Trinkgeld: Wo ist es angemessen und wo fehl am Platz?

01.10.2019 | 02:10 Uhr

Trinkgeld ist nahezu weltweit üblich. Unterschiede gibt es in Höhe und Form der Berechnung. Wir sagen, was üblich ist, wo du abgezockt wirst und wen du unter Umständen in Schwierigkeiten bringst.

Trinkgeld liegt am 13.05.2015 neben einer Kaffeetasse und einem Kassenzettel auf einem Tisch in einem Café in Berlin. 1 min
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MDR JUMP Mi 02.10.2019 02:10Uhr 00:15 min

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Schon im Mittelalter gab man Trink- oder Trunkgeld für besonders zufriedenstellende Serviceleistungen. Der Empfänger sollte sich für das Extrageld einen guten Trunk gönnen, auf das Wohl des Spenders. Auch wenn sich der Verwendungszweck in der Regel geändert hat, in Serviceleistungsbranchen, wie Friseur-, Gastronomie-, Hotel- und Reisegewerbe aber auch bei Zusteller- und Lieferdiensten ist Trinkgeld heute nach wie vor ein wichtiges und gern gesehenes Zubrot der Angestellten.

Trinkgeld ist kein Muss

Egal in welcher Branche du eine Leistung bezahlst, niemand kann Trinkgeld von dir verlangen. Das liegt einfach daran, dass Arbeitgeber ihre Angestellten auf jeden Fall mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn bezahlen müssen. Trinkgeld ist also ein zusätzlich zum Lohn gezahlter freiwilliger Betrag, in der Regel fünf bis zehn Prozent der Rechnung.

Ein Kellner serviert Speisen
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Bist du mit dem Service einer Leistung, also Freundlichkeit, Pünktlichkeit, Information und ähnliche Dinge, nicht zufrieden, dann kannst du auf ein Trinkgeld verzichten und musst dich dafür nicht rechtfertigen.

Wer darf Trinkgeld nehmen und wer nicht?

In nahezu allen Dienstleistungsberufen ist es üblich, fünf bis zehn Prozent auf eine Rechnung aufzuschlagen oder eine Rechnung aufzurunden. In der Regel wird das Trinkgeld pro erbrachter Leistung bezahlt. Bei regelmäßigen Serviceleistungen, wie Zeitungsaustragen, kannst du dem Dienstleistenden auch einmal jährlich oder zu besonderen Feiertagen ein Trinkgeld zahlen. Allerdings dürfen Dienstleister wie Postboten, Paketzusteller oder Angestellte von Kommunen und öffentlichem Dienst nur in sehr begrenztem Maß Trinkgeld annehmen. Stadtwerke und Behörden regeln das sehr unterschiedlich: Manchmal sind Geld- oder Sachgeschenke bis zu zehn Euro erlaubt, manchmal dürfen es bis zu 30 Euro sein.

Wichtig: Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass der Angestellte dich wegen des Trinkgeldes besser oder schneller behandelt als andere. Frage besser konkret nach. Postbote, Müllmann oder auch die nette Dame vom Ordnungsamt könnten sonst Probleme bis hin zur Kündigung bekommen.

Wer bekommt gesammeltes Trinkgeld?

Im Normalfall übergibst du Trinkgeld persönlich. In vielen Einrichtungen wird das Geld aber auch gesammelt und dann nach einem speziellen Schlüssel an alle Angestellten verteilt. Darauf hast du keinen Einfluss. Das wird firmenintern geregelt, die Mitarbeiter müssen dem aber zustimmen. Das heißt, der Chef kann Trinkgeld nicht einfach einsammeln und dann irgendwie verteilen. Oft wird das im Arbeitsvertrag geregelt.

Soviel ist in Deutschland üblich

Willst du für eine gute Leistung Trinkgeld zahlen, bist du mit zehn Prozent der Rechnungssumme fast immer auf der richtigen Seite. Das gilt vor allem für Taxi und Restaurant. Wird die Rechnungssumme dreistellig, dann kannst du das Trinkgeld auch entsprechend reduzieren. Beim Friseur empfiehlt sich, bei aufwändigen Leistungen gut einen Euro pro Arbeitsgang zahlen. Bis zu fünf Euro reichen da aus. Für einzelne Arbeitsschritte wie Koffertragen, Garderobeannehmen oder auch Pizzaliefern kanst du ein bis zwei Euro extra zahlen. Für harte Jobs, wie Möbeltragen oder Waschmaschinen- und Klavierliefern, sind mindestens fünf Euro angemessen. Am besten zahlst du Trinkgelder immer bar, per Kreditkarte geht aber auch. Hier werden allerdings Gebühren für den Dienstleister fällig, und die werden dann eben auch mit aufs Trinkgeld angerechnet. Somit bleibt für die Angestellten am Ende weniger.     

Trinkgeld von der Steuer absetzen

Immer dann, wenn deine Ausgabe geschäftlich bedingt ist, also zum Beispiel ein Essen mit Geschäftspartnern oder eine berufliche Taxifahrt, kannst du das gegebene Trinkgeld von der Steuer absetzen. Wichtig: Die Höhe des Trinkgeldes muss auf der Rechnung vermerkt werden.

Das gilt für Selbstständige und Angestellte. Allerdings musst du eine Erlaubnis vom Chef für das Geschäftsessen haben. Einladungen und Trinkgeld auf eigene Faust könnte der Chef dir in Rechnung stellen. Erkundige dich also besser bei ihm und /oder einem Steuerberater.

Geldscheine und Münzen auf einem Steuerbescheid
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Wer Trinkgeld bekommt, muss darauf in der Regel Steuern bezahlen, auch dann, wenn er/sie das Geld direkt bekommt. Dazu Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen: "Das ist ja eine Art Zusatzlohn. Und er muss bei der Steuer angegeben werden. Das gilt neben dem Gastgewerbe zum Beispiel auch für Taxifahrer und Friseure."  

Trinkgeld weltweit

In den USA sind Trinkgelder fester Bestandteil des Einkommens der Servicekräfte, deswegen wird hier in der Regel fest mit bis zu 20 Prozent gerechnet. Für Zimmer- und Gepäckservice sind ein bis zwei Euro pro Leistung ausreichend. Gleiches gilt für Taxifahrten. In Großbritannien und Irland ist Trinkgeld im Restaurant üblich, nicht aber im Pub. Im Taxi empfiehlt es sich, die Rechnung auf volle Pfund aufzurunden. In Japan und China werden Trinkgelder als Beleidigung empfunden. Hier ist man auf bestmöglichen Service für den "normalen" Preis stolz. In großen Touristenzentren setzt sich das Trinkgeld aber immer mehr durch.

In manchen Ländern, gerade in Afrika, leben aber die Servicekräfte fast ausschließlich vom Trinkgeld, die bekommen quasi keinen anderen Lohn. Dort sind die Leute also regelrecht auf Ihre Gabe angewiesen.

Frag im Zweifel am besten beim Reiseveranstalter nach, wie das Trinkgeld im Urlaubsland gehandhabt wird.

Sonderfälle Kreuzfahrt und All-inclusive-Urlaub

Kreuzfahrtschiff AIDAluna im Hamburger Hafen
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Auf vielen Kreuzfahrtschiffen und bei manchen All-inklusiv-Reisen wird wie selbstverständlich ein Tagestrinkgeld von rund zehn Euro pro Passagier vom sogenannten Bord- oder Hotelkonto abgezogen. Mehrere deutsche Gerichte haben geurteilt: Das ist nicht rechtens. Selbst, wenn die Veranstalter in den Reiseunterlagen darauf hinweisen, dass der Urlauber sein Trinkgeld an einer Rezeption niedriger oder höher berechnen oder ganz streichen lassen kann. Auch auf Kreuzfahrtschiffen dürfen Trinkgelder nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Urlaubers eingezogen werden. Ein Hinweis in den Reiseunterlagen reicht also nicht. Für dich als Urlauber bedeutet das: Gleich bei der Buchung oder spätestens am ersten Reisetag für klare Verhältnisse zu sorgen. Trinkgeld kannst du individuell trotzdem geben, persönlich oder in eine Gemeinschaftskasse.

Fazit

Trinkgeld ist immer eine freiwillige Leistung. Niemand darf von dir eine solche Extrazahlung verlangen. Aber: Trinkgeld wird weltweit höchst unterschiedlich gehandhabt. In Europa und großen Teilen Afrikas und Amerikas bist du mit Gaben zwischen 10 und 15 Prozent der eigentlichen Rechnungssumme oder auch einem bis zwei Euro für Leistungen wie Gepäcktransport oder Zimmerservice gut dabei. In den USA sind Servicekräfte auf Trinkgeld als fester Bestandteil des Lohnes angewiesen. In manchen Regionen Asiens, besonders in Japan und China, gilt Trinkgeld hingegen als Beleidigung. In Deutschland dürfen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und von Kommunen in der Regel nur Trinkgeld oder Geschenke im Wert von bis zu 30 Euro entgegennehmen.   

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 02. Oktober 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2019, 02:10 Uhr

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