Tablets und Smartphones für Kinder

05.10.2018 | 02:10 Uhr

Zwei Kinder im Vorschulalter spielen auf einer Couch sitzend mit ihren Tabletts 1 min
Bildrechte: Colourbox.de

MDR JUMP Do 04.10.2018 15:51Uhr 01:00 min

Audio herunterladen [MP3 | 940,9 KB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 1,8 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/thema/quicktipp/quicktipp-tablets-fuer-kinder100.html

Rechte: MDR JUMP

Audio

Jedes Kind kennt Smartphones und Tablets. Schon die ganz Kleinen lieben die Geräte. Anschalten, App öffnen, Fotos gucken, das geht ganz leicht mit einem Wisch. Kein Wunder, dass Hersteller solche Geräte jetzt auch speziell für Kinder schon ab vier Jahren anbieten. Was taugen die Geräte, wie müssen wir Eltern damit umgehen? Judith Horchert, Ressortleiterin Netzwelt bei Spiegel Online, hat‘s getestet.

Das sind die Angebote

Sie kommen in knallig-bunten Farben daher und haben manchmal extra breite und weiche Griffränder. Nur das unterscheidet sie auf den ersten Blick von normalen Smartphones und Tablets. Ansonsten wirken die Geräte baugleich. Dahinter steckt der Sinn, dass die lieben Kleinen auch endlich das bekommen können, womit Vati und Mutti den ganzen Tag beschäftigt sind.

Produkte wie das Clempad S von Clementoni, das Clemphone 7.0 der gleichen Firma, das KidiCom Max von VTech oder auch das ganz aktuelle Fire HD 8-Tablet in der Kids Edition vom Amazon kosten in etwa zwischen 50 und 150 Euro und sind tatsächlich nahezu vollwertige Kommunikationsgeräte. Die Kinder können bei entsprechender Einrichtung und je nach Gerät damit telefonieren, Fotos und Nachrichten senden oder sich im Internet bewegen. Die Hersteller versprechen maximale Sicherheit durch entsprechende Voreinstellungen.

Das können die Geräte wirklich

Neben klassischen Funktionen wie Telefonieren, Nachrichten versenden und im Netz surfen, sind es vor allem Spiel- und Lern-Apps sowie Hörbücher, die auf den Geräten vorinstalliert sind. Allerdings ist der Grundgedanke dabei Begrenzung. Das heißt, die Geräte lassen nur das zu, was die Eltern vorher genehmigen. Dazu gehören ein begrenzter Zugang zum Internet, begrenzte Nutzungsdauer und voreingestellte Nutzungszeiten. Mutter und Webexpertin Judith Horchert beschreibt das so:

Sie müssen sich die Geräte vorstellen wie einen kleinen begrenzten Gartenbereich des Internets. Nur auf den eingestellten und vorinstallierten Angeboten sollen die Kinder surfen und spielen können.

Ein kleiner Junge sitzt auf dem Schoß seiner Mutter am Tisch vor einem Tablet, während sie auf einem Laptop tippt.
Bildrechte: IMAGO

Allerdings kritisieren die Testerin und viele andere Eltern in Bewertungsportalen der Geräteanbieter die komplizierte und oft nicht funktionierende Einstellung der Geräte: "Mein Mann ist ausgewiesener IT-Experte und wir haben ewig gebraucht, bis wir die Internetbegrenzung und andere Dinge wirklich sicher zum Laufen gebracht haben". Sind die Geräte aber nicht begrenzt, haben Kinder freien Zugang zum Internet, mit allen möglichen Folgen.

Bei der Auswahl und Begrenzung der Angebote gilt es deshalb Folgendes zu beachten:

  • Zu enge Grenzen führen zu Langeweile

Können Kinder nicht selbständig im Netz surfen und sich ihre eigenen Apps suchen oder sind zum Beispiel die möglichen Rufnummern und Zeiten begrenzt, wird das Gerät uninteressant, so die Erfahrung unserer Testerin: "Im voreingestellten, begrenzten Bereich kommen die Kinder schnell an den Punkt, wo es für sie langweilig wird. Die Geräte bleiben dann einfach in der Ecke liegen."

  • Probleme bei Sicherheit

Nicht nur bei der Einrichtung und Verwaltung der einzelnen Funktionen gibt es mitunter Schwierigkeiten. "Es hat bei verschiedenen Anbietern in letzter Zeit immer mal wieder Probleme mit der Datensicherheit gegeben", so die Netzexpertin. Das kann nicht verallgemeinert werden, aber Eltern sind angehalten, genau darauf zu achten, welche Daten ihre Kinder hochladen, speichern oder versenden.

  • Die Kontrolle der Eltern

Einige Anbieter ermöglichen Eltern über ein sogenanntes Dashboard den externen Zugriff auf das Gerät des Kindes. Über die spezielle Software kannst du von anderen Geräten aus sehen, was dein Kind wann macht. Auch Einstellungen und Änderungen sind so von außen möglich. Das geht auch so, dass dein Kind es nicht mitbekommt.

Kosten und Nutzen

Unsere Expertin stellt den Sinn der Geräte bei notwendiger begrenzter Nutzbarkeit in Frage: "Wenn Sie sehen, dass die Geräte alle so um die 100 bis 150 Euro kosten und sie hauptsächlich zum Spielen genommen werden, dann können Sie auch eine Spielekonsole oder etwa einen Nintendo nutzen." Um Kinder an Themen wie Computer oder Internet heranzuführen, empfiehlt Judith Horchert:

Ich würde da lieber ein Familientablett oder einen Computer zum Beispiel im Wohnzimmer installieren. Dort können die Kinder unter Aufsicht spielen und das Internet erkunden.

Die Aufgabe der Eltern

Zwei Mädchen schauen auf ein Smartphone.
Bildrechte: IMAGO

Wenn du deinem Kind den Wunsch nach einem Smartphone oder Tablet erfüllst, geht damit eine große Verantwortung auch für dich einher. Ein Spielzeug, mit dem die Kinder alleine gelassen werden können, sind diese Geräte nämlich nicht. "Gerade die jüngsten Kinder dürfen Sie nie vor so einem Gerät parken, um Ruhe zu haben. Sie müssen immer kontrollieren, was ihr Kind im Internet macht", warnt unsere Expertin. Auch wenn Voreinstellungen eine gewisse Sicherheit bieten, ein Restrisiko bleibt dennoch.

Darum Smartphone und Co. erst ab zwölf

Kinder in diesem Alter können komplexe Zusammenhänge und Vorgänge, wie eben das Internet, besser verstehen als Grundschüler. Denn das Smartphone liefert ihnen mit Nachrichten und Kommentaren in Chats usw. auch Inhalte, die die Kinder vielleicht gar nicht bewusst abrufen wollten. Elf- bis Zwölfjährige können zum Beispiel mit Mobbing in einem Chat ganz anders umgehen und haben bessere innere Abwehrmechanismen als Siebenjährige.

Nutzung, Umgang und auch bewusste Ablehnung von Informationen müssen von Kindern erst einmal gelernt werden. Ein Smartphone oder Tablet mit all seinen Möglichkeiten überfordert schlicht und ergreifend die sozialen und geistigen Fähigkeiten eines Grundschülers. Außerdem sind viele Funktionen für die Kinder nur schwer durchschaubar. Lass dein Kind im Netz nie allein, nutze entsprechende Sicherheitseinstellungen und –Apps. Hab keine Angst, dass dein Kind bei einem späteren Einstieg ins Thema Internet etwas verpassen könnte.

Was ein Siebenjähriger intuitiv begreift, begreift ein Zehnjähriger genauso leicht. Lass sich nicht durch Geschenke anderer Eltern an deren Kinder unter Druck setzen.

Für die Entwicklung deines Kindes

Persönliche Gespräche, vorlesen, singen und musizieren sind für gutes Sprechen und eine gute geistige Entwicklung um ein Vielfaches wichtiger und nachhaltiger, als das Wischen mit dem Finger auf einem bunten Gerät.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 05. Oktober 2018 | 10:45 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP