Weniger schwitzen: Ein paar Strategien gibt es

Zuletzt aktualisiert: 26.06.2019 | 15:30 Uhr

Jeder Mensch schwitzt. Durch das Schwitzen hält der Körper seine Temperatur im Gleichgewicht. Befinden wir uns in einem warmen Raum oder treiben wir Sport, produziert der Körper Schweiß, um die Körpertemperatur zu regeln. Im Durchschnitt gibt der Mensch am Tag etwa 500 Milliliter Schweiß ab.

Was passiert im Körper beim Schwitzen?

Querschnitt durch die menschliche Haut mit Haarfollikel, Haarbalgmuskel, Talg- und Schweißdrüse
Dieser Querschnitt durch die menschliche Haut zeigt Haarfollikel, mit Haarbalgmuskel und Talgdrüsen. Die Schweißdrüse mit ihrer knotenartigen Erscheinung befindet sich rechts im Bild. Bildrechte: IMAGO

Direkt neben dem Magen, im sogenannten Sonnengeflecht, liegt der wichtigste Wärmesensor des Körpers. Wenn der das Signal "zu warm" ans Hirn funkt, dann schwitzen wir los, und zwar durch die Schweißdrüsen. Davon gibt es zwei Arten. Die zwei bis drei Millionen ekkrinen (nach außen hin absondernden) Schweißdrüsen finden sich in hoher Dichte an Händen, Füßen und Achseln. Sie produzieren ein wässriges Sekret, das für die Temperaturregelung verantwortlich ist.

Die apokrinen (große Sekrettropfen ausschleusenden) Schweißdrüsen sitzen vorwiegend im Achsel-, Genital- und Analbereich. Sie sind erst ab der Pubertät aktiv und an der Temperaturregulation nicht beteiligt. Vielmehr geben sie Duftstoffe ab.

Die Sekrete beider Drüsenarten sind erstmal geruchsneutral. Werden sie allerdings verstärkt abgegeben, fängt das große Müffeln an. Dem kann man aber vorbeugen.

Bewegung

Hier sollte man kurze Erhitzungen vermeiden. Wenn der Körper nur kurz erhitzt wurde, dauert es eine Weile, bis das Hirn das Schwitzen wieder stoppt. Man sollte also lieber gleichmäßig stramm marschieren, als in letzter Minute einen Spurt hinzulegen.

Auf Sport sollte aber niemand verzichten, denn ohne hitzespeichernde Fettschicht funktioniert die körpereigene Kühlung besser.

Kleidung

Zu warme Kleidung bei erhöhter Bewegung fördert das Schwitzen. Empfohlen wird bei Hitze weite, luftige Kleidung. Unter der schwitzt man zwar mengenmäßig nicht weniger, aber der Schweiß kann auf der Haut besser verdunsten. Bezüglich der Materialien der Kleidung gibt es keine Empfehlung, und jeder empfindet bestimmte Materialien anders auf seiner Haut. Fein gewebte Baumwollkleidung saugt den Schweiß auf und hält ihn fest. Leinen und atmungsaktive Funktionstextilien geben den Schweiß schneller ab. Selbstverständlich sollte man bei hohen Temperaturen seine Kleidung häufiger wechseln.

Ernährung

Durch die richtige Ernährung an heißen Tagen lässt sich das Schwitzen ebenfalls steuern. Große, den Körper belastende Portionen und scharfe Speisen, Kaffee, schwarzer Tee und Alkohol steigern die Wärmeproduktion im Körper und fördern so die Schweißproduktion. Das gilt auch für das Rauchen. Wer viel schwitzt, muss ausreichend trinken. Hierbei sollte man zu Mineralwasser und isotonischen Getränken, bei denen das Verhältnis von Nährstoffen zu Flüssigkeit dem des menschlichen Blutes entspricht, greifen. Die Getränke sollten nicht zu kalt sein, da der Körper dann mehr Wärme produzieren muss, um wieder die normale Körpertemperatur herzustellen.

Körperpflege

Schweißtropefen auf der Haut
Saunagänge und wechselwarmes Duschen trainiert die Schweißdrüsen. Bildrechte: Colourbox.de

Regelmäßiges Duschen ist selbstverständlich. Eine eiskalte Dusche hilft bei Hitze allerdings überhaupt nicht, denn man trocknet sich ab und beginnt sofort wieder verstärkt zu schwitzen. Besser ist es, lauwarm duschen und eine milde Lotion oder Seife zu verwenden. Festes Reiben ist dabei wichtiger als die Seifenmenge. Durch das Rasieren der Achselhaare kann man die Oberfläche fürs Schwitzen verkleinern und den Bakterien Nährboden entziehen.

Zum Training der Schweißdrüsen empfehlen sich regelmäßige Saunagänge und tägliches, wechselwarmes Duschen. Die letzte Dusche sollte dabei kalt sein.

Antitranspirantien und Deodorants

Deospray mit Sprühnebel
Antitranspiratien enthalten in der Regel Aluminiumsalze. Bildrechte: IMAGO

Zwischen beiden gibt es einen Unterschied, den man kennen sollte: Während ein Deo in erster Linie gegen Gerüche hilft, bekämpft ein Antitranspirant die Ursache des Schwitzens.   Deshalb sind Antitranspirantien den Deodorants vorzuziehen. Jedoch enthalten Antitranspiratien Aluminiumsalze. Diese verengen die Schweißporen und sorgen so dafür, dass die Schweißproduktion zurückgeht. Allerdings sind Aluminiumsalze umstritten, da sie im Verdacht stehen, das Brustkrebsrisiko zu steigern. Wissenschaftlich bewiesen ist das bisher nicht. Es muss also jeder für sich entscheiden, ob er Antitranspirantien verwendet. Wer das tut, sollte sie nicht unmittelbar nach der Rasur und vor dem Schlafengehen aufbringen, da sie mehrere Stunden brauchen bis sie wirken.

Bei Deodorants gibt es inzwischen viele Produkte, die keine Aluminiumsalze mehr enthalten. Beim Kauf sollte man hier also genau auf die Inhaltsangabe schauen.

Hausmittel

Es muss ja bekanntermaßen nicht immer Chemie sein. Und auch gegen das Schwitzen gibt es Hausmittel. Das sind nur einige:

Salbei-Tee-Kur

Verschiedene Salbeipflanzen im Topf.
Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Die Bitterstoffe des Salbeis regulieren die Schweißabsonderung. Für den Tee werden zwei bis drei gehäufte Esslöffel getrocknete Salbeiblätter drei Minuten in einem Liter Wasser gekocht und dann durchgeseiht. Einen Viertelliter trinkt man sofort, den Rest über den Tag verteilt. Empfohlen wird, die Kur über zwei Wochen durchzuführen. Nach einer Woche sollte man die Wirkung spüren.

Bockshornklee-Sud

Die Inhaltstoffe des Bockshornklees beruhigen die Schweißdrüsen. Für den Sud weicht man zwölf Esslöffel Bockshornkleesamen sechs Stunden lang in einem Liter kaltem Wasser ein und seiht ihn dann durch. Anschließend wird der Sud kurz zum Sieden gebracht. Nach dem Abkühlen verdünnt man der Sud mit Wasser und badet die Hände und Füße für 15 Minuten darin.

Eichenblätter-Zinnkraut-Sud

Eichenblätter und Zinnkraut werden zu gleichen Teilen gemischt und eine Handvoll davon in einem Liter Wasser zum Kochen gebracht. Man lässt das Ganze zehn Minuten ziehen und gießt es durch ein Sieb. Mit dem Sud wäscht man regelmäßig die Achseln.

Apfelessig

Omas Hausapotheke empfiehlt: Zweimal pro Woche nach dem Duschen den ganzen Körper mit einer Mischung aus ¼ Liter Wasser und ¼ Liter Apfelessig abzuwaschen.

Walnuss-Thymian-Eichenrinde-Sud

30 Gramm Walnussblätter, 20 Gramm Thymian und 40 Gramm Eichenrinde werden zehn Minuten in einem Liter Wasser gekocht. Mit dem Sud wäscht man die schwitzenden Körperteile einmal am Tag.

Die Zutaten für die Hausmittel gibt es in gut sortierten Apotheken, im Kräuterfachhandel oder Reformhaus. Wie immer bei Hausmitteln gilt: Nicht bei jedem schlägt alles gut an. Also einfach ausprobieren.

Krankhafte Schweißproduktion

Menschen, die sehr stark schwitzen oder sogar unter einer krankhaften Schweißproduktion, der sogenannten Hyperhidrose, leiden, sollten einen Hautarzt konsultieren. Nur er kann entscheiden, wie die Funktionsstörung am besten behandelt werden kann. Die gängigen Methoden hierbei sind Tabletten, das Spritzen von Botox in betroffene Körperregionen oder auch der operative Eingriff an den Schweißdrüsen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 21.07.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2019, 15:53 Uhr

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