Musik oder Videos Streaming mit dem Handy - was sind die besten Angebote?

Zu teuer oder zu viele Lücken

Den Sorglos-Surfen-Tarif ohne Drosselung gibt es aktuell tatsächlich bei der Telekom. „Das ist ein Tarif, bei dem man wirklich das mobile Internet so nutzen kann, wie man es sich wünscht. Da ist alles unlimitiert drin – also eine echte Flatrate“, sagt Hayo Lücke von inside-handy.de. Kunden können also unendlich viele Dateien aufs Smartphone laden, Videos bei Netflix, Amazon Prime und Co. streamen oder unbegrenzt Musik bei Diensten wie Spotify oder Deezer hören. Das geht alles mit LTE-Geschwindigkeit, wenn das Netz es hergibt. Allerdings kostet der Premium-Streaming-Tarif derzeit teure 199 Euro im Monat. Telekom, Vodafone und O2 haben alternativ auch bezahlbare Streaming-Tarife im Angebot, mit denen sie auf den Boom bei der mobilen Nutzung von Videos und Musikdateien reagieren. Dabei gehen die drei Netzanbieter aber unterschiedliche Wege. Discount-Anbieter ohne eigenes Netz bieten derzeit keine vergleichbaren Streaming-Tarife an. „Bei den Discountern sind einfache Angebote ohne viel Kundenbetreuung gefragt und bei den Streaming-Tarifen ist etwas mehr Auskennen nötig“, sagt Christian Just von Computerbild.

Telekom: StreamOn

Bei der Telekom können Mobilfunk-Kunden bei bestimmten Tarifen die kostenlose Option „StreamOn“ dazu buchen. Der günstigste dieser Tarife ist derzeit „Magenta Mobil M“, den es monatlich ab rund 40 Euro gibt. Bei „StreamOn“ werden, vereinfacht gesagt die Angebote verschiedener Medienpartner der Telekom nicht ins Inklusivvolumen einberechnet. Wer also mit seinem Tarif Spotify, Netflix oder ähnliche Dienste mobil nutzt, muss nicht aufs monatlich verbrauchte Datenvolumen schauen.

Symbolfoto für die Aufhebung der Netzneutralität - Schwarze Hand hält Internetkabel
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Allerdings gibt es derzeit Ärger um das „StreamOn“-Angebot. Die Bundesnetzagentur prüft auf eine Klage von Verbraucherschützern hin, ob die Option gegen die Netzneutralität verstößt. Hintergrund: Bestimmte Angebote dürfen im Netz nicht bevorzugt behandelt werden, etwa indem sie nicht ins Inklusivvolumen einbezogen werden. Eine endgültige Entscheidung steht laut MDR-Anfrage bei der Bundesnetzagentur derzeit noch aus.

Drosselung kann trotzdem greifen

Derzeit können „StreamOn“-Kunden der Telekom noch unbegrenzt Videos und Musik unterwegs mobil nutzen. Dafür verringere der Anbieter aber die Qualität von Videos etwas, um das Mobilfunknetz nicht übermäßig zu belasten, sagt Christian Just. Die Qualität reiche in der Regel für den vergleichsweise kleinen Smartphone-Bildschirm, aber nicht für größere Geräte. „Wer die Videos vielleicht auf dem Tablet oder über einen Adapter auf einem großen Bildschirm sehen will, der wird mit Sicherheit mit der Qualität nicht zufrieden sein“, sagt Christian Just. Hayo Lücke weist noch auf einen anderen Haken beim „StreamOn“-Angebot hin: „Wenn Sie viel surfen und über andere Dienste ihr monatliches Datenvolumen von ein oder zwei oder mehr Gigabyte aufbrauchen, dann kommen Sie trotzdem in die Drosselung“. Dann würde die Geschwindigkeit fürs Surfen extrem gekürzt. Das gilt auch für die Streaming-Angebote, die dann nicht mehr sinnvoll genutzt werden können.

Vodafone: Pass

Symbolfoto gedrosselte Internetgeschwindigkeit - Internetkabel mit Schneckenhaus
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Vodafone bietet auch Tarife, bei denen bestimmte Internetdienste unbegrenzt aufs Smartphone „gestreamt“ werden können. Das Ganze heißt „Vodafone Pass“ und kann für Handytarife ab etwa 35 Euro monatlich dazu gebucht werden. Vodafone-Kunden müssen sich aber entscheiden: Für Angebote wie Spotify, Deezer und SoundCloud beispielsweise gibt es einen Musik-Pass und für Filmangebote einen Video-Pass. Ein Chat-Pass wiederum erlaubt die freie Nutzung von Messenger-Diensten wie WhatsApp, der Social-Pass lässt Instagram und Co. beim Inklusivvolumen außen vor. „Da muss man auch sehr ins Kleingedruckte schauen: Facebook-Nutzer, die den Messenger viel nutzen, müssen den Chat-Pass buchen. Wer aber die normale Facebook App nutzt, muss den Social-Media-Pass nutzen“, sagt Christian Just.

Ein Pass kann kostenlos gebucht werden. Wer noch einen weiteren Pass will, bezahlt fünf Euro pro Monat. Auch bei Vodafone kann die Drosselung greifen, wenn Nutzer andere Angebote außerhalb der Pässe stark nutzen. Laut Hayo Lücke könnte auch das Vodafone-Angebot gegen die Netzneutralität verstoßen. Aus seiner Sicht ist es nach einer Entscheidung bei Telekoms „StreamOn“ nur eine Frage der Zeit, bis die Bundesnetzagentur auch den Pass von Vodafone prüft.

O2: Free

Netzanbieter O2 geht mit seinen „Free“ genannten Tarifen einen anderen Weg. Die gibt es ab fünfzehn Euro im Monat für ein Gigabyte Inklusivvolumen. Zehn Gigabyte kosten 25 Euro monatlich. Im monatlichen Datenvolumen werden alle Angebote einbezogen und nicht wie bei Vodafone oder Telekom bestimmte Dienste außen vor gelassen. Ist die gebuchte Datenmenge aufgebraucht, drosselt O2 für alle Angebote und Internetseiten die Geschwindigkeit. Allerdings können Kunden dann mit 1 Mbit/s noch vergleichsweise schnell weiter mobil surfen. Fast alle anderen Mobilfunkanbieter drosseln dagegen auf deutlich langsamere 64 Kbit/s. Damit können etwa Nachrichtenseiten oder WhatsApp bei O2 auch nach dem Drosseln noch bis zum Monatsende recht gut genutzt werden. Für Filmfans ist allerdings meist trotzdem Schluss. „Was man auch noch beachten sollte: Das O2-Netz ist verglichen mit Vodafone oder Telekom nicht so gut ausgebaut“, sagt Hayo Lücke. Daher könnten die Verbindungen auch ohne Drosselung schon deutlich langsamer sein als bei der Konkurrenz.

Fazit

Die Sorglos-Surf-Welt aus der Werbung kostet aktuell rund 200 Euro im Monat. Bezahlbare Angebote der großen Netzanbieter weisen derzeit noch zu viele Lücken auf. Zudem ist umstritten, ob die entsprechenden Tarife von Telekom und Vodafone gegen die Regeln verstoßen. O2 geht einen anderen und meist günstigeren Weg, hängt aber bei der Netzqualität noch spürbar hinterher.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 23. November 2017 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2017, 02:10 Uhr