Sportwetten im Netz

16.08.2019 | 02:10 Uhr

Fußballspieler vor einer Werbung für Sportwetten 1 min
Bildrechte: imago/Norbert Schmidt

Genaue Regelung für Sportwetten fehlt

Wer im Internet Geld auf einen Sieg von Bayern München im Bundesliga-Auftaktspiel gegen Hertha BSC setzen will oder auf ein Unentschieden zwischen Union Berlin und RB Leipzig, kann das aktuell nur bei einem Anbieter ganz legal machen: beim staatlichen Wettanbieter Oddset (Lotto). Sportwetten von den zahlreichen privaten Anbietern dagegen werden derzeit in Deutschland nur geduldet. "Geduldet werden alle Anbieter, die eine EU-Lizenz haben und akzeptieren, dass jede gewonnene Wette mit fünf Prozent besteuert wird", sagt Dr. Michael Monka. Der Statistiker betreibt mit anderen Fußballfans ehrenamtlich die Seite youpriboo.de. Das steht für: "Your Private Booker", zu Deutsch: "Dein persönlicher Buchmacher". Dort werden Fußballspiele analysiert und Tipps für Sportwetten-Interessierten gegeben.

Derzeit fehlen die Konzessionen, die eigentlich laut Glückspielstaatsvertrag an Sportwetten-Anbieter vergeben werden sollten. Da hatte damals ein Anbieter geklagt und dann wurde die ganze Vergabe ausgesetzt,

sagt Tatjana Halm, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern. Nach aktuellen Stand wird diese Hängepartie erst nächstes Jahr beendet.

Kein guter Schutz für Spieler

Wettschein von Oddset
Rechtlich gesehen, ist in Deutschland nur der staatlichen Wettanbieter Oddset zugelassen. Bildrechte: imago/Eibner

Fußballfans können bei allen privaten, in Deutschland geduldeten Anbietern ohne Lizenz wetten, ohne Strafen befürchten zu müssen. Wegen der Hängepartie um Lizenzen für Deutschland sind sie aber bei Ärger nicht gut geschützt, etwa wenn es Ärger um die Auszahlung von Gewinnen gibt. "Das ist eben schwierig, wenn das Ganze nur geduldet ist. Denn aus der Wette heraus ergeben sich keine Rechtsansprüche", erklärt Verbraucherschützerin Halm. Bisher hat es nach ihrer Erfahrung aber noch keinen Fall gegeben, in dem sich ein privater Anbieter geweigert habe, Gewinne an Spieler auszuzahlen.

Nur bei seriösen Wettanbietern setzen

Auch wegen der noch unklaren Rechtslage sollten Fußballfans ihr Geld nur bei seriösen Anbietern setzen. "Ich würde zuerst ins Impressum auf der Webseite des Wettanbieters schauen. Da steht, wo der sitzt", empfiehlt Tatjana Halm. Anbieter mit Sitz in einem EU-Mitgliedsland müssen eine Lizenz vorweisen können und werden damit auch von den Behörden des jeweiligen Landes überwacht. Ohne diese Lizenz dürfen keine Sportwetten innerhalb der EU angeboten werden, auch nicht online. "Ich würde zudem im Netz schauen, ob Spieler schon negative Erfahrungen mit dem Anbieter gemacht haben", sagt die Rechtsexpertin. Bei unseriösen Anbietern sei im Ernstfall nicht nur das Geld weg. Auch Kreditkarten-Daten könnten gestohlen werden.

Vorher genau über die Mannschaften informieren

Wer auf den Ausgang von Fußballspielen wetten will, sollte sich vorher über die antretenden Mannschaften möglichst gut informieren.

Aus dem Bauch heraus zu wetten, ist verlockend. Aber die Buchmacher, die Anbieter der Wetten, machen bis zu 90 Prozent ihrer Gewinne aus dem spontanen Verhalten ihrer Kunden.

Fußball im Tor
Welche Mannschaft wird wahscheinlich häufiger das gegnerische Tor treffen? Bildrechte: imago images / Panthermedia

sagt Michael Monka. Er schaut sich für seine Internetseite unter anderem an, wie gut eine Mannschaft in der Offensive ist oder wie gut sie verteidigt. Analysiert wird auch, wie präzise die gespielten Pässe bei den Mitspielern landen, wie oft eine Mannschaft aufs Tor schießt und wie viele Torschüsse dann tatsächlich ins Netz gehen. Aus diesen Daten können dann Wahrscheinlichkeiten abgeleitet werden: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Mannschaft die andere besiegt oder dass beide unentschieden spielen? Solche Daten liefern online unter anderem auch das Fußballfachmagazin Kicker und Seiten wie weltfußball.de oder soccerstats.de. Da wird unter anderem dargestellt, wie beide Mannschaften in der Vergangenheit gegeneinander gespielt haben.

Quoten verstehen

Wer auf die Internetseiten der Sportwetten-Anbieter geht, sieht vor allem viele Kästchen mit Quoten. Die geben, vereinfacht gesagt an, wie wahrscheinlich ein Sieg einer Mannschaft aus Sicht des Wettanbieters ist und wie viel Geld man bei einer gewonnenen Wette bekommt.

Beim Bundesliga-Auftaktspiel RB Leipzig gegen Union Berlin steht dann bei einem Anbieter bei "Sieg Union Berlin" beispielsweise eine 4,5, bei Unentschieden eine 3,7 und bei "Sieg RB Leipzig" eine 1,8. Kurz also: 4,5/3,7/1,8. Damit wäre ein Sieg von RB aus Sicht des Wettanbieters am wahrscheinlichsten. Wer zehn Euro auf Sieg RB Leipzig setzt, bekommt im Erfolgsfall auch nur achtzehn Euro. Gewinnt Union Berlin oder endet das Spiel unentschieden, sind die zehn Euro Einsatz weg. Wer auf den – unwahrscheinlicheren – Sieg von Union Berlin setzt, bekommt im Erfolgsfall für zehn Euro immerhin 45 Euro.

Bevor ich mir diese Quoten ansehe und setze, würde ich mir aber selbst überlegen, wie wahrscheinlich für mich ein Sieg von RB Leipzig oder ein Sieg von Union Berlin oder ein Unentschieden ist und daraus für mich meine persönlichen Quoten ausrechnen.

Michael Monka

Im konkreten Beispielfall könnte die Vorhersage mit Blick auf die Stärke der Mannschaften aus Sicht unseres Experten so lauten: RB Leipzig gewinnt mit 60 Prozent Wahrscheinlichkeit, Union Berlin mit 20 Prozent Wahrscheinlichkeit und mit 20 Prozent Wahrscheinlichkeit gibt es ein Unentschieden. Diese Wahrscheinlichkeiten werden dann nach der immer gleichen Formel in Quoten umgerechnet:
100 durch den Wert der Wahrscheinlichkeit (in Prozent) = Quote
Das heißt konkret: 100 durch 60 (für RB Sieg) = 1,6666 (gerundet: 1,7). Damit würde Michael Monka für das Spiel die Quoten 5/5/1,7 setzen.

Und wenn ich dann auf einen Sieg von RB Leipzig setzen will, suche ich mir einen Buchmacher der eine Quote oberhalb von 1,7 anbietet. Das ist dann für mich ein guter Deal.

Michael Monka

Im konkreten Fall würde er also einen Wettanbieter nutzen, der eine Quote von 1,8 oder vielleicht sogar 2 anbietet.

Geduld haben

Unser Statistikexperte rät, nicht gleich an den ersten Spieltagen der neuen Saison 2019/20 Geld zu setzen. Auch wer sich gut mit Fußball auskennt, die letzte Saison ausgiebig verfolgt und sich über die Bundesligapause hinweg auch über alle Transfers und Vorbereitungsspiele informiert hat, sollte besser die ersten fünf Spieltage abwarten. "Man kann einfach aus der letzten Saison und den Vorbereitungsspielen auf die neue Bundesliga-Saison nicht die Informationen ableiten, die man für die ersten fünf Spieltage braucht", erklärt unser Experte. Ein gutes Beispiel dafür sei der Start des FC Schalke 04 in die Saison 2018/19 gewesen.

Die Mannschaft hat da die ersten fünf Spiele allesamt verloren. Dabei war Schalke in der Saison davor Tabellenzweiter. Und auch die Vorbereitungsphase und die Vorbereitungsspiele waren ganz ordentlich.

Fußballschuh auf Spielball
Experte Michael Monka rät, nicht gleich zu Beginn der Saison zu wetten. Bildrechte: imago images / Zink

Michael Monka rät zudem, Wetten nicht immer nur bei einem Anbieter abzuschließen: "Wer zu erfolgreich ist, zu oft gewinnt, kann von den Buchmachern ohne Angabe von Gründen ausgeschlossen werden." Diese sogenannte Limitierung sei möglich, weil eben in Deutschland private Wettanbieter nur geduldet werden und ein Glücksspielvertrag fehle.

Müssen Fußballfans auf Wettgewinne Steuern bezahlen?

Wer bei Wetten auf die Fußballspiele der Bundesliga und anderen Ligen gewinnt, muss sich keine Sorgen um Steuern machen. Sportwetten gelten als Glücksspiel. "Damit sind Gewinne darauf grundsätzlich steuerfrei", so der Bund der Steuerzahler. Das heißt aber auch: Verluste aus Sportwetten können Fußballfans bei der Steuererklärung nicht geltend machen.

Fazit

Allein Oddset darf derzeit in Deutschland legal Sportwetten anbieten. Private Anbieter sind nur geduldet. Fans dürfen dort spielen, sind aber nur unzureichend vor Abzockern geschützt. Fußballfans sollten sich vorab genau über die Stärken und Schwächen einer Mannschaft informieren und auch Geduld haben: Unser Experte würde erst ab Spieltag 6 bei Wetten mitmachen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 16. August 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 00:10 Uhr

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