäck verstauen kannst. Solltest vor der Ausfahrt im Stau stehen oder anders unverschuldet behindert werden und schließlich nachzahlen müssen, hebst den Beleg auf und wenden sich an den Parkhausbetreiber. Wenn sich dort niemand kulant zeigt, kannst du dagegen auch gerichtlich vorgehen und hast dabei gute Karten. Es ist nur eine Frage des Verhältnisses von Aufwand und Nutzen.  

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 10. Oktober 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2019, 02:10 Uhr

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