Quicktipp: Geschenkeumtausch Vor dem Schaden klug sein

Eine Frau und ein Mann sitzen mit ihren Weihnachtsgeschenken auf dem Sofa und spielen sich Freude vor. Er hält ein paar graue Socken hoch, sie hält auf ihrem Schoß einen Toaster.
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MDR JUMP Fr 23.12.2016 02:10Uhr 01:54 min

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Alle Jahre wieder geht der Geschenke-Marathon für viele Deutsche auch nach Weihnachten weiter. Dann werden die Präsente umgetauscht, die nicht passen oder nicht ganz den eigenen Geschmack oder den der Lieben getroffen haben. Wir fassen die Regeln zusammen, die für den Umtausch im Geschäft und im Onlinehandel gelten.

Im Geschäft: Händler sehr kulant

Viele Kunden haben sich durch das Onlineshopping an eine Art Umtauschrecht gewöhnt. Zahlreiche „herkömmliche“ Geschäfte kommen dieser Erwartung auch nach. Das zeigte zuletzt eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (kurz: HDE, Umfrage von 2015). Danach waren mehr als 90 Prozent der Befragten zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit der Reaktion der Händler, wenn ungeliebte Ware umgetauscht werden sollte. Diese Quote wurde im Übrigen auf das ganze Jahr erhoben und gilt daher nicht nur für das Weihnachtsgeschäft. Dennoch gilt weiterhin: „Es gibt kein Recht auf Umtausch, wenn beim Händler vor Ort gekauft wird“, sagt Rechtsanwalt Christian Solmecke.

Beim Kauf vor Ort: Nachfragen, nachlesen, zusichern lassen

Ob, für wie lange und auch zu welchen Bedingungen Händler das Umtauschen zulassen, erfahren Kunden über entsprechende Aufdrucke auf dem Kassenbon, Aushänge im Geschäft oder die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Weisen im Geschäft Schilder darauf hin, dass ein „Umtausch ausgepackter Ware ausgeschlossen“ sei, können aus Sicht von Juristen Kunden zumindest originalverpackte Geschenke zurückgeben. Wer ganz sicher gehen will, kann sich das Ganze vom Händler noch einmal schriftlich zusichern lassen, etwa über einen Hinweis auf dem Kassenzettel. Auf eine Art Gewohnheitsrecht sollten sich Kunden besser nicht verlassen, rät Christian Solmecke: „Nur weil ein Verkäufer in den letzten Jahren Sachen immer problemlos zurückgenommen hat, heißt das noch lange nicht, dass man auch in diesem Jahr wieder einen Anspruch darauf hat.“

In der Filiale: „Nur gegen Kassenbon, nur im Tausch gegen Gutschein“

Weil der Umtausch eine freiwillige Leistung der Geschäfte und keine rechtlich bindende Vorgabe ist, dürfen die Händler auch die Bedingungen festlegen. Sie können etwa vorgeben, für wie viele Wochen nach Heiligabend der Umtausch möglich ist und dass die Ware nur mit zugehörigem Kassenbon zurückgenommen wird. Ebenso kann bestimmt werden, dass der Kaufpreis für Pullover, Spielekonsole oder Schmuck nicht in bar, sondern nur als Gutschein für einen weiteren Einkauf erstattet wird. „Auch die Zeit fürs Einlösen des Gutscheins darf begrenzt werden, nach Meinung der meisten Juristen auf drei Jahre“, sagt Anwalt Solmecke. Außerdem könne etwa eine Warenhauskette regeln, ob ein in Dresden gekauftes Geschenk auch in einer Magdeburger Filiale umgetauscht wird oder nicht. Auch für die Verpackung darf der Händler bei einem Umtausch Vorgaben machen: „Ganz streng genommen darf sogar geregelt werden, dass ausgepackte Dinge nicht mehr umgetauscht werden können.“ Darauf muss dann im Ernstfall an Heiligabend geachtet werden. Werden beim Kauf vom Händler gar keine Vorgaben für den Umtausch gemacht, können diese aus Sicht von Juristen sogar im Moment des Umtauschs noch festgelegt werden. Wer sich davor schützen will, lässt sich am besten alles Wichtige auf dem Kassenbon festschreiben, sagen Verbraucherschützer.  

Online-Shop: Umtausch gesetzlich geregelt

Ein Geschenk auf einer Tastatur
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Bestellungen im Internet zählen als Fernabsatzgeschäfte. Für diese gelten rechtliche Regelungen zur Rückgabe, weil sich der Kunde nicht wie im Geschäft vor dem Kauf genau über die Beschaffenheit eines Produkts informieren kann. Deshalb gewährt der Gesetzgeber 14 Tage Zeit ab Erhalt des Pakets, um die Ware zu prüfen. Die kann dann ohne Angabe von Gründen zurückgeschickt werden. Das Widerrufsrecht haben Kunden aber immer nur beim Kauf von einem Händler. Für einen Kauf von „privat“ gilt es nicht.

Online-Kauf: Feiertage verlängern Frist in der Regel nicht

Die gesetzlich geregelte 14-Tages-Frist kann in der hektischen Weihnachtszeit schnell verstreichen. Sie wird auch nicht durch Weihnachtsfeiertage und Neujahr automatisch verlängert. „Einzige Ausnahme: Wenn der letzte Tag ausgerechnet auf einen Feiertag fällt, dann habe ich noch einen Tag mehr, die Sache zu testen. Dann muss ich aber drauf achten, dass ich dann am ersten Tag, der kein Feiertag ist, auch entsprechend den Widerruf erkläre“, sagt der Spezialist für Internetrecht Solmecke. Einige Onlinehändler bieten jedoch freiwillig ein verlängertes Rückgaberecht, das sich manchmal direkt ans Weihnachtsgeschäft anschließt. Amazon etwa erlaubt, zwischen dem 1. November und 31. Dezember 2016 gekaufte Ware bis Ende Januar 2017 zurückzugeben. Versandhändler OTTO verlängert im Weihnachtsgeschäft die Rückgabefrist auf den 31.01.2017, und bei MyToys können Kunden sogar alle ab Anfang Oktober gekauften Waren bis Ende Januar 2017 zurückgeben. Bei Zalando kann Ware generell innerhalb von 100 Tagen umgetauscht werden. Wer bei Onlineshops im Ausland kauft, sollte sich dort das Kleingedruckte ganz genau durchlesen. Nicht selten sind die Rückgabefristen deutlich kürzer als die hier geltenden 14 Tage. Die Umverpackung darf übrigens für die Rückgabe nicht zur Bedingung gemacht werden, sagt Christian Solmecke: „Wenn ich beim Kauf im Internet vom Widerrufsrecht Gebrauch mache, ist ja klar, dass ich die Sache erstmal ausgepackt haben muss, um sie zu testen.“

Online gekauft: Wer bezahlt die Kosten fürs Rücksenden?

Seit einiger Zeit gelten neue Regeln für das Rücksenden von online gekaufter Ware. Bis Mitte 2014 mussten Händler die Rücksendekosten übernehmen, wenn der Wert der zurückgeschickten Waren 40 Euro überstieg. Nach der Neuregelung dürfen Onlineshops die Rücksendekosten immer vom Kunden einfordern. Darüber und über weitere Folgen des Widerrufs müssen Kunden aber vor dem Kauf ordentlich sichtbar belehrt werden. Unterbleibt das, muss der Onlineshop die Kosten übernehmen. Dafür müssen die Händler den Kunden ein Formular zur Verfügung stellen. Auch ein Widerruf am Telefon ist möglich.

Weihnachtsmarkt: Ein Sonderfall

Kind steht vor Weihnachtsschmuck.
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Wer Geschenke auf dem Weihnachtsmarkt kauft, hat ähnlich wie beim Händler vor Ort kein Recht auf einen Umtausch. Ungeliebte oder nicht passende Geschenke können nur dann zurückgegeben werden, wenn der Verkäufer kulant ist. „Da kann man im Einzelfall nur fragen, ob man die Mütze nach Weihnachten vielleicht zurückbringen kann. Und auch wohin man sie zurückbringen kann, wenn der Markt nicht mehr offen ist“, rät Christian Solmecke.

Extra: Gesetzliche Gewährleistung gilt unabhängig von Regelungen für Umtausch

Egal, ob persönlich im Geschäft oder via Internet erworben: Sollte ein Geschenk einen Mangel aufweisen, darf der Käufer den Artikel zurückzugeben. Hier greift das Gewährleistungsrecht. Aber Achtung: Nur wenn ein Mangel in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf auftritt, gilt die Vermutung, dass der Fehler bereits beim Kauf vorgelegen hat. Zeigt sich der Mangel erst innerhalb der zweijährigen Gewährleistungsfrist, ist es Sache des Käufers, zu beweisen, dass er die Ware bereits fehlerhaft erhalten hat.

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2016, 02:10 Uhr