Wann lohnt sich eine Zahnzusatzversicherung?

Zuletzt aktualisiert: 16.04.2019 | 13:25 Uhr

Untersuchung an Zahnmodell 1 min
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Trotz regelmäßiger Zahnarztbesuche und gründlicher Mundhygiene kommt es bei vielen Menschen zu Zahnverlusten. Soll die Lücke im Gebiss geschlossen werden, wird es teuer, denn die gesetzlichen Krankenkassen zahlen in der Regel nur die Hälfte der Behandlungskosten und das auch nur auf einem von ihnen definierten Niveau. Zahnzusatzversicherungen können die Finanzierungslücke zumindest teilweise schließen. Aber für wen lohnt sich eine solche Versicherung und worauf muss man beim Abschluss achten?

Was macht eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll?

Mit zunehmendem Alter werden bei den meisten Menschen auch die Zahnbehandlungen aufwendiger. Für kleine Löcher reicht in der Regel die Grundversorgung der Krankenkasse. Aber schon bei einer Keramikfüllung der hinteren Zähne muss man zuzahlen. Wer einen oder mehrere fehlende Zähne durch eine Brücke ersetzen lassen möchte, wird schon beim Kostenvoranschlag des Zahnarztes mit höheren Summen für die Eigenbeteiligung konfrontiert.

Bonusheft für den Zahnarzt
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Die Kassen zahlen bei Zahnersatz nur 50 Prozent der sogenannten Regelversorgung – das heißt der Versorgung, die die Krankenkassen für ausreichend halten. Extras oder höherwertigere Materialien zahlt der Patient komplett selbst. Bei einer Brücke können dann Kosten von 300 bis 600 Euro auf den Patienten zukommen. Reduzieren lassen sich diese Beträge durch das Einreichen des regelmäßig ausgefüllten Bonusheftes, denn je nach Anzahl der Jahre regelmäßigen Zahnarztbesuches, steigt der Zuschuss der Krankenkasse auf 60 (5 Jahre) oder sogar 65 Prozent (zehn Jahre).

Richtig teuer wird es für Patienten, wenn sie Implantate möchten oder diese die einzig noch gangbare Lösung der Zahnlückenprobleme sind. Wer Pech hat, auf den kommen Kosten in Höhe eines Kleinwagens zu. Rechtzeitig vor Beginn einer solchen Behandlung, ist der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung sinnvoll.

Und die müssen nicht unbedingt teuer sein. Die Stiftung Warentest hat jetzt mehr als 230 Zahnzusatztarife verglichen. Das Ergebnis: Gute Versicherungen gibt es schon für unter 20 Euro.

Aber da muss man eben sagen, wenn ich von vorneherein jemand bin, dem höhrerwertiger Zahnersatz nicht so wichtig ist und ich mit der Standardversorgung, die medizinisch ausreichend ist, gut bedient bin, dann geht es auch deutlich günstiger.

Michael Nischalke, Stiftung Warentest

Insgesamt haben 76 der getesteten Versicherungen die Note "sehr gut" erhalten.

Wer braucht eine Zahnzusatzversicherung?

Hat man nur zwei Plomben und ist das Gebiss ansonsten in Ordnung, lohnt sich der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung nicht. Wer aber schon mehrere Kronen im Mund hat oder wem der Zahnarzt sagt, dass in den nächsten Jahren ein Zahnersatz notwendig wird, der sollte über eine solche Versicherung nachdenken. Auch wer Karies oder massiven Zahnstein hat oder eine Risikosportart betreibt, ist mit einer Zahnzusatzversicherung gut beraten.

Geringverdiener brauchen keine Zusatzversicherung, da für sie die Härtefallregelung der Krankenkassen greift, das heißt, die Kassen übernehmen 100 Prozent der Kosten. Die aktuelle Grenze für Geringverdiener liegt bei monatlichen Bruttoeinnahmen von 1.218 Euro. Mit einem Angehörigen erhöht sich der Betrag auf 1.674,75 Euro, mit zwei Angehörigen sind es 1.979,25 Euro und mit jedem weiteren Angehörigen erhöht sich dieser Betrag um 304,50 Euro.

Wann ist der günstigste Zeitpunkt für den Abschluss?

Den eben genannten Kriterien und der Beratung durch einen Zahnarzt folgend gilt: je jünger man sich für den Einstieg in die Zahnzusatzversicherung entscheidet, desto preiswerter ist es. Aber auch hier sollte man rechnen. Wer mit Mitte 20 einsteigt und erst mit 60 Jahren Leistungen in Anspruch nimmt, zahlt unter Umständen zu viel. Im Normalfall steigt man mit Mitte 40 ein. Da kann dann auch der Zahnarzt schon gut einschätzen, wie es in den nächsten 10 bis 15 Jahren um die Zähne bestellt sein wird. Michael Nischalke von der Stiftung Warentest rät dazu, schon früher einzusteigen:

Wenn man sich dann vor Augen führt, dass natürlich zu diesem Zeitpunkt im Grunde schon das Kind ein bisschen in den Brunnen gefallen ist, sollte man also logischerweise schon etwas vorher – nämlich dann, wenn die Zähne noch in Ordnung sind, Mitte 30 hoffentlich bei den meisten – schon mal darüber nachdenken.

Dann habe man später meist keine weiteren Probleme.

Wie finde ich die richtige Versicherung für mich?

Vor dem Abschluss sollte man seinen Zahnarzt konsultieren. Befürwortet der den Abschluss, kann man aus einem sehr großen Angebot wählen. Stiftung Warentest hat im April 2018 220 Versicherungen untersucht. 70 davon schnitten beim Test mit „sehr gut“ ab, was für eine allgemein hohe Qualität der angebotenen Versicherungen spricht. Mit den leistungsstärksten Tarifen im Test können gesetzlich Versicherte – zusammen mit dem Anteil ihrer Krankenkasse – 80 bis 100 Prozent der Zahnarztrechnung decken. Der monatliche Beitrag liegt dabei für den 43-jährigen Modellkunden je nach Angebot zwischen 9 und 63 Euro.

Um die passende Versicherung zu finden, sollte man auf die individuellen Leistungen achten, die man versichert haben möchte. Neben den Kosten für Brücken, Inlays oder Implantate, versichern Anbieter teilweise auch Leistungen zum Zahnerhalt wie z.B. professionelle Zahnreinigung oder Wurzelbehandlungen.

Lohnt sich ein Versicherungswechsel?

Wer einen älteren Vertrag hat, sollte den auf jeden Fall mit aktuellen Angeboten vergleichen. Da sich auf dem Markt der Zahnzusatzversicherungen in den letzten Jahren viel bewegt hat, findet sich mit Sicherheit ein günstigeres Angebot. Allerdings sollte man zuerst bei der eigenen Versicherung nach einem besseren Angebot fragen, denn wer beim selben Versicherer wechselt, kann die im alten Vertrag erworbenen Rechte mitnehmen und Wartezeiten gelten nur für die höheren Leistungen des neuen Vertragsteils.

Worauf musst du besonders achten?

Zeit spielt beim Abschluss einer Zahnzusatzversicherung eine wichtige Rolle, denn bei vielen Verträgen gibt es den vollen Leistungsumfang erst nach einigen Jahren. Zwar gibt es auch Angebote, die sofort den vollen Leistungsumfang bieten, die sind dann aber logischerweise auch sehr teuer. Die meisten Versicherer gewähren in den ersten acht Monaten nach Vertragsabschluss keine Leistungen. In den ersten drei bis fünf Jahren sind die Leistungen eingeschränkt, sowohl was den Umfang als auch den Kostenrahmen angeht.

Extrem wichtig ist es, bei Vertragsabschluss exakte Angaben zum Zustand der Zähne zu machen. Am besten arbeitet man da mit dem Zahnarzt zusammen. Viele Versicherungen kontrollieren die Angaben auch durch Nachfragen beim Zahnarzt. Sind Angaben falsch, bekommt man keinen Vertrag oder verliert später den Versicherungsschutz. Wer sehr schlechte Zähne, beziehungsweise ein schon sehr lückenhaftes Gebiss hat, muss damit rechnen, dass er gar keine Zahnzusatzversicherung abschließen kann.

Viele denken ja "Mensch, da hat mir mein Zahnarzt schon mal gesagt, da müssten wir mal ran - werde ich mal schnell eine Zahnzusatzversicherung abschließen" - das funktioniert nicht. Weil im Grunde genommen, in dem Moment, wo die Behandlung schon angeraten ist, womöglich ja auch in der Akte vermerkt ist, gilt das aus deren Sicht schon als angefangene Behandlung.

Michael Nischalke, Stiftung Warentest

In jedem Fall sollte man aber genau rechnen, ob sich die im Laufe der Jahre zu zahlenden Beiträge im Leistungsfall amortisieren oder ob man, wenn abzusehen ist, dass in den nächsten Jahren nur mal eine Krone anfällt, die Zahnarztrechnung nicht doch aus dem Ersparten zahlt.

Kann ich auch ohne Zahnzusatzversicherung bei den Behandlungskosten sparen?

Alle Angebote außerhalb der Grundversorgung sind praktisch Leistungen auf dem freien Markt. Das heißt, man sollte den Kostenvoranschlag des Zahnarztes mit anderen Angeboten vergleichen. Eine Möglichkeit ist, sich bei einem anderen Zahnarzt eine Zweitmeinung einzuholen, eine andere, auf speziellen Auktionsportalen Preisvorschläge anderer Anbieter zum eigenen Heil- und Kostenplan zu erfragen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 16. April 2019 | 14:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 13:25 Uhr