Smartphones unter 200 Euro: Wo müssen Käufer Abstriche machen?

26.09.2018 | 02:10 Uhr

Ein Mann fotografiert sich mit dem Smartphone vor dem Eiffelturm in Paris. 1 min
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MDR JUMP Mi 26.09.2018 02:10Uhr 01:01 min

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Für die Premiumhandys von Samsung, Apple, HTC und Co. müssen Käufer richtig viel Geld bezahlen oder den Preis über einen entsprechend teuren Vertrag über zwei Jahre abbezahlen. Viele Hersteller haben aber auch Smartphones für unter 200 Euro im Angebot. Die werden häufig nicht so stark beworben wie die Premiummodelle, sind aber bei Technik und Ausstattung gar nicht so viel schlechter. Wir fassen zusammen, in welchen Bereichen die preiswerten Modelle mit teuren Geräten mithalten können und wo die Hersteller gespart haben.

Günstige Smartphones auch von Markenherstellern

In der Preisklasse bis 200 Euro gibt es neben Geräten von eher unbekannten Anbietern wie bq, Cubot oder Vernee auch Modelle von Markenherstellern wie Samsung, Motorola, Sony oder HTC. Deren Geräte laufen in der Regel mit dem Betriebssystem Android, einige Geräte von Microsoft haben auch Windows an Bord. iPhones von Apple gibt es in dieser Preisklasse jedoch nicht. Bei der Akkuleistung, beim schnellen Mobilfunk LTE und teilweise auch bei den Bildschirmen können viele Geräte für unter 200 Euro durchaus mit teureren Smartphones mithalten. Beim Speicherplatz, bei der Ausstattung, der Qualität der verbauten Kamera und der Leistungsfähigkeit der Prozessoren müssen Käufer aber in der Regel Abstriche hinnehmen. Hier sind die Details, die aktuelle Tests von teltarif.de (Stand: Juli 2018) und Computerbild (Stand: April 2018) ergaben. In den Bestenlisten des Verbraucher- und Technikportals CHIP Online können Nutzer gut sehen, welches günstige Smartphone für einen Preis von unter 200 Euro die beste Leistung im Test abliefert.

Positiv „Akku": In Tests unserer Experten gab es bei der Laufleistung zwischen teuren und günstigen Modelle nicht immer spürbare Unterschiede. „Es gibt günstige Geräte mit wahnsinnig guten Akkulaufzeiten und auch Geräte, wo nicht so viel Wert auf die Qualität der Akkus gelegt wird“, sagt Dominik Haag vom Onlineportal teltarif.de. „Wer auf lange Akkulaufzeit Wert legt, der wird bei den Einsteigern gut bedient. Da sind Bildschirme und Prozessoren nicht so auf hohe Leistung ausgelegt und damit genügsamer“, sagt Christian Just. Leider neigen inzwischen auch Hersteller von günstigeren Smartphones dazu, die Akkus fest zu verbauen. Die können nur mit hohem Aufwand und entsprechenden Kosten vom Profi getauscht werden, wenn sie nach zwei Jahren deutlich an Leistung verlieren. Das lohnt sich dann oft nicht mehr.

Positiv „Schneller Mobilfunk": Auch Smartphones für unter 200 Euro Neupreis kommen inzwischen meist mit dem schnellen Datenfunk LTE. „Auf den sollte man auch nicht verzichten. Dank den zusätzlichen Frequenzen hat man dann auch einen besseren Empfang“, rät Christian Just. Allerdings ist dafür oft noch immer ein entsprechender Mobilfunk-Vertrag nötig, um LTE nutzen zu können. „Die meisten holen sich zum günstigen Gerät dann einfach einen Prepaid-Tarif. Da muss man beim Tarif selber schauen, dass man im LTE-Netz funken kann“, sagt teltarif-Experte Haag.

Manchmal negativ „Bildschirm": Echte „Vollkatastrophen“ mit zu kleinen, pixeligen und dunklen Bildschirmen gibt es bei den Smartphones knapp unter 200 Euro inzwischen nicht mehr, sagt Christian Just von Computerbild: „Bei Helligkeit und Bildschärfe können die aber nicht mit der Oberklasse mithalten. Das ist im Sommer insbesondere draußen spürbar.“ Den Nachteil bei der Helligkeit gleichen manche Hersteller günstiger Geräte aus, indem sie einen manuellen Boost für sehr helle Umgebungen anbieten. Dann wird auf Knopfdruck für ein paar Sekunden der Bildschirm sehr hell und kann so sauber abgelesen werden. Viele günstigere Modelle bieten nur eine einfache HD-Auflösung, also 720p oder auch 1280 x 720 Pixel. „Das sieht man bei größeren Bildschirmen. Ab 5,5 Zoll aufwärts müsste es dann schon Full-HD sein. Das ist aber in der Klasse selten“, sagt er.

Negativ „Ausstattung“: Auf Komfort-Merkmale wie das drahtlose Laden des Akkus müssen Käufer günstiger Modelle verzichten. Zumindest einige Smartphones für unter 200 Euro sind aber inzwischen mit einer Schnell-Lade-Funktion ausgerüstet. Dabei wird vereinfacht gesagt mehr Strom ins Handy gespeist und der Akku ist schneller voll. „Da müssen Käufer aber oft noch ein neues Netzteil holen, weil die Schnell-Lade-Netzteile oft nicht beiliegen. Das kostet zehn bis 15 Euro“, sagt Christian Just. Abstriche müssen Käufer günstiger Smartphones zudem bei der Verarbeitung und beim WLAN-Tempo machen. Die neuesten WLAN-Standards werden oft nur von den Premium-Handys unterstützt.

Eine Hand tippt auf einem Smartphone.
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Negativ „Prozessor": In vielen günstigen Geräten werden langsamere Prozessoren verbaut. Die reichen aber für die meisten Tätigkeiten wie Internetsurfen, Nachrichten senden oder Filme abspielen völlig aus. „Beim Starten von Apps kann es teils einige Sekunden länger dauern. Den Leistungsunterschied merkt man auch, wenn sich aufwendig gemachte Internetseiten auf dem Bildschirm langsamer aufbauen“, sagt Christian Just. Bei Spielen mit hohen Anforderungen an den Grafikprozessor kann es zu Rucklern kommen.  

Negativ „Speicher": Der eingebaute Speicher für Betriebssystem, Musik, Fotos und Filme ist bei Smartphones unter 200 Euro vergleichsweise klein. „Zu empfehlen sind eigentlich Geräte mit 32 GB Speicher. Die sind in der Preisklasse aber selten“, sagt Christian Just. Viele günstige Smartphones bieten nur 16 Gigabyte oder sogar noch weniger internen Speicher. Der sei dann schnell voll, sagt Dominik Haag: „Meistens ist das Betriebssystem ja schon zwischen 10 und 12 Gigabyte groß und das raubt schon ordentlich.“ Ist der interne Speicher fast voll, bremst das auch das Gerät spürbar aus. Das Problem können aber zusätzliche Speicherkarten zumindest etwas abmildern. Die nötigen Micro-SD-Slots bieten die meisten günstigen Geräte an. „Oft kann man die Speicherkarte so formatieren, dass die vom Gerät als interner Speicher gewertet wird“, sagt Christian Just. Dann können Apps, Fotos oder auch die Musik von Streamingdiensten auf der Speicherkarte gelagert werden. Dieses Verschieben lassen allerdings nicht alle Geräte zu.

Negativ „Kamera": Viele Premiumhandys sind ab Werk mit sehr guten Bildsensoren, hochwertigen Linsen und optischen Bildstabilisatoren ausgerüstet. Viele günstige Smartphones können da aus Sicht unserer Experten nicht mithalten. „Die Fotos sind allenfalls bei Tageslicht okay. Bei wenig Licht sind die wegen Bildrauschen meist unbrauchbar. Außerdem fehlt oft ein optischer Bildstabilisator“, sagt Christian Just. „Bei der Kamera ist der Unterschied zwischen teuren und günstigen Geräten sichtbar. Wir haben aber im Test ein Smartphone mit einer unfassbar guten Kamera gehabt und das liegt nur knapp über 200 Euro“, sagt teltarif-Experte Haag.

Warten aufs Premiummodell?

Weil die Hersteller in sehr kurzen Abständen neue Smartphones oder verbesserte Versionen vorstellen, fallen die Preise selbst für neue Handys erfahrungsgemäß sehr schnell. Unter die magische 200-Euro-Grenze rutschen sie aber meist nicht. Premium-Smartphones unter der genannten Marke gibt es nur auf dem Gebrauchtmarkt und diese Geräte haben dann schon einige Jahre auf dem Buckel. „Da ist dann der Akku oft ein Problem. Wenn der vom Vorbesitzer jeden Tag zweimal geladen wurde, ist der nach zwei Jahren hinüber“, sagt Christian Just. Er rät, sich im Freundes- oder Kollegenkreis umzuhören. „Es gibt immer Leute, die Zweijahres-Verträge haben und dann immer ein teures Gerät dazu nehmen. Die geben ihre alten Geräte oft für einen fairen Preis ab, wenn sie einen neuen Vertrag mit neuem Handy abschließen“, sagt der Computerbild-Experte.

Fazit

Aktuelle Smartphones unter 200 Euro sind etwas für preisbewusste Nutzer, die neben dem Telefonieren mobil surfen und soziale Netzwerke nutzen wollen, Musik hören oder auch Filme ansehen möchten. Dafür reichen die günstigen Modelle vollends aus, sagen unsere Experten. Wer dagegen auf sehr große Bildschirme und tolle Fotos Wert legt, häufig neue Apps ausprobieren möchte, aufwendige Spiele mag und viele Fotos oder Musik im Handyspeicher haben will, sollte eher zu etwas teuren Modellen greifen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 26. September 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2018, 02:10 Uhr

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