Hilfe, mein Handy ist ins Wasser gefallen!

14.08.2018 | 02:10 Uhr

Smartphone im Wasser 2 min
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MDR JUMP Di 14.08.2018 02:10Uhr 01:52 min

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Leider keine Seltenheit: Das Smartphone fällt in den See, wird versehentlich mit gewaschen oder rutscht aus der Tasche in die Toilette. Ab und an funktioniert das Handy sogar noch, wenn man den Wasserschaden beheben kann. Allerdings ist dafür schnelles Handeln nötig!

Smartphone nicht mehr bedienen

Eine Frau bedient ein Smartphone.
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Nicht sofort muss das Telefon Beschädigungen aufweisen. Das heißt jedoch nicht, dass die Flüssigkeit nicht bereits im Inneren ist. Wer sein Handy einfach weiter bedient und damit bewegt, riskiert, dass sich das eingetretene Wasser im Inneren des Gerätes weiter verbreitet. Das kann den entstandenen Schaden noch vergrößern. „Wenn es noch nicht aus ist, sollte ich das Gerät dann zuerst ausschalten“, sagt Alexander Spier von der Fachzeitschrift c’t.

Akku entfernen

Nächster Schritt: Der Akku muss raus! Nur ohne Akku gibt es keine Spannung und damit keine irreparablen Kurzschlüsse und Korrosion. So einfach geht das bei vielen neuen Geräten allerdings nicht mehr, da der Akku fest mit dem Handy verbunden ist. Ist es nicht möglich, den Akku zu entfernen, sollte man das Gerät vorsichtig abtropfen lassen und dann ruhig hinlegen.

Sim-Karte entfernen

Anschließend sollten erst einmal die SIM-Karte und andere Speicherchips entfernt werden. Das hat zwei Vorteile: Zunächst gibt es weniger Zwischenräume, in denen sich die Flüssigkeiten sammeln kann. Zudem hat man so – auch wenn sich das Handy nicht mehr retten lässt – im Idealfall wenigstens Kontakte, Bilder und Videos gerettet, so diese auf den externen Medien gespeichert sind.

Richtig trocknen und Feuchtigkeit entziehen

Wenn keine weiteren Komponenten mehr entfernt werden können, sollte das Gerät zuerst vorsichtig abgetupft werden. Doch selbst wenn alle Einzelteile trocken erscheinen, befindet sich wahrscheinlich weiterhin etwas Flüssigkeit in den Zwischenräumen. Um sicher zu gehen, dass auch diese Restflüssigkeit verschwindet, müssen alle Komponenten über einen Zeitraum von zwei bis drei Tagen trocknen. Das Handy trocknet gut an der Luft. „Es bringt nicht viel, das Gerät in Reis zu legen, damit es schneller trocknet. Das saugt kaum Flüssigkeit auf, wie mehrere Tests belegt haben. Besser sind da noch Reparaturtüten mit kleinen Kugeln, die die Flüssigkeit aufsagen“, weiß unser Experte. Übrigens: Ein Handy gehört zum Trocknen nicht in den Backofen oder in die Mikrowelle. Das könnte das Gerät zu sehr erhitzen und somit schädigen.

Handy-Reparatur

Wenn alle Bestandteile wieder trocken sind, sollte das Smartphone in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammengebaut werden. Wenn der Akku eingelegt ist, darf man den Einschaltknopf drücken und hoffen. Spätfolgen dürfen allerdings nicht ausgeschlossen werden, denn die Platine kann auch später noch durch Korrosionen geschädigt werden. „Sollte das Geräat nicht angehen, kann man selbst nicht mehr wirklich viel machen. Man kann allerdings dann noch einen Reparaturservice aufsuchen, der schaut, wo der Schaden genau ist und ob man da noch etwas machen kann“, erklärt Spier. Beispielsweise könnte auch „nur“ das Display betroffen sein, das sich teilweise austauschen lässt.

Versicherungen gegen Wasserschaden

Nach einem Wasserschaden ist die Herstellergarantie vorbei, insofern das Telefon nicht als wasserdicht (IP 65/68) klassifiziert war. In fast allen Handys ist ein Feuchtigkeitsindikator eingebaut, der anzeigt, wenn Wasser in das Gerät eingedrungen ist – der Hersteller oder Reparaturdienstleister erkennt das also mit Leichtigkeit.

Ordner mit der Aufschrift "Versicherungen"
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Es gibt spezielle Handyversicherungen, die bei Wasserschaden einspringen. Genau prüfen sollte man vor dem Abschluss einer Police, bei welchen Arten von Wasserschaden die Versicherer zahlen bzw. sich quer stellen. „Lässt man das Gerät im Regen liegen oder in eine Pfütze fallen, will kaum ein Anbieter einspringen“, weiß Urs Mannsmann von der Fachzeitschrift c‘t. Dagegen hafte die eine oder andere Versicherung, wenn das teure Smartphone in den Swimmingpool oder den Fluss fällt. Schäden durch verschüttete Getränke wiederum sind meist nicht abgedeckt. Genau prüfen sollte man auch, was man bei einem Totalschaden ersetzt bekommt. Häufig wird laut dem Experten festgelegt, dass es im Ernstfall ein „finanziell gleichwertiges Ersatzgerät“ gibt. „Bei modernen Smartphones fällt der Preis sehr schnell und dann ist das 300-Euro-Smartphone nur noch 200 Euro wert.“ Entsprechend bekämen Nutzer ein neues 200-Euro-Gerät. Auch wenn der Versicherer für den Fall eines Totalschadens Geld verspricht, sind Nutzer nicht vor Ärger sicher. Üblicherweise wird nur der Zeitwert ersetzt. Günstig sind die Versicherungen nicht – mit 50 bis 80 Euro muss man pro Jahr rechnen. Die teuren Absicherungen lohnen sich aus Sicht von Computerexperten und Verbraucherschützern nur selten. Handybesitzer zahlen häufig zu viel ein und bekommen im Ernstfall nichts oder zu wenig. „Sparen Sie lieber das Geld für die Versicherung und packen Sie es aufs Konto – für den Ernstfall“, rät Urs Mannsmann von c’t.

Wasserdichte Geräte kaufen

Beim Neukauf sollte sich jeder überlegen, ob ein wasserdichtes oder wassergeschütztes Gerät nicht sinnvoll ist. Vor allem günstige Mobiltelefone bieten derartige Schutzklassen oft jedoch nicht an – beispielsweise ist erst das iPhone 7 nach IP 67 klassifiziert und damit für einen kurzen Zeitraum gegen Eindringen von Wasser und Schmutz geschützt. Ohne diesen Schutz läuft schneller Wasser ins Innere, es kommt eher zum Totalschaden.

Regelmäßiges Backup nicht vergessen

Es ist immer wichtig, ein Backup vorzuhalten. Sonst können bei Beschädigung alle Daten verloren gehen. Am besten ist es, Kontakte, Kalender, Fotos  etc. regelmäßig auf einem externen Datenspeicher zuhause oder in der Cloud zu sichern. So können diese bei einem neuen Handy schnell wieder importiert werden – das spart Zeit und Nerven.

Fazit

Es ist der Albtraum aller Besitzer von Mobilfunkgeräten: Das Handy, Smartphone oder Tablet geht versehentlich mit baden oder liegt am Stammtisch plötzlich in einer Getränkepfütze. Oft besteht größte Gefahr, dass der Alltagshelfer aufgrund eines Wasserschadens nicht mehr funktioniert. Aber: Wer schnell handelt, hat mit etwas Glück nach ein paar Tagen wieder ein funktionierendes Gerät. Besonders wichtig es, zunächst das Handy auszuschalten und den Akku zu entfernen. Wasser kann schnell zu Kurzschlüssen und Korrosion führen - und das ist irreparabel. Anschließend müssen der Akku und das Gerät selbst getrocknet werden. Ist das Gerät trocken, kann es wieder zusammengeschraubt werden. Mit etwas Glück funktioniert der mobile Computer dann wieder. Bei Wasserschäden erlischt übrigens die Garantie des Herstellers. Man kann aber eine extra Versicherung abschließen. Achte dabei darauf, ob du im Ernstfall „nur“ den Zeitwert ersetzt und ob sie bei jedem Wasserschaden haftet.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 14. August 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2018, 02:10 Uhr