Starthilfe geben: Das musst du beachten

21.01.2019 | 02:10 Uhr

Mann befestigt ein Überbrückungskabel an der Autobatterie eines hilfsbereiten Autofahrers 1 min
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MDR JUMP Mo 21.01.2019 02:10Uhr 01:01 min

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Es ist der Winter-Albtraum schlechthin: Du steigst morgens in dein Auto und willst es starten. Doch es herrscht Schweigen im Motorraum. Batterie tot, alle, leer. Wie bekommst du nun das Auto trotzdem an und was kannst du tun, damit die Batterie möglichst lange am Leben bleibt?

Anzeichen für eine leere Batterie?

Hast du ein Auto mit Fernentriegelung oder einem Keyless-Entry-System (also einem schlüssellosen Einstieg), dann kann es sein, dass du bei leerer Batterie nicht mal ohne weiteres ins Auto kommst. Die Kommunikationssysteme des Autos sind praktisch immer standby und können deshalb bei leerer Batterie versagen. Passiert also bei Druck auf den Knopf am Autoschlüssel nichts, ist das oft ein Zeichen für Leere im Akku. Es gibt aber viele Autos, wie große SUVs, Kombis oder Kleinbusse, die zwei Batterien haben. Hier ist die größere, stärkere für den Startvorgang, also die Power für den Anlasser zuständig. Die kleinere Batterie liefert bei solchen Autos den Strom für die genannten Kommunikationssysteme. Es kann also sein, dass du ohne Problem ins Auto kommst, aber dann passiert nix, weil eben die große Batterie leer ist. Typischerweise gibt das Auto bei einer leeren Batterie nur ein Klicken oder ein müdes Drehgeräusch des Anlassers von sich. Von Versuch zu Versuch wird das schwächer. Das Licht und andere Systeme funktionieren auch nicht mehr. Das alles sind Anzeichen für eine leere Batterie.

Was musst du vor einer Starhilfe beachten?

  • Leere Batterie vs. Marderbiss

Eine Marder unter der Motorhaube.
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Lässt sich nichts mehr einschalten und springt das Auto nicht an, dann ist höchstwahrscheinlich die Batterie leer. Aber: Lassen sich dennoch Radio oder Licht normal einschalten, kann es sein, dass ein Marder dir einzelne Kabel durchgebissen hat. Starte in so einem Fall das Auto unter keinen Umständen und fahre nicht damit. Sollten nämlich während der Fahrt andere wichtige Assistenzsysteme wie Servolenkung oder Bremskraftverstärker ausfallen, wird es lebensgefährlich. Ein Auto mit Marderbiss muss in die Werkstatt. 

  • Besonderheiten

Informiere dich in der Bedienungsanleitung, welche Art Batterie(en) in deinem Auto verbaut sind. Danach richtet sich, wer oder wie du Starthilfe leisten kannst. Besonderheiten beim Startvorgang gibt es für Autos mit Automatikgetriebe, Start-Stopp-Automatik oder auch Hybridantrieb. Wenn du dir nicht sicher bist, fragst du in der Werkstatt nach oder rufst einen Pannendienst. 

  • Wie reagiert die Bordelektrik?

Lies immer im Bordbuch deines Fahrzeugs, ob ein An- und Abschließen der Batterie so ohne weiteres möglich ist. Gerade Autos mit viel Elektronik an Bord können auf so etwas empfindlich reagieren. Manche Fahrzeuge musst du erst auf den Neuanschluss einer Batterie einstellen. Fachleute sprechen dabei vom Anlernen der Batterie. Je teurer das Auto, desto komplizierter wird es in der Regel.

Starthilfe mit dem Auto

Um kurzfristig wieder flott zu werden, kannst du Starhilfe von einem anderen Auto bekommen. Beide Wagen müssen dazu zunächst aus sein. Dann werden zuerst die Pluspole der Batterien mit dem roten Überbrückungskabel verbunden. Dann schließt du das schwarze Kabel an den Minuspol der vollen Batterie an, verbindest aber das andere Ende nicht mit dem Minus-Pol der leeren Batterie. Stattdessen befestigst du es an einem unlackierten, unbeweglichen Metallteil am Motorblock des Nehmerfahrzeugs. Viele vor allem neue Autos haben wahlweise auch spezielle, markierte Massepunkte, an denen das andere Ende des schwarzen Kabels befestigt werden kann. Wo die sind, erfährst du in der Betriebsanleitung. Erst wenn alles verbunden ist, startest du das Strom-Geberfahrzeug, wartest eine Weile und startest dann das Strom-Nehmerfahrzeug. Gelingt das nach bis zu zehn Versuchen nicht, hast du kein reines Ladeproblem und solltest Profis zu Hilfe holen. Springt dein Auto an, dann schaltest du am Nehmerfahrzeug ein paar Verbraucher wie Radio und Lüftung ein. Das schützt die Bordelektronik. Nun lässt du das Nehmerfahrzeug weiterlaufen, schließt zuerst das schwarze Minuskabel ab und dann das rote Pluskabel.  

Beim Kauf von Ladekabeln achtest du bitte auf einen ausreichend großen Querschnitt der Ladekabel. Autos mit Benzinmotor brauchen einen Querschnitt von mindestens 16 Quadratmillimetern, bei Dieselfahrzeugen sind es sogar 25 mm². Dein Ladekabel sollte mit der DIN-Norm 72553 gekennzeichnet sein.

Starthilfe mit dem Powerbooster

Ähnlich wie bei Smartphones gibt es auch für Autobatterien sogenannte Akkupacks oder auch Starthilfebooster. Die kosten ab 50 Euro und werden direkt an die angeschlossene Batterie geklemmt. Dann kannst du das Fahrzeug starten. Wichtig dabei: das Akkupack sollte selber zu mindestens 25 Prozent geladen sein und nicht über Nacht im kalten Auto gelegen haben. Nimm diese Geräte also immer mit ins Warme. Bei minus 18 Grad hat ein kaltes Akkupack keine Chance. Auch ein Ladegerät mit Boostfunktion kann helfen. Hast du hingegen nur ein normales Ladegerät, sollte das mindestens eine bis zwei Stunden an der zu ladenden Batterie hängen, bis die das Auto wieder starten könnte.

Anschieben funktioniert nur bei wenigen Autos

Der Energiebedarf von Benzinpumpe, Anlasser und anderen Geräten ist bei modernen Fahrzeugen so groß, dass ein normales Anschieben nicht ausreicht. Versuchst du es trotzdem, besteht die Gefahr, dass dabei der Katalysator kaputt geht. Bei Dieselautos brauchst du ziemlich sicher eine Strecke von mehreren hundert Metern, ehe es klappen kann. Nur wenn du keine andere Möglichkeit hast, solltest du einen Anschiebversuch wagen, aber auch nur maximal einen. Bei Automatikfahrzeugen geht es ohnehin nicht.

Vorsicht Verkehr

Ein Mann in Warnweste hat sein Auto auf dem Stadstreifen abgestellt und telefoniert an einer Notrufsäule. im Vordergrund steht ein Warndreieck.
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Auf welche Weise du dein Auto auch wieder in Schwung bringst, achte dabei immer auf den Verkehr. Sichere deinen Standort mit Warndreieck. Trage selbst eine Warnweste. Hole dir im Zweifel Hilfe von einem Profi.

Die Batterie vorsorglich laden

Kommest du bei deinem Arbeitsweg nicht auf die nötige Ladezeit, dann kannst du deiner Batterie gelegentlich mit einer Erhaltungsladung durch ein Ladegerät unter die Arme greifen. Dazu musst du die Batterie nicht aus dem Auto ausbauen. Wichtig ist jedoch, dazu die Zündung auszuschalten und die Anschlüsse für Plus- und Minuspol von der Batterie zu trennen. Grundsätzlich sollte eine Autobatterie während des Ladens durch ein Ladegerät nicht an den Stromkreis des Auto angeschlossen sein. Manche Geräte geben zeitweise einen stärkeren Strom ab, als die Bordelektronik verträgt. Lass die Batterie also nur angeschlossen, wenn es die Beschreibung des Ladegerätes ausdrücklich erlaubt. Über Nacht wird die Batterie wieder voll geladen. Erhaltungsladegeräte gibt es ab 15 Euro, bessere Geräte mit Ladetimer und Überladungsschutz kosten ab 30 Euro. 

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 21. Januar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2019, 02:10 Uhr