Inkassoschreiben im Briefkasten – was tun?

Ob mit der Post oder per E-Mail: Immer wieder gibt es Ärger mit Inkassofirmen. Ignorieren sollte man einen Inkassobrief nie, auch wenn er nicht seriös erscheint. Wir erklären, wie du am besten darauf reagieren könntest.

Stempel in der Hand mit der Aufschrift Inkasso 1 min
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MDR JUMP Mo 12.10.2020 10:45Uhr 01:04 min

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Die wichtigste Frage: Seriös oder unseriös?

Seriöse Inkassofirmen müssen von Amts- oder Landgerichten zugelassen und dort auch registriert sein. Um die zugelassen zu werden, müssen sie unter anderem rechtliches Fachwissen nachweisen. Ob ein Inkassounternehmen registriert ist, lässt sich im Internet unter www.rechtsdienstleistungsregister.de kostenlos überprüfen. Nur Unternehmen, die hier aufgeführt sind, sind berechtigt, Forderungen einzutreiben.

Unseriöse Firmen ohne Erlaubnis versuchen meist, mit unberechtigten Forderungen Geld zu kassieren. Ein Sitz im Ausland oder eine ausländische Bankverbindung können verdächtig sein, müssen es aber nicht. In einigen Ländern, wie zum Beispiel in den Niederlanden ist der Begriff "Inkassobüro" im Titel der zuständigen Behörde enthalten.

Nächster Schritt: Forderungen prüfen

Nur weil man ein Schreiben eines Inkassounternehmens erhält, heißt das nicht, dass man die Forderung sofort begleichen muss. Ist das Geld nämlich erst einmal weg und stellt sich dann heraus, dass die Forderung unberechtigt war, ist es kaum möglich, den Betrag wieder zurückzufordern. Deshalb sollte zunächst geprüft werden, wer überhaupt von einem warum Geld verlangt. Die folgenden Punkte helfen dabei, Klarheit zu bekommen:

  • Ware erhalten? Prüfe am besten, ob du die Ware oder Dienstleistung, für die du zahlen sollst, überhaupt erhalten hast.
  • Vertrag wirksam? Außerdem müssen nur Rechnungen aus wirksam geschlossen Verträgen gezahlt werden. Wer über das Telefon oder über das Internet einen Vertrag abschließt oder einem Haustürgeschäft zustimmt, kann 14 Tage den Vertrag widerrufen nach dem er über das Widerrufsrecht aufgeklärt wurde. Wird der Kunde nicht ordnungsgemäß über seine Rechte informiert, erlischt das Recht auch nach 14 Tagen nicht.
  • Seriös und trotzdem unberechtigt? Unberechtigte Forderungen können manchmal auch von seriösen Inkassobüros kommen. Die Unternehmen sind nämlich nicht verpflichtet, die Forderungen rechtlich zu prüfen.

Übrigens: Meist erhält man nicht gleich Post vom Inkassobüro, sondern erst eine Mahnung vom Vertragspartner. Es gibt aber keine Mahnpflicht. Sobald 30 Tage nach Zugang der Rechnung vergangen sind und diese nicht beglichen wurde, kann ein Inkassounternehmen mit der Forderung beauftragt werden.

Auf Forderungen reagieren

Besteht der Verdacht, dass es sich um eine betrügerische E-Mail handelt, kann die E-Mail einfach gelöscht werden. Auf keinen Fall sollte ein Anhang geöffnet werden, da sonst Viren, Trojaner oder andere Schadprogramme auf den Computer gelangen können. Es ist auch nicht ratsam, darauf zu antworten, weil man damit dem Absender nur bestätigt, dass die E-Mail-Adresse noch genutzt wird und er sie dann unter Umständen weiterverkauft, was zu mehr  Spam führt.

Erhält man ein Inkassoschreiben für Geldforderungen, die unberechtigt sind, etwa weil der Vertrag nachweislich widerrufen wurde, sollte man schriftlich per Fax oder Brief widersprechen. Bleibt ein Inkassobrief – seriös oder unseriös – unwiderrufen liegen, könnte der Vertragspartner einen Schufa-Eintrag veranlassen und/oder ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten.

Einen gerichtlichen Mahnbescheid sollte man auf keinen Fall ignorieren, weil sonst auch ungerechtfertigte Forderungen rechtens werden können. Wenn man jedoch widerspricht, bleibt dem Vertragspartner allerdings noch die Möglichkeit, die Forderung gerichtlich einzuklagen.

Unseriöse Unternehmen gehen auf den Widerspruch meist nicht ein und schicken weitere Mahnungen oder drohen mit Zwangsvollstreckung. Nach einem erfolgten Widerspruch kann man so etwas aber getrost ignorieren.

Fällt ein registriertes Unternehmen durch fragwürdiges Arbeiten auf, kann es die Zulassung verlieren. Beschwerden nehmen die Gerichte entgegen.

Sind die Forderungen des Inkassounternehmens aber berechtigt, müssen das Geld, Verzugszinsen und gegebenenfalls auch Inkassogebühren gezahlt werden. Die Gebühren bemessen sich an denen von Rechtsanwälten.

Rechtshilfe

Wer sich unsicher ist, ob die Forderung des Inkassobüros gerechtfertigt ist und ob man die geforderte Summe zahlen sollte oder nicht, kann sich Rat den Verbraucherzentralen oder einem Rechtsanwalt holen.

Wer hinter einem bestimmten Schreiben einen Betrug vermutet, kann dies auch bei den Verbraucherzentralen anzeigen. Sie können dann prüfen, ob sie gegen die fordernde Firma klagen.

Fazit

Verbraucherschützer raten, Mahnschreiben und angebliche Forderungen von Inkassofirmen grundsätzlich kritisch zu prüfen. Nur Rechnungen aus wirksam geschlossenen Verträgen müssen bezahlt werden – dazu zählt, dass keine versteckten Kosten in den AGBs standen und man über sein Recht auf Widerruf aufgeklärt wurde, wenn man die Verträge online oder am Telefon abgeschlossen hat.

Ist man sich keiner Schuld bewusst, sollte ein Widerspruch formuliert werden. Um einen Schufa-Eintrag zu umgehen, sollte man aber schriftlich den Forderungen widersprechen, denn bestrittene Forderungen dürfen erst nach einem Gerichtsurteil eingetragen werden.

Besonders kritisch sollte man sein, wenn Zahlungsaufforderungen von Inkassofirmen per Mail versendet werden, denn seriöse Inkassounternehmen schreiben Briefe und Faxe, aber keine E-Mails. Wer dann noch Anhänge öffnet, läuft leicht Gefahr, Schadprogramme auf seinen Computer zu bringen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 12. Oktober 2020 | 10:45 Uhr

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