Das solltest du wissen Nach dem Fest ist vor dem Umtausch

Der Geschenke-Marathon geht auch nach Heiligabend weiter. Jetzt werden die Geschenke umgetauscht, die nicht so ganz den Geschmack von Familie und Freunden getroffen haben. Wir fassen kurz die Regeln zusammen, die für den Umtausch im Geschäft und im Onlinehandel gelten.

Eine Frau und ein Mann sitzen mit ihren Weihnachtsgeschenken auf dem Sofa und spielen sich Freude vor. Er hält ein paar graue Socken hoch, sie hält auf ihrem Schoß einen Toaster.
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MDR JUMP Mo 28.12.2015 02:10Uhr 01:49 min

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Im Geschäft nur auf Kulanz

Ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Umtausch gibt es für Käufe im Geschäft nicht. Viele Geschäfte tauschen jedoch aus Kulanz um. "Die üblichen vierzehn Tage sind ebenfalls nirgendwo festgelegt. Die bieten viele Händler aber an, weil die Kunden die Frist vom Onlinekauf kennen", erklärt Ineke Klaholz, Juristin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Viele Geschäfte haben zudem vor Weihnachten ihre freiwillig angebotenen Umtauschfristen noch einmal verlängert. Teilweise können Kunden bis Ende Januar unliebsame Geschenke umtauschen.

Ob und zu welchen Bedingungen ein Händler das Umtauschen erlaubt, erfahren Kunden über entsprechende Aufdrucke auf dem Kassenbon, über Aushänge im Geschäft oder in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. "Ansonsten gilt: Konnte man bei dem Händler in den letzten Jahren auch umtauschen oder können alle anderen Käufer auch umtauschen, dann darf von einem Einverständnis ausgegangen werden", sagt Rechtsanwalt Christian Solmecke. Wiesen Schilder darauf hin, dass ein "Umtausch ausgepackter Ware ausgeschlossen" sei, könnten Kunden zumindest originalverpackte Geschenke zurückgeben.

"Umtausch nur gegen Kassenbon, Kaufpreis wird als Gutschein erstattet" 

"Für den Umtausch im Geschäft gilt Vertragsfreiheit und daher darf der Händler selbst festlegen, zu welchen Bedingungen er Sachen wieder zurücknimmt", erläutert Jurist Solmecke. So könne etwa eine Warenhauskette regeln, ob ein in Dresden gekauftes Geschenk auch in einer Magdeburger Filiale umgetauscht wird oder nicht. Ebenso könne vorab vereinbart werden, dass Kunden nur originalverpackte Ware gegen Vorlage des Kassenbons zurückgeben können. "Geregelt werden kann auch, dass der Kaufpreis nur als Gutschein und nicht bar erstattet wird", ergänzt Christian Solmecke. Seien beim Kauf gar keine Vorgaben für die Rückgabe festgelegt worden, könne der Händler selbst noch im Moment des Umtauschs seine Bedingungen festlegen. "Am besten lässt man daher schon beim Kauf auf den Kassenbon schreiben, dass ein Umtausch erlaubt ist und dass man das Geld zurückbekommt. Dann ist man auf der sicheren Seite", empfiehlt Verbraucherschützerin Klaholz.

Umtausch fürs Online-Shoppen gesetzlich geregelt

Bestellungen im Internet zählen als Fernabsatzgeschäfte. Für diese gelten rechtliche Regelungen zur Rückgabe, weil sich der Kunde nicht wie im Geschäft vor dem Kauf genau über die Beschaffenheit eines Produkts informieren kann. Deshalb gewährt der Gesetzgeber 14 Tage Zeit, ab Erhalt des Pakets die Ware zu prüfen. Die Ware kann dann ohne Angabe von Gründen zurückgeschickt werden. Das Widerrufsrecht haben Kunden aber immer nur beim Kauf von einem Händler. "Privat gekaufte Waren kann ich also nicht so einfach zurückschicken", sagt der Spezialist für Internetrecht Christian Solmecke. Umtauschen kann übrigens immer nur der, der online gekauft und bezahlt hat.

Feiertage verlängern Frist in der Regel nicht.

Weihnachtsbaum
Bei so vielen Geschenken kann auch schon mal etwas nicht gefallen. Bildrechte: Colourbox.de

Die 14-Tages-Frist kann in der hektischen Weihnachtszeit sehr schnell verstreichen. Sie wird auch nicht durch Weihnachtsfeiertage und Neujahr automatisch verlängert. "Nur wenn der letzte Tag der Frist ein Sonn- oder ein Feiertag ist, endet die Frist erst am nächsten Werktag", sagt Ineke Klaholz. Einige Onlinehändler bieten jedoch freiwillig ein verlängertes Rückgaberecht an. Amazon etwa räumt eine 30-Tage-Rückgabefrist ein, bei Zalando kann innerhalb von 100 Tagen Ware umgetauscht werden. Otto verlängert im Weihnachtsgeschäft die Rückgabefrist auf den 31. Januar 2016 und bei Mytoys können Kunden sogar alle ab Oktober gekauften Waren bis Ende Januar 2016 zurückgeben. "Kauft man wiederum bei einem Onlineshop im Ausland, kann die Frist für den Widerruf deutlich kürzer als die bekannten 14 Tage ausfallen", warnt Christian Solmecke.

Wer bezahlt die Kosten fürs Rücksenden?

Seit einiger Zeit gelten neue Regeln für das Rücksenden von online gekaufter Ware. Bis Mitte 2014 mussten Händler die Rücksendekosten übernehmen, wenn der Wert der zurückgeschickten Waren 40 Euro überstieg. Nach der Neuregelung dürfen Onlineshops die Rücksendekosten immer vom Kunden einfordern. "Der Händler muss mich aber vor dem Kauf ordentlich sichtbar belehren, welche Kosten auf mich zukommen können", sagt Anwalt Solmecke. Geschehe das erst nach dem Klick auf Kaufen oder würden die Kosten in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen versteckt, müsse der Händler die Rücksendung bezahlen. Viele Shopbetreiber übernehmen von sich aus die Versandkosten bei einem Umtausch und teilen dies auf ihren Internetseiten auch mit. Allerdings gelten auch hier im Einzelfall besondere Bedingungen. So will etwa Modehändler ASOS nur die Rücksendekosten übernehmen, wenn innerhalb der ersten sieben Tage nach dem Kauf storniert wird. Auch das ist seit Mitte 2014 neu: Der Widerruf, so wird die Rücksendung rechtlich korrekt genannt, kann nicht mehr kommentarlos erfolgen. "Das heißt auch: Das kommentarlose Zurückschicken der Ware an den Händler gilt nicht als wirksamer Widerruf", warnt Ineke Klaholz. Der Widerruf muss immer ausdrücklich, am besten schriftlich, erklärt werden. Dafür müssen die Händler den Kunden ein Formular zur Verfügung stellen. Auch ein Widerruf am Telefon ist möglich. Ein Grund für die Rückgabe der Ware muss dabei nicht angegeben werden.

Gesetzliche Gewährleistung gilt unabhängig von Regelungen für Umtausch

Egal ob persönlich im Geschäft oder via Internet erworben: Sollte ein Geschenk einen Mangel aufweisen, darf der Käufer den Artikel zurückzugeben. Hier greift das Gewährleistungsrecht. Aber Achtung: Nur wenn ein Mangel in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf auftritt, gilt die Vermutung, dass der Fehler bereits beim Kauf vorgelegen hat. Zeigt sich der Mangel erst innerhalb der zweijährigen Gewährleistungsfrist, ist es Sache des Käufers, zu beweisen, dass er die Ware bereits fehlerhaft erhalten hat.

Zuletzt aktualisiert: 21. Dezember 2017, 02:10 Uhr