Quicktipp: Stoffwindeln vs. Wegwerfwindeln Was ist besser für dein Kind?

Babys und Kleinkinder brauchen in den ersten Lebensjahren Windeln, und das nicht zu knapp! Wer die richtige sucht, hat die Qual der Wahl. Was ist besser: Wegwerfwindeln oder die altbewährten Stoffwindeln?

Baby sitzt auf einem Bett, auf dass Schatten fällt
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MDR JUMP Mo 20.11.2017 02:10Uhr 01:59 min

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Stoffwindeln vs. Wegwerfwindeln

Babys und Kleinkinder brauchen in den ersten Lebensjahren Windeln – mehrere, jeden Tag! Wer da die richtige sucht, hat die Qual der Wahl. Vor allem der Markt der Wegwerfwindeln entwickelt sich enorm schnell weiter. Aber sind sie wirklich besser als die altbewähren Stoffwindeln?

Gute Wegwerfwindeln haben ihren Preis

Kleinkind mit Geldscheinen
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Wegwerfwindeln sind in den ersten Jahren der Kinderpflege in Deutschland immer noch die am häufigsten verwendeten Windeln. Sie gibt es für Säuglinge und Kleinkinder jeder Alters- und Gewichtsklasse. Günstige Windeln von Rossmann, dm, Lidl, Edeka und anderen Drogerie- bzw. Supermärkten kosten 12 bis 15 Cent pro Stück, teure Windeln dagegen 25 bis 50 Cent. Öko-Test wollte wissen, ob die günstigen Modelle aber mit den teuren mithalten können.

Saugkraft

Der Saugkern einer Windel besteht aus dem sogenannten Superabsorber. Ein paar Gramm dieser Kügelchen reichen aus, um 350 Milliliter und mehr Flüssigkeit aufnehmen zu können. Das dabei entstehende Gel bleibt in der Windel eingeschlossen und soll verhindern, dass Nässe oder auch nur leichte Feuchtigkeit die Haut des Babys reizen, so zumindest die Theorie. Das Ergebnis von Öko-Test: Laut Laboruntersuchungen läuft die teure Pampers BabyDry-Windel für rund 25 Cent je Stück am wenigsten aus und saugt die Flüssigkeit in der schnellsten Zeit auf. Damit bleibt die empfindliche Babyhaut am längsten trocken. Einige wenige günstigere Windeln halten in der Regel auch gut trocken und laufen laut den Testern „nur minimal“ aus. Sie brauchen jedoch mindestens fünf Mal so lange, bis die Flüssigkeit komplett eingesaugt worden ist. Dazu zählt die Beauty Baby Premium Dry (Müller) und die Premium-Windeln von der Edeka-Hausmarke Gut & Günstig.

Passform

Die beste und saugfähigste Windel bringt nichts, wenn sie nicht richtig passt. Das könnte dazu führen, dass Kinder beim Laufen zum Teil schmerzhafte Druckstellen bekommen. Da die Größen der Windeln nicht genormt sind, unterscheiden sie sich je nach Hersteller und Altersklasse. Eltern müssen unter Umständen mehrere Windelpakete testen, um die passende zu finden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Babywindel flexibel ist und sich der Aktivität des Kindes anpasst. Bei älteren und aktiven Kindern sind Windelhöschen zu empfehlen, die dem Kind viel Bewegungsfreiheit geben.

Panikmache mit Chemikalien

Die meistverkaufte Pampers-Windel hat laut Öko-Test und dem ZDF-Magazin WISO einen großen Nachteil: Sie ist die einzige Windel im Test mit Erdölrückständen und Paraffinen, die in dem Innenvlies nachgewiesen worden sind. Verbraucherschützer warnen regelmäßig vor Produkten damit, da ihnen hormonähnliche Wirkungen nachgesagt werden. Allerdings sind sie nur in sehr geringen Mengen nachgewiesen worden - Experten zufolge nicht besorgniserregend.

Stoffwindeln

Nachdem sie einige Jahre kaum beachtet wurden, erleben sie gerade wieder eine Renaissance: Stoffwindeln zum Auskochen! Sie gibt es heutzutage wieder in allen Farben und Formen – Öko ist schließlich in! Sie heißen heute auch nicht mehr einfach nur Stoffwindeln, sondern „All-in-Ones“ oder „Pockets“. Einige haben gleich ein wasserdichtes Außenmaterial, einen absorbierenden Innenvlies, Klett- oder Druckverschluss. Auch beim Material ist die Auswahl riesig: Sie sind in Baumwolle, Bambus-Viskose oder Mikrofaser erhältlich.

Wer sich für Stoffwindeln entscheidet, tut das in der Regel, weil er weniger Müll verursachen will. Über die Umweltbilanz von Stoffwindeln gibt es aber unterschiedliche Meinungen. Fest steht: Ein Kind braucht pro Tag fünf bis acht Windeln. Das sind im Jahr also rund 2000 Windeln pro Kind, die bei Einwegwindeln im Müll landen! Doch wenn jede Mehrwegwindel aus Stoff bei 90 Grad gewaschen wird und die Waschmaschine mindestens einmal täglich läuft, kostet das auch viel Energie, Wasser und Waschmittel. Laut einer britischen Studie sind Wegwerfwindeln daher in der Umweltverträglichkeit nicht schlechter als Stoffwindeln. Es ist aber die einzige Studie zu dem Thema, sie ist zwölf Jahre alt und Kritiker werfen ihr methodische Mängel vor. Nutzer können die Umweltbilanz deutlich verbessern, indem sie die Stoffwindeln zum Beispiel ab und an nur bei 60 Grad waschen.

Ein Kleinkind bekommt eine Stoffwindel angezogen
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Inzwischen gibt es übrigens auch sogenannte Ökowindeln. Sie bestehen zum Teil aus nachwachsenden Rohstoffen. Gemessen an ihrer Absicht und dem Preis enttäuschten die Öko-Windeln Moltex Nature von Moltex (je nach Größe ca. 25 bis 40 Cent/Stück) und Naty by Nature Babycare (ca 20 bis 50 Cent/Stück) bei Öko-Test. Sie sind zwar frei von Schadstoffen, haben aber im Anwendungspunkt Weichheit/Hautfreundlichkeit von den Testern nur ein „ausreichend“ erhalten.

Fazit

Bei Einwegwindeln gibt es enorme Preisunterschiede. Günstige Modelle gibt es ab 12 Cent, teure kosten über 30 Cent. Die recht teuren Pampers-Windeln für rund 25 Cent pro Stück schneiden in Tests immer wieder gut bis sehr gut ab, weil sie die Flüssigkeit schnell aufnehmen und nicht auslaufen. Günstigere Modelle brauchen länger, um die Flüssigkeit komplett aufzunehmen. Doch auch die Passform ist wichtig. Wenn du dich für Einwegwindeln entscheidest, probiere mehrere Modelle unterschiedlicher Hersteller aus. Da Wegwerfwindeln allerdings für viel Müll sorgen, entscheiden sich Eltern heutzutage wieder vermehrt für Stoffwindeln. Das kann unter Umständen die Umwelt schonen, kostet aber auch viel Energie und Zeit.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 20. November 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2017, 02:10 Uhr

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