Quicktipp Widerruf beim Onlinekauf: Das musst du wissen

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MDR JUMP Mi 03.01.2018 02:10Uhr 01:59 min

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Der Onlinehandel boomt. Laut statistischem Bundesamt werden pro Jahr allein in Deutschland Waren für 48 Milliarden Euro im Internet gekauft. Ärgerlich nur, wenn dir die Ware dann nicht gefällt. Zum Glück kannst du den Onlinekauf nach den Vorschriften über die sogenannten Fernabsatzverträge innerhalb von zwei Wochen widerrufen und die Ware zurückschicken. Doch dabei musst du einiges beachten.

Darum gibt es das Widerrufsrecht

Als Onlinekunde hast du im Normalfall nicht die Möglichkeit, die Ware vor dem Kauf genau zu untersuchen und aus- oder anzuprobieren: Dinge, die du in einem Geschäft ganz selbstverständlich tun kannst. Von ein paar Fotos im Web kannst du dir auch nicht immer umfassend ein Bild machen. Deshalb hat der Gesetzgeber verfügt, dass du online georderte Waren ohne Angabe von Gründen zurückschicken kannst. Das gilt grundsätzlich auch für Waren, die du auf Internetauktionen ersteigert hast. Es gibt allerdings Produkte, die davon ausgenommen sind, und auch bei den Rücksendekosten gibt es Unterschiede von Händler zu Händler. 

So nutzt du das Widerrufsrecht praktisch

Allgemeine Geschäftsbedingungen
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Jeder Onlinehändler muss dich in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf dein Widerrufsrecht hinweisen. Kommt er dem nach, gilt für dich eine 14-tägige Widerrufsfrist. Findest du in den AGBs keinen Hinweis zum Widerrufsrecht, hast du über ein Jahr Zeit, den Kauf rückgängig zu machen. Die Widerrufsfrist beginnt genau am dem Tag, an dem du deine Ware vollständig und in vereinbartem Zustand erhalten hast. Das gilt auch, wenn zum Beispiel der Nachbar die Ware für dich in Empfang nimmt. Willst du das Widerrufsrechts schließlich ausüben, nutzt du am besten die Vorlage, die der Händler in den AGBs zur Verfügung stellen muss. Du kannst den Widerruf aber auch anderweitig mitteilen. Entweder nutzt du diese oder du teilst den Widerruf dem Händler anderweitig schriftlich mit. Es geht auch telefonisch, das ist aber im Streitfall praktisch schwer nachzuweisen. Ab dem Moment, indem du deinen Widerruf nachweisbar abgegeben hast, beginnt eine 14 tägige Rückgabepflicht. Auch die hast du erfüllt, wenn du nachweisen kannst, dass du eine Ware innerhalb von 14 Tagen abgeschickt hast. Wie lange die Ware mit der Post dann noch unterwegs ist, ist für dich nicht wichtig. Auch eine Beschädigung oder gar der Verlust der Ware auf dem Rücktransport kann dir nicht zur Last gelegt werden.

Freiwillige Rückgabegarantien

Unabhängig von der gesetzlichen Widerrufsfrist bieten Händler auch eigene Rückgabefristen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann dann die Ware sogar bis zu 365 Tage nach Kauf zurückgegeben werden.

Rücksendekosten und die 40-Euro-Klausel

Bis zum Jahr 2014 waren Händler noch verpflichtet, die Rücksendekosten bei einem Warenwert von über 40 Euro selbst zu übernehmen. Rein rechtlich sind sie das jetzt nicht mehr. Theoretisch könnten sie also alle Rücktransportkosten auf den Kunden abwälzen. „In der Praxis machen das die Händler aber eher selten und übernehmen meist auch die kompletten Rücksendekosten. Sie müssen den Käufer über Ihre Geschäftspraxis ganz eindeutig in den AGBs informieren“, erklärt Michael Hummel, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Sachsen. An der ehemaligen 40-Euro-Klausel hat sich auch der Onlineriese Amazon orientiert. Er hat eine solche wieder in seine AGBs aufgenommen und diese an bestimmte Bedingungen geknüpft. Für Kunden steckt hier der Teufel im Detail, denn es können auch für Rücksendungen, die über einem Gesamtwarenwert von 40 Euro liegen, Kosten anfallen. Lies also bei einer Bestellung ganz genau in den Geschäftsbedingungen unter Widerrufsrecht/Klausel nach, wie der Händler die Sache handhabt. „Sonst bleiben Sie als Kunde auf den Kosten sitzen“, warnt der Experte. Das ist vor allem wichtig, wenn du Großgeräte wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler oderst, denn der Rücktransport inklusive Verpackung, zum Beispiel durch eine Spedition, kann dann ziemlich teuer werden.

 Laden oder Lieferservice

Bei einer Bestellung im Internet macht es keinen Unterschied, ob du die Ware geliefert bekommst oder bei einem stationären Händler des Verkäufers abholen kannst. Auch hier gilt das Fernabsatzgesetz, das Widerrufsrecht bleibt bestehen. „Wichtig ist nur, dass Sie das Geschäft online abgeschlossen haben und so vor dem Vertragsabschluss keine Chance auf genaue Besichtigung hatten“, so Michael Hummel.

Das kannst du nicht zurückschicken

Grundsätzlich kannst du alle Waren zurückschicken, die sich vom Händler ohne große Mühe und Wertverlust weiterverkaufen lassen. Deshalb solltest du beim Auspacken immer sehr sorgsam vorgehen und die Waren nicht beschädigen. Lebensmittel und Waren, die schnell verderben, müssen die Händler nicht zurücknehmen. Gleiches gilt für Waren, die nach dem Auspacken untrennbar miteinander vermischt werden und nicht in den Ursprungszustand zurückversetzt werden können, weil Teile voneinander gelöst wurden usw.

Sonderfall Hygiene-Artikel

Bikini
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Waren, die aus Hygiene- und Gesundheitsgründen versiegelt sind, kannst du nicht zurückschicken, wenn das Siegel zerstört wurde und einem nächsten Kunden kein hygienisch einwandfreier Gebrauch mehr möglich ist. Das gilt zum Beispiel auch für Erotikartikel, die aus der Originalverpackung entfernt wurden.

Sonderfall versiegelte Ware

Auch andere versiegelte Produkte wie etwa DVDs , Computerprogramme oder CDs kannst du mit angebrochenem Siegel nicht zurückschicken. Dabei muss ein Siegel als solches erkennbar sein und darf nicht etwa nur aus einer Folienverpackung bestehen. Achtung: Bei den oben genannten Produkten gibt es laut unserem Experten noch eine Besonderheit: „Bei Datenträgern kommt es auch darauf an, ob Sie die soweit ausgepackt haben, dass sie benutzt und theoretisch auch ausgelesen werden konnten.“

Sonderfall persönliche Anfertigungen

Schwierig ist auch die Rücksendung von Waren, die für dich extra konfektioniert, also auf deine Größe und Bedürfnisse zugeschnitten wurden. Hier gibt es aber deutliche Unterschiede. Ein Laptop oder Computer, der nach deinen Wünschen zusammengestellt wurde, kann vom Verkäufer auch wieder in Einzelteile zerlegt und ohne Probleme weiterverwendet werden. Anders bei einem Möbelstück, bei dem du dir die Farben und Formen aussuchen durftest. Ergeben sich dort sehr viele Möglichkeiten der Zusammenstellung und lässt sich das nicht wieder auseinander bauen, muss der Händler nicht darauf warten, dass exakt dasselbe Möbelstück einem anderen Kunden gefällt. Hier kannst du das Widerrufsrecht nicht wahrnehmen. Liegen bei der persönlichen Anfertigung lange Lieferzeiten vor, dann kannst du davon ausgehen, dass die Ware tatsächlich für speziell dich angefertigt wird. 

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 03. Januar 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2018, 02:10 Uhr